Aber was sagt das schon? Die theologische Dogmatik schafft ein System, das ablenkt von dem, was wesentlich ist. Also - was hat Jesus ans Kreuz gebracht? Schauen wir doch mal genauer hin. Was hat dieser Mensch, Jesus, getan? Wenn wir den Evangelien folgen, dann hat Jesus sich den Menschen in ihren Nöten und Sorgen zugewandt.
Er hat sie ermutigt nicht zu sorgen, sondern zu vertrauen, auf Gott zu vertrauen. Er hat Tag für Tag mit dem Ende der Zeit gerechnet und zugleich mit dem Anbrechen der Herrschaft Gottes. Also - was hat Jesus ans Kreuz gebracht? Er hat nicht ins System gepasst – in kein System! Weder in das religiöse noch in das gesellschaftliche und auch nicht in das staatliche! Indem er sich konsequent für Menschen eingesetzt hat, hat er alle anderen Motive bloßgestellt. Die Scheinheiligkeit derjenigen, die die sog. „Ehebrecherin“ steinigen wollten. Die Moralvorstellungen derjenigen, die seine Tischgemeinschaft kritisiert haben und versuchten ihn als Fresser und Weinsäufer zu degradieren.
Er hat das Patriarchat durch seine Würdigung von Frauen als Teil seiner Jüngerschaft in Frage gestellt. Er hat genau hingeschaut und hingehört und sich nicht auf Spielchen eingelassen. Was hat Jesus ans Kreuz gebracht? Er hat über Jerusalem geweint und die Zustände, die nur den Untergang bedeuten konnten. Er hat sich nicht korrumpieren lassen - er hat den Menschen Wahrheit zugemutet. Er hat sich nicht abbringen lassen von seinem Weg und seinem Auftrag, Menschen für das Leben, die Zukunft, die Weisheit und den Glauben zu gewinnen.
Das hat Jesus ans Kreuz gebracht.
Superintendentin Jutta Walber
