Veitsrodt. Die strukturellen Veränderungen klopfen im Kirchenkreis Obere Nahe immer energischer an: Zum 1. Januar 2025 werden aus 11 Gemeinden 2. Auch die verbleibenden Kirchengemeinden werden binnen Jahresfrist zu weiteren drei Zukunftsgemeinden fusionieren. Vor drei Jahren hat die Synode des Kirchenkreises mit einem Grundsatzbeschluss den Weg zu diesen Prozessen geebnet. Am Wochenende haben sich die Synodalen auf dem Markt in Veitsrodt zu weiteren Beratungen getroffen.
Eins wurde deutlich: Nicht jedem schmeckt der „neue Wein“, der die alten Schläuche zerreißt; darum braucht es - im Bild gesprochen - „neue Schläuche für neuen, spritzigen Wein. Walber präsentierte im Auftaktgottesdienst mit neuer, vereinfachter Liturgie ein Gleichnis aus dem Lukas-Evangelium: „Auch füllt niemand neuen Wein in alte Schläuche. Denn der neue Wein zerreißt die Schläuche; er läuft aus, und die Schläuche sind unbrauchbar. Neuen Wein muss man in neue Schläuche füllen. Und niemand, der alten Wein getrunken hat, will neuen; denn er sagt: Der alte Wein ist besser.“ Die neue Liturgie, ausgearbeitet von Kreiskantor Christian Kurtzahn mit einigen Gemeinden, brachte neuen Schwung in den Gottesdienst.
Die Zeit, die im Kirchenkreis angebrochen ist, bezeichnete die Superintendentin als Zwischenstadium. Anders Kirche sein, darauf kommt es an, so die Superintendentin auch dieses Mal: In der Altersklasse der 20- bis 40-Jährigen besitze Kirche kaum Relevanz – für diese Gruppe repräsentiere Kirche das Alte, den alten Wein. In traditionellen Gottesdiensten würden nur noch zwei Prozent der Mitglieder erreicht. Neue, modernere Formen müssten her. „Wir haben jetzt die Chance, uns selbst neu zu erfinden und Fragende zu werden“, sagte Walber.
Der Strukturprozess, der in den Gemeinden stattfindet, bereitet die neuen Schläuche für den neuen spritzigen Wein. In der künftigen Hoffnungsgemeinde Nahe-Hochwald, die um Birkenfeld, dem Bostalsee, Niederbrombach und Achtelsbach- Brückenherum entsteht, hat kürzlich ein Workshop zur Pfarrstellenbesetzung stattgefunden. Ziel war es, die Grundlagen für eine Ausschreibung und eine Kampagne zur Besetzung zu erarbeiten. Von drei Planstellen ist derzeit nur eine (Pfarrerin Jennifer Breuer) besetzt.
Wie lange Veränderungsprozesse nachwirken können, davon konnte Dr. Stefan Spitzer, Kreisbeigeordneter des Landkreises Kusel und Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan, sehr gut berichten. Neben der Veitsrodter Bürgermeisterin Julia Hagner als Gastgeberin sprach er ein Grußwort aus der kommunalen Politik. Im Hinblick auf die sechs Jahre zurück liegende Strukturreform im Kreis Kusel und der Bildung von drei großen Verbandsgemeinden aus ehemals sieben versteht er sehr viel von den Herausforderungen und den Vorbehalten, die derart umfassende Reformen mit sich bringen. „Die Kirche im Dorf zu lassen – diese Redensart ist dabei nicht mehr so angebracht“, schob Dr. Spitzer, der sich auch in seiner katholischen Heimatkirchengemeinde engagiert, nach. Julia Hagner ist sich dessen auch bewusst. Dennoch habe Kirche auch weiterhin einen erheblichen Stellenwert in Veitsrodt, betonte sie. Nicht zuletzt dank des sehr rührigen Presbyteriums. Sie hoffe, dass Kirche in Veitsrodt und Herborn weiterhin ihren Raum erhalte und präsent bleibe.
