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#Impuls des Tages: Karfreitag, 10. April

Impuls des Tages: Unsere Schulpfarrerinnen Dorothee Lorentz und Barbara Zimmer-Schuch schicken uns mit Impulsen in jeden neuen Tag.

Leben und Tod                                         Karfreitag                                          Tod und Leben

 

Karfreitag ist der stillste aller Feiertage. An Karfreitag sind alle öffentlichen Feiern, Feste, Veranstaltungen gesetzlich verboten.
Karfreitag war schon immer ein stiller Feiertag – nichts los, langweilig.
Karfreitag 2020? Wochen vorher ist es schon stiller gewesen als sonst; ist das Leben schon eingeschränkter gewesen und darum schon stiller und leiser. Öffentliche Einrichtungen geschlossen, Schwimmbad, Kino, Discotheken, Sportstätten – alles geschlossen.


Wird uns da die Stille des Karfreitags 2020 bewusster – oder haben wir uns an die Stille schon gewöhnt?
Stille – der Karfreitag aber erzählt von der Totenstille. Wenn der Tod dem Leben eine Grenze gesetzt hat, ist Stille; Sprachlosigkeit, Erstarren, Schock, Unglaube, Nicht wahr haben wollen,
So mag es vielleicht auch unter dem Kreuz ausgesehen haben, als Jesus am Kreuz starb. Stille – die Menge, die ihn beim Einzug in Jerusalem noch bejubelt und dann seinen Tod vor Pontius Pilatus forderte – schwieg. Es wurde still – totenstill unter dem Kreuz auf Golgatha.
Totenstill – da war kein Leben mehr. Für die Menschen, die um ihn trauerten, hatte das Leben keinen Sinn mehr, war es ohne Perspektive. Auch in ihr Leben hatte der Tod eingegriffen. Das Leben wurde still und leblos. Ein Leben ohne Zukunft und ohne Perspektive.


Karfreitag aber ist die Schnittstelle zwischen Leben und Tod einerseits und Tod und Leben andererseits. Karfreitag gibt es nicht ohne Auferstehung und Auferstehung nicht ohne Karfreitag.
Leben und Tod, Tod und Leben gehören zusammen. Aus dem Tod kommt Leben. Manchmal ist es totenstill, so dass man nur noch den Tod spürt und die Hoffnung auf das Leben aus dem Blick verliert.
Anschaulich wird das jetzt im Frühling. Wer in die Natur geht, sieht jetzt ganz deutlich, wie aus den leblos scheinenden Ästen und Zweigen, ganz zart die kleinen Knospen und Blätter hervorbrechen. Wer ein Samenkorn sieht, das keimt, hätte nie vermutet, dass aus ihm ein Keim, ein neues Leben sich herausstreckt. Aus dem Tod das Leben. Karfreitag ist die Schnittstelle zwischen Leben und Tod Tod und Leben.
In der Stille des Karfreitags auf den Osterjubel hoffen und sich auf das Leben freuen, das wünsche ich uns allen. Hoffen, dass wird das Gute dieser Zeit mitnehmen und so zuversichtlich auch auf die Zeit nach Corona schauen. Dass wir besonnen auf das Leben hoffen.

 

Auf ein Wiedersehen freue ich mich,
Barbara Zimmer-Schuch