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An(ge)dacht: Aus der Bahn geworfen

Krankenhauspfarrer Daniel Witting begegnet jeden Tag Menschen, die eine Krankheit, ein Unfall, aus der Bahn geworfen haben. Doch ist es realistisch zu erwarten, dass alles im Leben immer gleich läuft?

Normalerweise folgt mein Alltag einem immer gleichen Rhythmus. Wenn ich morgens aufwache, dann dusche ich, frühstücke und fahre zur Arbeit und der Tag nimmt seinen gewohnten Lauf. Wenn allerdings bereits am frühen Morgen z.B. die Kaffeemaschine nicht funktioniert, dann bin ich schon aus der Bahn geworfen. 

Wie viel mehr sind die Menschen, mit denen ich tagtäglich in meinem Dienst als Krankenhausseelsorger zu tun habe, aus ihrem „normalen Leben“ herauskatapultiert worden! Vieles, was selbstverständlich gewesen ist, wird zukünftig nicht mehr möglich sein, weil die Ernährung umgestellt werden muss oder eine Chemotherapie angesagt ist oder die Beweglichkeit des Körpers eingeschränkt sein wird, oder, oder… Wenn ich so darüber nachdenke, dann fällt mir auf, wie selbstverständlich wir doch jeden Tag davon ausgehen, dass das Leben, wie wir es gewohnt sind, immer so weitergehen wird. 

Aber ist diese Erwartung denn realistisch? Sieht unsere Realität, wenn wir ehrlich sind, nicht ganz anders aus? Von heute auf morgen sieht häufig alles ganz anders aus. Nicht allein krankheitsbedingt, sondern auch durch Überschwemmungen, Unfälle oder Terror und Krieg. 

Was hilft uns, damit umzugehen, was hilft uns, dennoch nicht zu verzweifeln? Zum einen Menschen, die uns zur Seite stehen. Familie, Freunde und Nachbarn. Mitmenschen eben. Zum anderen aber auch Hoffnung, die uns nicht aufgeben lässt oder wie es in der Bibel heißt: Die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen. 

Daniel Witting, Krankenhausseelsorger in der SHG-Klinik Idar-Oberstein