Die kleine schmucke Kirche in Heiligenbösch war von der Empore bis in die letzten Reihen gefüllt. Sogar hinter dem großen Sandsteinbogen, hatte sich noch eine Handvoll Besucher gesellt. Am frühen Sonntagnachmittag wurde mit einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Heiligenbösch die Entpflichtung von Pfarrerin Christiane Bock in den Ruhestand gefeiert. Nach 27 Jahren Pfarrdienst in den Kirchengemeinden Leisel und Siesbach und sieben Jahren in der seit 2018 pfarramtlich verbundenen Kirchengemeinde Achtelsbach-Brücken, beginnt für sie eine neue Zeit: Nun gehört der sonntägliche Gottesdienst zur Kür, nicht mehr zur Pflicht.
Der Eintritt der Pfarrerin in den Ruhestand ist der Schlussakt einer Reihe von Abschieden in der Region: Zum 1. Januar gründete sich aus fünf Ursprungsgemeinden die Evangelische Edelsteingemeinde – Leisel und Siesbach sind zwei von diesen fünf; Achtelsbach-Brücken ging in der Ev. Hoffnungsgemeinde Nahe-Hochwald auf, die ebenfalls zum 1. Januar gegründet wurde. Die bisherigen Presbyterien wurden in Gottesdiensten zwischen Weihnachten und Silvester von Pfarrerin Christiane Bock entpflichtet. Nun war es Synodalassessor Arndt Fastenrath, der die Entpflichtung der langjährigen Pfarrerin vornahm. Für ihn war dieser Gottesdienst eine besondere Aufgabe, wie er mehrfach betonte: Zum einen, weil er den Kirchenkreis und den Kreissynodalvorstand vertrat. Zum anderen, weil er als Gemeindepfarrer der Edelsteingemeinde künftig die Region zwischen Tiefenstein und Hattgenstein seelsorgerisch betreuen wird. Auch persönlich verbindet die beiden viel: Wie Christiane Bock stamme er aus dem Bergischen Land. Seit dem Theologie-Studium an der Uni Bonn in den 1980-er Jahren kennen sich beide. Dass er nun für die letzten drei oder vier Jahre seiner aktiven Laufbahn ihre Nachfolge antritt, nahm Fastenrath mit Humor. Im Fußball wäre er eben „ein echter Perspektivspieler“, sagte er mit einem Augenzwinkern.
Von Humor geprägt, aber in vielen Zügen auch sehr nachdenklich war auch die Ansprache von Christiane Bock an die Gemeinde. Sie verknüpfte fünf Sprüche aus der Bibel mit den besonderen Wegmarken in ihrer Laufbahn. Eine Laufbahn, die mit einer Ablehnung ihrer Bewerbung zum Studium der Forstwirtschaft ihren Ausgang nahm und so einige Wendungen annahm. In den Kirchenkreis Obere Nahe kam die 63-Jährige Anfang der 1990-er Jahre im Anschluss an ihr Vikariat, das sie in Wegberg bei Jülich absolvierte. Die Ordination fand Nohen im damaligen Kirchenkreis Birkenfeld statt. Von dort aus führte sie der Weg über Niederbrombach nach Leisel. Lange bevor sie dort im Pfarrhaus einzog, übernahm Christiane Bock die Leitung des Kirchenchors.
In Leisel lernte sie ihren Ehemann Rainer kennen. Zusammen mit ihm engagiert sie sich bis heute viel im Förderverein des Freizeitheims Heiligenbösch, Kinder- und Jugendarbeit sowie die „Seniorenmaj“ liegen ihr besonders am Herzen. Rainer Bock gehört auch dem Bevollmächtigenausschuss der Edelsteingemeinde an, der die Amtsgeschäfte bis zur nächsten Presbyteriumswahl kommissarisch leitet.
Viele der Gottesdienstbesucher verbinden besondere Erinnerungen mit Pfarrerin Bock. So bleibt Leisels Ortsbürgermeister Rene Dietrich, wie er in seinen Grußworten im Anschluss an den Gottesdienst berichtete, ein besonderes Krippenspiel in Erinnerung: Er sei gerade volljährig gewesen, als Christiane Bock ihm im Krippenspiel besondere eine Aufgabe zutrug: Auf der Kanzel zu stehen und eine Flasche Bier zu trinken... Weitere Grußworte sprachen Melanie Basten für die ehemaligen Presbyterien Leisel und Siesbach. Christiane Bock wird den Menschen in Leisel erhalten bleiben. So wird sie den von ihr vorbereiteten Konfirmandenjahrgang weiter begleiten. Mit der Großgemeinde, deren Befürworterin sie nicht immer gewesen sei, hat sie ihren Frieden gefunden. „Das, was uns alle hier eint, ist Jesus Christus, unser gemeinsamer Glaube.“


