Dieses Jahr fiel der 1. Mai auf einen Freitag. Für viele ging es damit einen Tag früher in ein arbeitsfreies Wochenende. Und morgen begehen wir mit dem Sonntag unseren wöchentlichen arbeitsfreien Festtag. Einen Tag, um von der Arbeit auszuruhen, sich mit der Familie, mit Freundinnen und Freunden, mit Mitmenschen zu treffen. Einen Tag, um Zeit für Gott zu haben.
Gott selber hat nach 6 Tagen Arbeit einen ganzen Tag geruht. Und er möchte uns diesen Ruhetag zum Geschenk machen. Leider haben wir Menschen heute andere Wünsche: Immer mehr erleben, immer mehr reinpacken. Dabei erinnert der 1. Mai als Tag der Arbeit ja gerade an den langen Kampf der Arbeiter, auch einmal ruhen zu dürfen. Nicht 60 Stunden in stickigen und staubigen Fabriken schuften, sondern ein menschenwürdiges Leben haben. Mit Freiräumen zum Leben, zur Gemeinschaft, zur Kreativität.
Walpurgisnacht, Freinacht, Lausbubennacht. Tatsächlich ist der Tag der Arbeit erst viel später dazugekommen. Und hat doch mit den anderen Bräuchen zu tun. Vom 30. April auf den 1. Mai feiern die Menschen seit alters her, dass nichts so bleiben muss, wie es ist. Die Natur erwacht in diesen Tagen zu neuem und überschwänglichem Leben. Viele Bräuche feiern das Neue. Eine neuerwachte Gemeinschaft im Ort unter dem Maibaum, ein Baum vor dem Haus der frischen Liebe, Freiheit von alten Konventionen in der Freinacht. Und am 1. Mai fordern eben auch die Arbeiter seit 1886, dass sich die Dinge ändern müssen. Und sie haben damit viel erreicht.
Vor vier Wochen war Ostern. Christinnen und Christen feiern seit 2000 Jahren in dieser Osterzeit, dass nichts so bleiben muss, wie es war, selbst die lähmende Macht des Todes nicht. Gott schenkt Jesus und seinen Menschen an Ostern ein neues Leben, das keine Macht der Welt aufhalten oder hindern kann.
Wir müssen uns in Gottes Namen nicht mit dem Status Quo abfinden. Wir sollen beten und handeln, dass Friede wird, dass nicht Milliarden Menschen hungern müssen, dass wir eine empathischere und solidarischere Gesellschaft werden.
„Alles neu macht der Mai“, sagt das Sprichwort. Und die Bibel ergänzt: „Wenn jemand zu Christus gehört, gehört er schon zur neuen Schöpfung. Das Alte ist vergangen, etwas Neues ist entstanden!“ (1. Korinther 5,17)
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes 1. Maiwochenende!
Claudia Konnert
Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Saar-Westrich-Nahe
