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Nachrichtenarchiv

An(ge)dacht: Der Herbst ist da

Am 1. September hat der meteorologische Herbst begonnen, seit dem 22. September haben wir ihn in diesem Jahr auch kalendarisch.

Das Wetter hat sich auch sehr exakt darangehalten. Man sieht den Herbst mit seinen Farben, riecht und fühlt ihn jetzt überall in der Natur. Das erste Laub ist schon länger am Boden. Mit fällt in dieser Zeit jedes Jahr der Anfang von Rilkes melancholischem Gedicht „Herbst“ ein, das wir in der Schulzeit interpretieren durften:

Die Blätter fallen, fallen wie von weit, 
als welkten in den Himmeln ferne Gärten; 
….

Und wie das so ist, fällt auch bei ganz lang Vertrautem manchmal ein neuer Gedanke zu wie das Blatt vom Baum. Das Gedicht nimmt den Herbst als Sinnbild für das Vergängliche. Aber das Bild von „welkenden Gärten“ im Himmel verbindet gleichzeitig im Niedergang den Himmel mit der Erde. Tatsächlich fallen die Blätter ja gerade bei Wind wie der Herbstregen so als kämen sie aus dem Himmel. Wir können Blätter und Regen also ebenso als Gruß des Himmels nehmen. Auch im Fallen, im Vergehen kommt uns der Himmel entgegen. Den Gedanken finde ich schön, und deshalb möchte ihn teilen. Es gibt nicht nur das Empor zum Himmel wie an Christi Himmelfahrt, sondern auch in die andere Richtung funktioniert die Verbindung zwischen Himmel und Erde. Loslassen, Fallen, Abwerfen - das muss man nicht nur mit Trauer sehen. In diesem Sinne ist auch die Zeile des Gedichts ein Mutmacher, den der Herbst schenken kann:

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen 
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Ilona Schlegel, Geschäftsführerin Diakonisches Werk des Kirchenkreises Obere Nahe