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„Die Kirche gehört überraschenderweise Gott“ – Abschied von Pfarrer Timo Breuer

Die Evangelische Edelsteingemeinde verabschiedet ihren Pfarrer am Erntedankfest im Gemeindezentrum Flachsspreite – Timo Breuer ist bereit zum Wechsel in die Militärseelsorge.

Nach dem Abschied von Pfarrer Arndt Fastenrath im Sommer stand nun der zweite Abschied eines Pfarrers aus der Evangelischen Edelsteingemeinde an: Am Erntedankfest, dem 4. Oktober, verabschiedete sich Pfarrer Timo Breuer in einem bewegenden und sehr gut besuchten Gottesdienst im Gemeindezentrum Flachsspreite von seiner Gemeinde. Superintendentin Jutta Walber entpflichtete ihn aus seinem Dienst. Der Ort war dabei derselbe, an dem Breuer vor zwei Jahren – ebenfalls an Erntedank – seine Ordination gefeiert hatte: Ein Bogen zwischen Anfang und Abschied, der sich an diesem Tag auf eindrucksvolle Weise schloss.

Noch vor seiner Entpflichtung nahm Breuer eine letzte Amtshandlung vor: Er führte Tobias Kemmer, neuer Küster der Stadtkirche Idar, in sein Amt ein. Mit dem Segen für einen neuen Anfang endete ein Kapitel, das für die Region weit mehr war als eine Pfarrstelle: Es war ein intensives Stück Kirchengeschichte im Werden.

Vier Jahre, die es in sich hatten

Objektiv betrachtet, waren es zwar „nur“ vier Jahre. Doch diese Zeit hatte es in sich; sie war intensiv in vielerlei Hinsicht: Timo Breuer startete sein Vikariat unter Mentor Daniel Witting, der dann die Gemeinde in Richtung SHG-Klinikum verließ. Bereits im Vikariat begleitete Breuer die Kirchengemeinde Veitsrodt-Herborn, die in pfarramtlicher Verbindung zu Bergen und Niederwörresbach stand. Nach dem Weggang von Pfarrer Uwe Kreutz hatte sie sich jedoch entschlossen, sich bereits vor Vollzug der Fusion organisatorisch und seelsorgerlich auf den Weg zu machen und sich den neuen Fusionspartnern zuzuwenden. Dieser Weg mündete am Ende in der Fusion von fünf Kirchengemeinden zur heutigen Edelsteingemeinde. Diese ging am 1. Januar 2025 an den Start. En Vorsitz des Bevollmächtigenausschusses übernahm der noch frisch ordinierte Timo Breuer.

Manche Schritte brauchen weder lange Zeit noch großes Gewicht, um Spuren zu hinterlassen: Breuer setzte in vier Jahren deutlich mehr als nur Fußabdrücke – er legte mit seinen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern ein Fundament für die Zukunft der Edelsteingemeinde.

Ein Gottesdienst wie aus einem Guss

Gestaltet wurde der Abschiedsgottesdienst von Pfarrerin Christine Wild, Pfarrer Timo Breuer und Superintendentin Jutta Walber. Kantor Jürgen Schneider spielte an der Orgel und leitete das Frauenensemble CHORios. Im Mittelpunkt stand die Lesung aus 1. Petrus 5,1–4 – „Sorgt für die Gemeinde Gottes, die euch anvertraut ist“.

„Wir sind höchstens Aushilfshirten“

Zur Lesung passte auch die Predigt, die Timo Breuer zum Abschied hielt. „Bewaffnet“ mit einer Packung Taschentücher für den Notfall, nahm er das Rednerpult ein und präsentierte dann eine Predigt, die zwischen tiefster Emotion und feinem kircheninternem Humor pendelte – und die Gemeinde immer wieder lachen und leise mitschreiben ließ. Breuer erinnerte daran, dass die Gemeinde nicht den Menschen gehört, sondern Gott anvertraut ist – alle kirchliche Verantwortung, vom Presbyterium bis zum Landeskirchenamt, sei nur „geliehene Verantwortung“, und alle anderen seien vor Christus, dem obersten Hirten, „höchstens Aushilfshirten auf Zeit ohne Eigentumsrechte an der Herde“. Mit einem Augenzwinkern warnte er davor, Werkzeug und Auftrag zu verwechseln – Jesus habe seine Jünger schließlich nicht ausgesandt mit den Worten: „Gehet hin in alle Welt und optimiert die Verwaltungsprozesse.“ Die eigentliche Frage der Kirche sei nicht, wie sie möglichst viel von dem erhalten kann, was sie hat, sondern wozu sie da ist: bei Taufen und Trauungen, an Krankenbetten und Gräbern, bei Karnevalsgottesdiensten, Gottesdiensten auf dem Veitsrodter Prämienmarkt, am Weiher in Veitsrodt und in KiTa-Gottesdiensten – denn Kirche geschehe dort, wo Menschen mit dem Evangelium in Berührung kämen, und ihre wichtigste Bewegung sei die nach draußen. Den Schlusspunkt setzte er mit dem Text seines Ausbilders Holger Pyka: „Wir waren jung und brauchten kein Geld“, einer poetischen Traumreise von einer Kirche, deren Hoffnung „die Farbe von Grasflecken an den Knien hat“ und deren Wunder „mit dreckigen Händen am besten funktionieren“. 

Neuer Weg ab dem 1. November

Im Anschluss an den Gottesdienst konnten sich Weggefährtinnen und Weggefährten mit ganz persönlichen Worten von Breuer verabschieden. Die Moderation lag in den Händen von Dittmar Fuchs. Die Grußworte spiegelten die vier Jahre wider: Susanne Spohn dankte im Namen der ehemaligen Kirchengemeinde Veitsrodt-Herborn für die Begleitung und Betreuung in einer Zeit des Übergangs. Ellen Brenner und das Team der Kita Flachsspreite hatten viele guten Wünsche parat. Daniel Marx von der Idarer Karnevalsgesellschaft (IKG) erinnerte an die neu geschaffene Tradition der Karnevalsgottesdienste, die es sogar ins Regionalfernsehen geschafft hatten. Daniel Witting schenkte Breuer einen Apfelbaum. Der Männerkreis Idar schließlich hätte dem Abschied kaum eine würdigere Pointe geben können: Mit Fliegerjacke und Helm entließ er Breuer ganz im Sinne des Films „Top Gun“ auf den Militärstützpunkt Büchel. Dorthin wechselt Breuer nämlich zum 1. November. Als Militärseelsorger wird er künftig Soldatinnen und Soldaten seelsorgerlich begleiten – ausgestattet mit reichlich Segen seiner ehemaligen Gemeinde.