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Nachrichtenarchiv

An(ge)dacht: Geführt von Gottes Hand

Der Besuch der Sternsinger erinnerte unsere Autorin Dorothee Lorentz an die Andachten vor den Ferien: an die friedvolle Stimmung, die Erwartung der Jugendlichen, das Miteinander.

Vor einer Woche klingelte es an unserer Haustür. Ich war gerade dabei, Staub zu saugen und drückte auf den Türöffner. Nichts passierte und ich vermutete hinter dem Klingeln den Postboten, der eilig ein Paket abstellen und schnell weiter musste. Also lief ich die Treppe runter zur Eingangstür, öffnete und blickte in vier Kindergesichter: Die heiligen drei Könige, in dem Fall waren es vier, standen vor unserem Haus und sangen: „Wir kommen daher aus dem Morgenland, wir kommen geführt von Gottes Hand.“ Mir ging das Herz auf. Die Tradition rund um das Erscheinungsfest wird in meinem Wohnort ökumenisch gelebt. 

Vier Kindergruppen, so sagte man mir, gehen durch das Dorf und schenken den Menschen den Segen Gottes. „Christus mansionem benedicat” – Christus segne dieses Haus – wird abgekürzt über die Haustür geschrieben. Die Anfangsbuchstaben der lateinischen Wörter erinnern gleichzeitig an die Namen der drei vor mir stehenden Könige: Caspar, Melchior und Balthasar. Während nach biblischer Überlieferung diese drei Weisen, wie sie auch genannt werden, nach Bethlehem reisen und dem Neugeborenen Gold, Weihrauch und Myrrhe schenken, bringen die Kinder mit ihren Liedern und Gedichten die Liebe Gottes zu den Menschen.

Von Weihnachten kommend symbolisieren sie in diesen Tagen den verlängerten Arm Gottes, weil sie nicht nur Gottes Begleitung zusprechen, sondern auch um Spenden für hilfsbedürftige Kinder weltweit bitten.

Am Anfang eines neuen Jahres bin ich dankbar für diesen Segen Gottes aus Kindermund, ehrlich und konfessionell vereint. Und ich erinnere mich an den letzten Schultag vor den Weihnachtsferien, an dem wir mit den Schülern und Schülerinnen zwei ökumenische Adventandachten gefeiert haben. Hier ging die Ökumene noch weiter. Evangelische, katholische, muslimische und auch religionsferne Jugendliche und junge Erwachsene erinnerten gemeinsam an die weihnachtliche Friedensbotschaft.

In acht unterschiedlichen Sprachen wurde das Wort „Friede“ gelesen, unterschiedliche Nationen und Kulturen waren vereint und haben konfessionsübergreifend erlebt, was es heißt, in Frieden zusammen feiern zu können. Gegenseitiger Respekt der anderen Religion gegenüber, Neugier auf das Neue, das sich in Liedern und Geschichten ausdrückte, erfüllte diese Stunde der Gemeinschaft.

Je länger ich an der Schule arbeite, je intensiver ich über Religionen nachdenke, desto mehr sehe ich das verbindende Glied der Liebe, das unbedingt notwendig ist, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Der Gott aller Religionen ist ein Gott der Liebe, christlich gesprochen die in Jesus Mensch gewordene Liebe.

Diese Liebe zu leben, in der Schule sie ins Gespräch zu bringen und mit den Kindern in die Häuser am Epiphaniastag, das ist unsere Aufgabe als Menschen, ganz gleich, welcher Religion wir angehören. Das will ich mitnehmen ins neue Jahr, das nun noch ganz unberührt vor uns liegt. Was in der Schule und in unserem Dorf im Kleinen gelingt, das wünsche ich für unsere Welt. Möge sie endlich zur Ruhe kommen, mögen Machthaber und Regierende sich auch von der Liebe Gottes leiten lassen, damit Menschen so leben, wie Gott sie gemeint hat, in Liebe, gegenseitigem Respekt und Frieden.

In diesem Sinne drücke ich bildlich gesprochen mit diesem Wort zum Wochenende Ihren Klingelknopf und wünsche Ihnen Gottes segensreiche Begleitung für das vor uns liegende Jahr.

Pfarrerin Dorothee Lorentz

Berufsbildende Schule Idar-Oberstein, Harald-Fissler-Schule