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Nachrichtenarchiv

An(ge)dacht: Krisen und Entscheidungen gehören dazu

Krise - Kaum ein Wort wurde in den vergangen Jahren so häufig bemüht wie dieses. Die Bankenkrise, die Coronakrise, die Wirtschaftskrise, die Krise der Demokratie, die Krise der Industrie.

Ich könnte die Liste noch lange fortführen und Sie, liebe Leserinnen und Leser, sicher auch. Dabei frage ich mich manchmal, ob es nicht auch sinnvoll sein kann, in eine Krise zu geraten oder in einer Krise zu sein, denn das griechische Wort Krisis bedeutet „Scheidung“, „Zwiespalt“ aber auch „Wahl“ und „Entscheidung“. Angesichts dieses Sonntags, an dem ich wählen darf, fühle ich mich tatsächlich im Zwiespalt: Wem soll ich meine Stimme geben? Wer bzw. welche Partei vertritt am ehesten meine Überzeugungen? Andererseits bin ich aber froh, wählen zu dürfen, denn die Alternative wäre ja, einfach beherrscht zu werden. 

Die Freiheit der Wahl ist für mich ein großes Geschenk! Trotz aller Überlegungen, trotz allem Für und Wider, den vielen Gedanken und Diskussionen, die ich angesichts dieser Entscheidung schon geführt habe; ich darf wählen! Der Zwiespalt gehört einfach dazu, denn bei der Wahl eines neuen Parlaments geht es ganz entscheidend um Vertrauen. Wem kann ich glauben, dass er oder sie bzw. die Partei nicht nur die besten Absichten, sondern auch die nötige Expertise mitbringt? 

Krisen, Entscheidungen gehören zu unserem menschlichen Leben dazu, nicht nur an Wahlsonntagen. Insbesondere im biblischen Buch der Sprüche: „Ruft nicht die Weisheit? Erhebt nicht die Einsicht ihre Stimme? Auf dem Gipfel des Berges, an der Straße, an der Wegkreuzung steht sie.“ Die Weisheit wirbt darum, ihr zu folgen und sich nicht verführen zu lassen von Engstirnigkeit und Missgunst. Ich wünsche Ihnen Weisheit und Erkenntnis, wenn Sie an diesem Sonntag Ihre Wahl treffen und uns allen einen weisen Landtag und eine kluge Regierung. 

Superintendentin Jutta Walber