„Die Welt trifft sich im Kindergarten.“ So überschreibt das Kindergartenreferat des Kirchenkreises Obere Nahe seine zweitägige Fortbildung für Fachkräfte. Diese stehen immer mehr vor der Herausforderung, wie sie interreligiöse Bildung und Erziehung in ihrer Einrichtung gestalten. Damit das gelingen kann, ist der Dialog mit Andersgläubigen Voraussetzung. Die Referentinnen Brigitte Girschewski und Sabine Sickermann verfügen beide über langjährige Berufserfahrung im System Kita und Interreligiosität ist ihr Herzensthema. Die kulturelle und religiöse Vielfalt unserer Gesellschaft ist bei den Jüngsten in den Kitas angekommen. Die Kinder erkennen, dass verschleierte Frauen durch die Stadt gehen und nicht nur christliche Kirchen das Stadtbild prägen. In vielen Einrichtungen sind Kinder aus muslimischen Familien keine Minderheiten mehr. Manche fragen sich, warum ein muslimisches Kind kein Schweinefleisch isst oder warum nicht alle Kinder ihren Geburtstag feiern. Alle offenen Fragen konnten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen an Herrn Ali Thomas richten, der als Vertreter der muslimischen Glaubensgemeinschaft der Gruppe Zutritt zur Al-Tagwa Moschee gewährte. Geduldig und interessiert stand er Rede und Antwort. „Es war eine Bereicherung“, stellte eine Erzieherin nach dem Gespräch fest, die zugab noch nie Zeit gefunden zu haben, über diese Dinge zu reden. Und eine Kollegin zeigte sich erstaunt über „die Unterschiede der Religionspraxis zwischen den Kulturen, die von Land zu Land anders sind.“ Zum Abschluss wünscht sich Ali Thomas, dessen Kinder eine evangelische Kindertagesstätte in Idar-Oberstein besuchen, „dass Brücken gebaut werden und wir in den Austausch gehen, uns gegenseitig akzeptieren und Verständnis aufbringen!“ Interreligiöses Lernen kann darauf eingehen, was Judentum und Islam und das Christentum gemeinsam haben: Alle drei Religionen stellen die Barmherzigkeit und Hilfe Gottes sowie die Einmaligkeit jedes Menschen in den Mittelpunkt. Das Kindergartenreferat wird den interreligiösen Dialog künftig weiterführen.
