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Erhebe deine Stimme wie ein Schofar

Der Kammerchor Obere Nahe unter der Leitung von Roland Lißmann zeigt in zwei Konzerten jüdische Einflüsse in unserer Kultur auf. Die Schauspielerin Barbara Philipp liest aus Werken jüdischer Autoren.

Postkarte Konzertreihe

Idar-Oberstein/Offenbach am Glan. Das Jahr 2021 steht im interreligiösen Kontext ganz im Zeichen eines Jubiläums. "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" lautet das Motto des Festjahres. Bundesweit wird es begangen mit Ausstellungen, Lesungen, Theater, Podiumsdiskussionen und Musik.

Musikalisch hat sich auch Kreiskantor Roland Lißmann der Thematik genähert. Nach einem - coronabedingt - kleinen Konzert im ersten Jahresquartal in der Wolfersweilerer Kirche hat der Kreiskantor des Kirchenkreises Obere Nahe noch einmal 1700 Jahre Judentum gewidmet und ein Konzert zusammengestellt. Ausführen wird es auch dieses Mal der Kammerchor Obere Nahe. Damit möglichst viele Zuhörer*innen in den Genuss kommen, wird das Konzert an zwei Abenden an großen Spielstätten geboten: Am 30. und 31. Oktober, jeweils ab 19:30 Uhr, in der Abteikirche Offenbach und im Idar-Obersteiner Stadttheater.

Die Stücke, die der Kammerchor präsentiert, bieten eine musikalischen Streifzug durch die jüdisch geprägte Musik der letzten Jahrhunderte. Den Aufschlag macht der Kammerchor mit zwei Stücken des Frühbarocken Komponisten Salomone Rossi (1570-1630): „Barechu“ und die Vertonung des Wallfahrtslieds "Shir HaMa-alot Ashrei Kol Yerei" (Psalm 128) führen die Zuhörer zurück zur Wende des 16. und 17. Jahrhunderts. Rossi arbeitete sich hoch zum Kapellmeister bei Hofe, er komponierte allerdings auch Vokalmusik für hohe jüdische Festtage.

Der Schwerpunkt des Konzerts liegt im 19. und 20. Jahrhundert - der bürgerlichen Hochzeit jüdischen Lebens in Deutschland. Es geht in eine Zeit, in der jüdische Kultur und nationalstaatliche Identität dichter miteinander verwoben waren. Anders als die Juden Osteuropas, die religiöse und nationale Identität gleichsetzten, taten dies die westeuropäische Juden nicht und strebten im 19. Jahrhundert die Emanzipation als Staatsbürger an.

Stellvertretend für diese Zeit stehen die Komponisten Viktor Ullmann, Alexander von Zemlinsky und Albert Kellermann. Kellermanns„Min hamezar“ für Chor, Sopran- und Tenorsolo und Orgelbegleitung vertont Psalm 118 (Vers 5-25): "Aus der Bedrängnis rief ich zum Ewigen..."

Der Kammerchor gibt außerdem sechs jiddische Lieder, komponiert von Viktor Ullmann (1898 - 1944), zum Besten. Auch von Ullmanns Mentor, Alexander von Zemlinsky, hat der Kammerchor ein Stück im Repertoire: den Hochzeitsgesang „Baruch aba“.

Zwischen den musikalischen Parts gibt es Lesungen der aus Wittlich stammenden Schauspielerin Barbara Philipp (u.a. bekannt aus dem Kinofilm "Die andere Heimat - Chronik einer Sehnsucht"). Sie rezitiert unter anderem Stücke zum Jom Kippur („Fest der Versöhnung“), liest Gedichte von Gertrud Schloss und liest Auszüge aus einem noch unveröffentlichten Werk der Schauspielerin und Autorin Adriana Altaras.  Die Gedichte von Gertrud Schloss offenbaren eine beeindruckende Persönlichkeit der jüngeren jüdischen Geschichte mit Bezug zur Region: Schloss war Jüdin, Sozialdemokratin, Feministin, Autorin. Geboren wurde sie in Trier. Wie auch Viktor Ullmann ist ihr Schicksal eng verbunden mit dem düstersten Kapitel deutscher Geschichte: der Shoa. Wie über sechs Millionen andere deutsche Juden fanden Ullmann und Schloss den Tod im Konzentrationslager Auschwitz. 

Info:

"Erhebe deine Stimme wie ein Schofar"
Konzert, Rezitation und Lesungen

Leitung: Roland Lißmann
Vokalmusik: Kammerchor Obere Nahe
Piano: Thomas Layes
Gesang, Rezitation, Lesungen: Barbara Philipp

Die Wittlicher Schauspielerin Barbara Philipp begleitet das Programm mit Lesungen, Rezitation und Gesang. Bildnachweis: Tilmann Classen.