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Corona trifft auch den Arbeitsmarkt

Der Infopunkt im Diakonischen Werk verstärkt seine Beratung für Erwerbslose. Finanziert wird dies unter u.a. durch Spenden, Kollekten und Mitteln der Lotto-Stiftung RLP.

Idar-Oberstein. Zum Jahresanfang waren die Chancen auf dem Arbeitsmarkt relativ gut. Auch für Menschen mit geringer Qualifikation, bei längeren Zeiträumen der Arbeitslosigkeit, sprachlichen Barrieren und einem Lebenslauf, der nicht zu begehrten Fachkräften passt.

Jasmin Schnell arbeitet seit vier Jahren im Infopunkt des Diakonischen Werkes. Sie unterstützt unter anderem Menschen in schwierigen Lebenssituationen und hilft ihnen, ihre Chancen und Möglichkeiten zu suchen. Es sind niederschwellige, aber sehr wichtige Hilfen, die der Infopunkt bietet: Zeit zum Zuhören, Hilfe beim Ausfüllen und Verstehen von Anträgen und Papieren, Schreiben von Lebensläufen und Bewerbungen am PC, Informationen über Rechte und Pflichten. Manchmal fängt die Arbeit auch bei der Wohnungssuche an. Seit dem Start des Infopunktes, auch für Flüchtlinge und Migranten 2016, konnten schon einige Menschen erfolgreich in Arbeit oder Ausbildung vermittelt werden. „Einen echten Traumjob kann der Infopunkt oft nicht vermitteln, aber viele freuen sich, wenn ein Einstieg mit einer einfachen Arbeit gelingt. Auch wenn die Unabhängigkeit von Sozialleistungen damit noch nicht dauerhaft erreicht ist“, sagt Jasmin Schnell.

Auffällig ist dennoch, dass es viele Menschen gibt, die aus ihren Heimatländern gute Qualifikationen mitbringen, die hier nicht berücksichtigt werden können oder mit nur mit viel Aufwand. Es wurden zudem immer wieder auch Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen auffällig, die sich selbst mit gesetzlichen Regelungen nicht gut auskennen und auf Beratung und Hilfe angewiesen sind.

Mit der Corona Pandemie, dem Lock down und den negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft stehen Menschen, die die Hilfe des Infopunkt suchen, nun vor völlig anderen Voraussetzungen. Die Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit steigt und einige, die vorher in Arbeit vermittelt wurden, standen nun wieder als Hilfesuchende beim Diakonischen Werk vor der Tür.

Langzeitarbeitslose Menschen, einige Soloselbständige, Kleinunternehmen und Betreibe aus bestimmten Branchen werden voraussichtlich zu den Leidtragenden der Wirtschafts- und Corona Krise gehören. So werden sich zu den (Langzeit)Arbeitslosen auch Menschen einreihen müssen, die vorher einer Erwerbstätigkeit nachgehen konnten und vielleicht sogar einen eigenen Betrieb hatten. Wer vor Corona keine Arbeit hatte, hat jetzt noch schlechtere Chancen, an seiner Situation etwas zu ändern.

Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen werden nicht direkt sichtbar, sondern werden uns wahrscheinlich kontinuierlich und über einen längeren Zeitraum begleiten. Das Diakonische Werk kann seit September einen kleinen Beitrag zur Unterstützung der Menschen zu leisten, die von der Situation betroffen sind. Der Infopunkt ist bis November dienstags und donnerstags mit fünf zusätzlichen Stunden pro Woche für Beratungen und Hilfestellungen bei Erwerbslosigkeit da. Möglich ist dies durch Mittel aus der Lotto-Stiftung Rheinland-Pfalz sowie Eigenmittel aus Spenden und Kollekten.

Die Geschäftsführerin des DW, Ilona Schlegel, rechnet insgesamt damit, dass Hilfe und Beratung der Wohlfahrtsverbände mittel- und langfristig ein Wachstumsmarkt infolge der Corona Pandemie wird: „Wenn die Schneeschmelze in den Alpen einsetzt, haben wir erstmal auch kein Hochwasser. Aber es kommt zeitversetzt bis in die kleinen Nebenflüsse. So werden auch die sozialen Folgen vermutlich ab immer Herbst spürbarer werden in der Gesellschaft. Bei knapper werdenden Ressourcen Menschen mehr Hilfen zu geben, wird eine Herausforderung, die uns nicht nur im Diakonischen Werk beschäftigen wird.“

 

 

Kontakt:

Diakonisches Werk des Kirchenkreises Obere Nahe
Wasenstraße 21
55743 Idar-Oberstein

Tel 06718/5163 500

diakonisches.werk(at)obere-nahe.de

www.diakonie.obere-nahe.de

Wer noch zum Beginn des Jahres gute Karten hatte, nicht mehr vom Jobcenter abhängig zu sein, hat durch Corona in der zweiten Jahreshälfte nun wesentlich schlechtere Karten. Bildnachweis: Pixabay.com