Sie sind hier: Kirche mit dir » Aktuelles & Termine » Nachrichtenarchiv

Nachrichtenarchiv

Wirtschaftlich benachteiligte Familien nicht abstempeln

In einer Stellungnahme geht die Sozialberatung des Diakonischen Werkes (Kirchlicher Sozialdienst) zum Beitrag in der Nahe Zeitung vom 12.06.2025 („Viele Eltern kümmern sich nicht ums Schulessen“) ein.

Die Förderung, Bildung und Fürsorge von Kindern aller sozialen Schichten muss einen hohen Stellenwert in einer sozialen und verantwortungsvollen Gesellschaft haben. Die Entwicklungen, die späteren Lebenschancen und Entfaltungsmöglichkeiten hängen davon ab. Kinder dürfen nicht aufgrund von zugeschriebenen Merkmalen eingeordnet, abgestempelt und entsprechend vor- oder nachteilig behandelt werden.

Nach wie vor und immer deutlicher ist es vom sozialen Status abhängig, welche Entwicklungschancen Kinder und Familien haben. Dabei sind Kinder aus sozial schwachen Familien nachweislich im Nachteil. Allzu oft muss diese Gruppe neben vielen diskriminierenden Äußerungen auch immer mal wieder für gesellschaftlich spaltenden Kommentare herhalten. 

Der Artikel über die nachlässigen Bürgergeldempfänger vom 11.06.2025, die sich nicht um das Mittagsessen ihrer Kinder in den Schulen kümmern, hat uns sehr bestürzt, da der Artikel aus unserer Sicht nur sehr einseitig die Schuldigen bei den sozial Schwachen sucht, hier vor allem die Bürgergeldempfänger.

Die Spaltung der Gesellschaft aufgrund von Minoritäten sollte bei der aktuellen Entwicklung und Stimmungsmachen in den politischen Lagern nicht geschürt werden. Vielmehr sollte gemeinsam nach Lösungen gesucht werden, um diese Versuche der Spaltung zu reduzieren. Sicher mag es Menschen geben, die den typischen Merkmalen entsprechen und diese auch erfüllen, diese bilden aber immer nur einen kleinen Teil der Wahrheit oder des Gesamtbildes ab. Eine Debatte sollte immer alle Aspekte berücksichtigen und von unterschiedlichen Seiten beleuchtet werden, damit eine konstruktive Lösung für die Menschen erarbeitet und umgesetzt werden kann.

Gerne möchten wir mit diesem Artikel einmal von den Problemlagen der Menschen, die wir in unserer Arbeit unterstützen, berichten. Zudem möchten wir Vorschläge zur Hilfe und praktischen Umsetzung geben, damit möglichst alle Kinder einen Zugang zum Mittagessen erhalten. 

Laut Zeitungsbericht gibt die Verwaltung die Auskunft, dass es diese Probleme erst seit Einführung der neuen Bestell- und Abrechnungssoftware gibt. Wir beobachten, dass die Beantragung von sozialen Leistungen im letzten Jahr stark in Richtung digitaler Umsetzung entwickelt hat. Die Digitalisierung sollte einer einfacheren Umsetzung in der Beantragung für alle Beteiligten dienen. Es gibt aber Menschen, die damit aus unterschiedlichen Gründen Probleme haben. Vielleicht wäre es sinnvoll dort zu unterstützen und Empowerment zu schaffen. Dies einfach als Desinteresse abzustempeln, halten wir für zu einfach und oberflächlich. 

Wir bitten zum Vorhaben der Essensumstellung auf Guthabenbasis folgendes zu berücksichtigen: die Familien, die BUT beantragen, erhalten keine Gutschrift im Voraus von den Sozialleistungsträgern. Daher können die Eltern, vor allem aus dem Bürgergeldbezug, keine Karte mit Guthaben laden. Diese Umsetzung wäre eine weitere (finanzielle) Belastung in den Familien, die zum Nachteil der Kinder werden würde.

In unserer Beratungsstelle suchen Eltern Unterstützung, die u. a. Hilfe bei unterschiedlichsten Antragstellungen benötigen. In diesem Bereich (auch in der digitalen Antragstellung) haben Eltern oft Scham mitzuteilen, dass sie kein Endgerät haben, nicht lesen können, die Anwendungen in der App nicht verstehen, sich nicht mit den Fristen und Antragsformalitäten auskennen oder hoch belastet (psychisch, finanziell, familiär, gesundheitlich) sind.

Wäre es z. B. eine Möglichkeit, dass die Behörden sich untereinander austauschen dürfen bzw. im Zuge der Digitalisierung Möglichkeiten der Vernetzung schaffen. Wir denken an die Einbindung der Schulsozialarbeiter(innen), an den Schulen, die eine solche Stelle haben. Ansonsten gerne der Verweis an die Beratungsstellen im Landkreis, die bei Antragstellungen helfen. Eine Abfrage bei den Eltern, wie Anwenderfreundlich die App ist, um hier evtl. weiter zu optimieren. In den Schulen feste Ansprechpartner(innen), die für Fragen und Probleme der Eltern und Kinder bei der Essensbestellung zuständig und behilflich sind.

Eine Ausgrenzung wird uns in der Gesellschaft keine Verbesserung im Zusammenleben bringen. Wir sollten präventiv agieren und solidarisch Kinder fördern und somit zu ihrer Persönlichkeitsentwicklung beitragen. Kinder, die kein Mittagessen erhalten, haben eine mangelnde Konzentration und Leistungsfähigkeit, unter Umständen gesundheitliche Probleme, soziale Isolation kann eine weitere Folge sein. Und dies wiederum kann Langzeitfolgen haben. Diese Kosten trägt dann auch wieder die Gesellschaft. Daher sollte man den Kosten – Nutzungseffekt auch aus einer ganzheitlichen Sicht betreiben. 

Wir möchten um Lösungen bitten, die den Kindern helfen, ohne Stigmatisierung Bildung und Mittagsessen zu erhalten. Wir bieten zum Thema auf unserer Webseite eine kleine Hilfe für die Anträge an und habe die wichtigsten Infos, die zuständigen Behörden und Anträge veröffentlicht, ebenso ein Video zur Ausfüllhilfe. Einfach diesem Link folgen!