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Nachrichtenarchiv

An(ge)dacht: Zu Besuch am Abrahamsee         

Ein Austausch unter Lehrkräften zwischen der BBS Idar-Oberstein und einer Schule in Şanliurfa (Türkei) bringt für Schulpfarrerin Dorothee Lorentz wertvolle Erkenntnisse.

Şanliurfa liegt im Osten der Türkei, im Erdbebengebiet nahe der syrischen Grenze. Ende März besuchte ich dort mit drei Kollegen eine berufsbildende Schule. Sie haben es bestimmt diese Woche im Regionalteil gelesen. Neben unzähligen Eindrücken rund um das Schulsystem erlebten wir eine Gastfreundschaft, die über das uns bekannte Maß hinausreicht. Die türkischen Kollegen nahmen sich bei laufendem Schulbetrieb Zeit, uns möglichst viel von ihrer Arbeit und ihrem Leben zu zeigen.

Ein Höhepunkt für mich war der Besuch des Abrahamsees, ein wichtiges Wahrzeichen der Stadt. Der muslimischen Legende nach soll Abraham hier geboren und aufgewachsen sein. Weil er den Götzendienst ablehnte und sich zu einem Gott bekannte, ließ ihn König Nimrod in einen brennenden Scheiterhaufen werfen. Allah verwandelte das Feuer in Wasser und die Holzscheite in Fische. Dieser Fischteich Balikligöl ist heute ein Wallfahrtsort, zu dem jedes Jahr unzählige Besucher pilgern. Die Karpfen im Wasser dürfen nicht gefangen werden, weil sie heilig sind. Sie werden gefüttert und wenn man unter den dunkelgrauen Fischen einen weißen Karpfen entdeckt, gilt das als Zeichen des Segens.

Mir war diese Legende nicht bekannt. Ich kenne Abraham aus der Bibel, kenne die Geschichten um die Verheißungen Gottes, ihn und seine Nachkommen zu einem großen Volk zu machen. Während Abrahams Sohn Ismael als Stammvater der Muslime gilt, ist Isaak der Stammvater von Israel. Das Verbindende der drei Schriftreligionen Judentum, Christentum und Islam ist der Ein-Gott-Glaube Abrahams.

Ich bin dankbar für diese Gemeinsamkeit, aber auch neugierig, die Unterschiede kennenzulernen.  Beides habe ich während dieser Fortbildung erlebt. Die persönliche Begegnung mit den Menschen, in der Schule oder zu Hause bei den Eltern der türkischen Kollegin bereicherte den Austausch. Ein Tee zur Begrüßung hieß uns bei jedem Treffen

willkommen. Ich stelle mir vor, dass auch Abraham seine drei Besucher so willkommen geheißen hat, damals, als sie ihm verkündigten, dass er und Sara trotz ihres hohen Alters Eltern werden. Der Beginn der monotheistischen Religion hatte in dieser Begegnung seinen Ursprung. Auch wenn unsere Überlieferungen und Traditionen sehr unterschiedlich sind, saßen auch wir an einem Tisch, neugierig, ehrlich und offen für die Kultur, die Religion

und das Leben. Und wenn unsere türkischen Kollegen uns im nächsten Schuljahr besuchen, freuen wir uns, ihnen unsere Arbeit, unsere Kultur und Religion – unser Leben näherzubringen.

Pfarrerin Dorothee Lorentz

BBS Idar-Oberstein,

Harald-Fissler-Schule

Bildnachweis: sulox32/pixabay.com