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An/ge)dacht: „Wenn man auch im Leben etwas zurückdrehen könnte!“

Zwischen Zeitumstellung, Leben, Wein und Wasser – unsere Autorin, Schulpfarrerin Stefanie Eckes-Steuckart, schreibt heute über eine lauschige Einkehr in einer Straußwirtschaft.

Zum Schluss unserer Radtour waren wir in eine Straußwirtschaft eingekehrt. Der Tag ging auf den Abend zu und wir saßen mit ein paar anderen Gästen bei Wein und Wasser an einem langen Tisch. Irgendjemand erwähnte die bevorstehende Zeitumstellung, es wurden ein wenig das Für und das Wider diskutiert, und dann fiel halb im Scherz, halb im Ernst dies Wort: „Wenn man auch im Leben etwas zurückdrehen könnte!“

„Da gäbe es viel zu tun!“, warf einer in die Runde. Ein paar stimmten ihm zu. Eine junge Frau jedoch sagte leise, sie zitierte aus einem Gedicht, das sie in der Schule hatte lernen müssen: „Das Wasser, das du in den Wein gossest, kannst du nicht mehr ausschütten. Aber neu beginnen kannst du noch mit dem letzten Atemzug.“ Ich nickte ihr zu. Ein älterer Mann aber nahm sein Glas zur Hand und sagte: „Doch das Wasser bleibt im Wein!“ Fragend blickten wir uns gegenseitig an.

„Ich bin kürzlich einem meiner Lehrer begegnet“, sagte ein junger Mann. „Auf dem Markt. Ganz überraschend. Ich erkannte ihn erst, als er gezahlt hatte und sich zum Gehen wandte. Ansonsten hätte ich mich an einem anderen Stand angestellt, denn mit meinen Freunden hatte ich ihm einige Male übel mitgespielt. ‚Wie geht es ihnen?‘ Er hatte mich sofort erkannt. ‚Gut!‘, erwiderte ich überrascht. Und dann musste ich ihm erzählen, welchen Weg ich nach der Schulzeit eingeschlagen hatte. ‚Das ist schön‘, sagte er mehrmals, ‚das freut mich!‘ Als wir uns verabschiedeten, wollte ich noch die Streiche ansprechen, die wir ihm gespielt hatten, und um Entschuldigung bitten. Hilflos stammelte ich ein paar Worte. Da lächelte er mich an und sagte: ‚Das ist lange her. Das ist längst vergessen. Aber was Sie mir heute erzählt haben, das nehme ich mit. Das hat mich gefreut. Da war mein Lehrerdasein nicht umsonst!’“ „Das ist schön“, sagte die junge Frau. „Ich muss gerade an einen Lehrer aus der Berufsschule denken“, warf ein anderer ein. „Der sprach immer von der unsichtbaren Hand des Marktes.“ Ein paar lachten. Der Mann zu meiner Linken atmete tief durch. „Ich vertraue lieber der großen Hand von oben“, sagte ich. Der junge Mann sah mich an. Da nahm der ältere Mann sein Glas wieder zur Hand, erhob es, trank es aus und sagte: „Neu beginnen können wir mit jedem Atemzug.“

Stefanie Eckes-Steuckart, Pfarrerin im Schuldienst

Bildnachweis/Bildquelle: OpenAI (ChatGPT, KI-Bildgenerierung), Redaktion Kirchenkreis Obere Nahe.