Ferien –wie hallte dieser Ruf gestern nach der Zeugnisvergabe durch das ganze Schulgebäude. Vorfreude, Lärm, Umarmungen, Abschiedsschmerz. Eine unbändige Freude herrschte bei den Schülerinnen und Schülern. Nach wenigen Minuten schon war das Gebäude leer.
Sechs Wochen Ferien liegen vor uns – ein Gefühl grenzenloser Freiheit. Kinder erzählten mir aufgeregt von ihren Erwartungen: Sie freuen sich auf die Zeit, die sie mit ihren Eltern verbringen können, viele fahren ans Meer oder in die Berge, um die gemeinsame Zeit zu gestalten. Einige nehmen auch an Freizeiten und Ferienprogrammen teil – auch hier ist die Vorfreude groß. Ich denke oft bei mir: Hoffentlich hat jedes Kind, jeder Jugendliche Gelegenheit, im Sommer die schulfreie Zeit zu nutzen. Hoffentlich haben alle die Möglichkeit, Zeit mit lieben Menschen, mit der Familie oder mit Freundinnen und Freunden zu verbringen.
In diesen sechs Wochen nicht verplanter Zeit sollen alle neue Kräfte sammeln können, und schließlich wird es auch der Rückblick auf diese nicht verplante Zeit sein, der uns später den Alltag mit all seinen Vorgaben wieder leben lässt. Work-Life-Balance auch für Schülerinnen und Schüler? Der Begriff scheint auf Kinder und Jugendliche nicht zu passen. Schließlich leisten sie ja noch nichts. Oder doch?
Jesus ruft nach dem Markusevangelium die Kinder zu sich. Bei den Versen, die bei jeder Taufe verlesen werden, ruft Jesus die Kinder aus ihrem Alltag heraus und segnet sie. Er ruft sie heraus aus dem, was sie gerade tun, um ihnen zu zeigen, was wichtig ist im Leben. Jesus stellt uns Erwachsenen die Kinder vor Augen, fast als Vorbilder: Nicht die Leistung steht bei ihm im Zentrum, sondern das „Sein wie die Kinder“: Unbeschwert, fröhlich, zugewandt, sorglos, vielleicht auch ein bisschen naiv. Vorfreude auf sechs Wochen Ferien, ungetrübt. Wir Erwachsenen wissen: Die sechs Wochen gehen schnell vorbei. Aber die unbeschwerte Freude, die sollte uns erhalten bleiben. Trotz allen Realitätssinns, wie schnell die unbeschwerte Zeit vorbei sein kann. Wir sollten versuchen, diese Freude hinüberzuretten in unseren Alltag. Immer wieder gibt es besondere Erlebnisse, die es ermöglichen, fröhlich zu sein: Die vielen AGs in der Schule, Musicalaufführungen, Theater-AGs, gemeinsame Klassenfahrten, besondere Aktionen im Unterrichtsgeschehen…
Jesus sagt: „Menschen wie den Kindern gehört das Reich Gottes. Und wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ Unsere Aufgabe als Eltern, Paten, Lehrerinnen und Lehrerist es, Kindern Freiräume zu schaffen, in denen sie neugierig sein können und die Welt entdecken. Das Vorbild der Kinder kann uns anregen, es ihnen gleich zu tun. Auf dem Weg ins Reich Gottes, dessen Spuren wir heute schon hier und da entdecken können.
Stefanie Eckes-Steuckart, Pfarrerin im Schuldienst
