Der Sonntag Laetare, der in diesem Jahr auf den 15. März fällt, trägt den zarten Klang eines Versprechens. Mitten in der Fastenzeit, wenn vieles schwerer wirkt und die Tage noch vom Winter gezeichnet sind, öffnet sich ein leiser Spalt von Licht. Laetare – „Freue dich“ – klingt wie ein Ruf, der nicht laut sein will, sondern wie ein warmer Hauch über die Seele streicht.
Das Bild vom Weizenkorn spricht von einer Wahrheit, die älter ist als jede Religion: Dass Leben sich wandelt, indem es sich hingibt. Ein Korn, das in der Erde verschwindet, scheint verloren – und doch beginnt gerade dort sein heimliches Werden. In der Dunkelheit, im Stillen, im Verborgenen. So kennt es auch das menschliche Herz: jene Momente, in denen wir etwas loslassen müssen, damit wir nicht selbst stehen bleiben wie ein Korn, das nie keimt.
Manchmal ist es ein Gedanke, der uns eng macht, manchmal eine Angst, die uns begleitet wie ein Schatten. Manchmal ein Anspruch, der uns müde werden lässt. Wenn wir sie in die „Erde“ unseres Lebens legen – nicht wegwerfen, sondern anvertrauen –, kann etwas Neues wachsen: ein freierer Atem, ein klarerer Blick, ein mutigerer Schritt.
Laetare erinnert daran, dass Hoffnung nicht immer strahlt. Oft ist sie ein zarter Faden, kaum sichtbar, aber tragfähig. Sie sagt: Auch wenn du es noch nicht siehst, das Leben arbeitet weiter. In dir. Um dich. Durch dich. Für manche ist das Gottes Wirken, für andere die stille Kraft des Lebens selbst – doch die Erfahrung bleibt dieselbe: Aus dem, was wir loslassen, kann Frucht entstehen.
Es ist immer Zeit, um zu fragen, welches „Korn“ in uns darauf wartet, in die Erde gelegt zu werden – und welche unerwarteten Früchte daraus wachsen könnten.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern – ganz gleich, ob mit oder ohne religiöse Bindung – ein gesegnetes und wohltuendes Wochenende. Möge jede und jeder von uns immer wieder einen stillen Moment finden, um über den Sinn unseres Lebens nachzudenken.
Pfarrer Jair Schaedler, Ev. Edelsteingemeinde
