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Wochenimpuls: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst

Ab Montag gehen einige von uns wieder zur Schule. Und alles ist anders als vor 6 Wochen. Was uns nun leiten sollte, uns und andere zu schützen.

Wir stehen kurz vor der stufenweisen Schulöffnung. Obwohl viele Mediziner davor warnen, haben die Landesregierungen im Blick auf die Abschlussprüfungen so vieler Schüler und Schülerinnen beschlossen, dass am Montag für einige Klassen der Schulbetrieb beginnt. Das, was der Einzelhandel an Vorsichtsmaßnahmen treffen musste, muss nun auch in den Schulen umgesetzt werden. Nur unter Einhaltung strengster Hygienemaßnahmen kann es gelingen, eine erhöhte Ansteckung zu verhindern.
Gründliches Händewaschen, Mindestabstand im Bus, auf dem Schulhof, in den Schulfluren, im Klassen- und Lehrerzimmer, Schutzmasken – alles notwendig, um mich und die anderen Mitschüler und Mitschülerinnen, Kolleginnen und Kollegen, ja meine Mitmenschen zu schützen.
Und dieses Mal kommt mir nicht Rahul, der Rikschafahrer in den Sinn, obgleich er bestimmt dazu auch eine Geschichte erzählen kann, sondern eine Geschichte aus diesem sehr alten Buch: der Bibel.
Da sagt Jesus nämlich diesen berühmten Satz: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Und einer der Hörer fragt: „Wer ist denn mein Nächster?“ Und Jesus erzählt folgende Geschichte: Da geht ein Mensch von Jerusalem nach Jericho und wird überfallen. Schwer verletzt bleibt er am Boden liegen. Nach einer Weile kommen ein Priester, und später ein Levit den Weg entlang. Ein Levit war ein jüdischer Tempeldiener aus dem Stamme Levi, also auch ein „frommer“ Mann. Beide lassen den Verletzten liegen und gehen vorbei.

Erst ein Samariter hat Mitleid und kümmert sich um den Mann. Die Samaritaner bildeten eine Religionsgemeinschaft, die wie das Judentum aus dem Volk Israel hervorgegangen war, von den Juden damals aber nicht anerkannt wurden. Und gerade dieser Mann aus Samarien versorgt den Verletzten, bringt ihn in eine Herberge, damit er gesund werden kann.
Jesus stellt dann abschließend die Frage: „Wer von diesen dreien, meinst du, ist der nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war?“ Und er bekommt zur Antwort: „Der die Barmherzigkeit an ihm tat.“ Da sprach Jesus zu ihm: „So geh hin und tu desgleichen!“ (Lukas 10, 25-37)
In den letzten Monaten bis heute gibt es unendlich viele barmherzige Samariter unter uns, Menschen, die sich um diejenigen kümmern, die Hilfe brauchen. Sie werden zum Nächsten all derjenigen, die krank und allein sind. Wir kennen sie alle, die Ärzte und Ärztinnen, Krankenschwestern und -pfleger, Menschen, die bei der Tafel Essen verteilen, Nachbarschaftshilfen, die Reihe ließe sich noch weiter fortführen. Die letzten Wochen haben gezeigt, dass wir zur Solidarität fähig sind. Das ist ein großer Gewinn für unsere Gesellschaft.
Ab Montag sind wir nun in der Schule gefordert, nicht nur uns selbst zu schützen, sondern vor allen Dingen verantwortlich mit unseren Mitmenschen umzugehen. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ – das bedeutet, dass wir alle uns tatsächlich an die Regeln halten, diszipliniert, mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen. Uns allen wird es ein wenig mulmig sein, weil wir in der Schule nun so ganz anders miteinander umgehen müssen als noch vor 6 Wochen. Aber es geschieht zu unser aller Schutz.
Deshalb achtet aufeinander, seid aufmerksam und geht behutsam miteinander um. Wir alle versuchen unser Möglichstes, Schulleitung, Lehrer und Lehrerinnen, Schüler und Schülerinnen. Wenn wir alle aufeinander achten, dann werden wir es schaffen, dass gelebte Nächstenliebe uns und unsere Mitmenschen schützt.

Dorothee Lorentz

Bildnachweis: Coyot/Pixabay.com