Blick auf die Kirche von morgen
Premiere im Kirchenkreis Obere Nahe: 16 Jahre nach seiner Gründung im Jahr 2010 hat erstmals eine Visitation durch die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland stattgefunden. Ziel einer solchen Visitation ist es nicht, Kontrolle auszuüben, sondern gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort Entwicklungen zu beraten, zu begleiten und Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln.
Gastgeber war der Kreissynodalvorstand unter Vorsitz von Superintendentin Jutta Walber. Das Leitungsgremium verantwortet die Arbeit des Kirchenkreises zwischen den Synoden, die in der Regel zweimal jährlich stattfinden. Aufgrund der Visitation entfiel in diesem Jahr die Sommertagung.
Auftakt in der Abteikirche
Den Auftakt bildete ein Gottesdienst in der Abteikirche Offenbach am Glan. Präses Dr. Thorsten Latzel, Vorsitzender der Kirchenleitung, predigte gemeinsam mit den Pfarrerinnen Denise Roth und Tanja Bodewig sowie Diakonin Christina Budenhofer.
Mit Blick auf die Zukunft der mehr als 700 Jahre alten ehemaligen Benediktinerabtei hob Latzel die besondere Bedeutung von Kirchenräumen als „durchbetete Orte“ hervor. Zugleich betonte er, dass christliche Gemeinschaft überall dort entstehen könne, wo Menschen im Glauben zusammenkommen. Musikalisch wurde der Gottesdienst von den Abteispatzen und FriFra Voce unter der Leitung von Jutta Lißmann gestaltet. Solistin war Myriam Lißmann, an der Orgel spielte Interimskreiskantor Roland Lißmann.
Fusionen und Zukunftsthemen im Fokus
Am Freitag besuchten Delegationen der Kirchenleitung fünf neu entstandene Kirchengemeinden, die Anfang 2025 und 2026 durch Fusionen gebildet wurden. Im Mittelpunkt standen dabei unter anderem die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, diakonische Angebote, Kirchenmusik und kulturelle Projekte sowie neue Gottesdienstkonzepte.
Am Nachmittag kamen Kirchenleitung und Kreissynodalvorstand in Arbeitsgruppen zusammen, um zentrale Zukunftsthemen zu beraten. Diskutiert wurden Fragen der Organisations- und Personalentwicklung, der kooperative Ansatz des Kirchenkreises, die Gewinnung und Qualifizierung von Mitarbeitenden sowie die Rolle von Ehrenamtlichen und Diakoninnen und Diakonen.
Auch die Gebäudebedarfsplanung unter den Vorgaben der Treibhausgasneutralität sowie die Unterstützung der neuen Gemeinden durch Verwaltung, Budgetstrukturen und digitale Vernetzung standen auf der Agenda.
Austausch mit Politik und Einrichtungen
Nach einem Abendmahlsgottesdienst in der Abteikirche Göttschied tauschten sich Vertreterinnen und Vertreter von Kirchenleitung und Kreissynodalvorstand mit der Kommunalpolitik über Erwartungen an die Kirche in der Region aus.
Zum Abschluss der Visitation standen Besuche zentraler Einrichtungen auf dem Programm. In der Verwaltung informierten sich die Delegationen über den kooperativen Verwaltungsansatz und die finanzielle Situation des Kirchenkreises. Im Diakonischen Werk ging es um die Arbeit der Kleiderkammer und der Suchtberatung. Auch die Kirchenmusik sowie die Weiterentwicklung der Arbeit im Kindergartenreferat, insbesondere in der Kita-Fachberatung, wurden vorgestellt.
Die Visitation machte deutlich: Der Kirchenkreis Obere Nahe ist mitten im Wandel – und stellt sich aktiv den Herausforderungen der Zukunft.
