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Im Interview: Ehrenamtlich für die Wohngemeinschaft im Einsatz

Vor drei Jahren startete das von der Glücks Spirale geförderte Projekt "Kostbarer als Edelsteine - Ehrenamt im Kirchenkreis Obere Nahe". Ziel ist es, verbindliche Rahmen und Strukturen für das Ehrenamt zu schaffen.

Idar-Oberstein. Ohne freiwilliges Engagement ist unsere Gesellschaft kaum vorstellbar. Menschen engagierten sich ehrenamtlich auch in den unterschiedlichsten Bereichen von Kirche und Diakonie: etwa in der Flüchtlingshilfe, der Kinder- und Jugendarbeit, der Seniorenbetreuung, der Hospizarbeit oder bei den Tafeln, in den Gemeinden oder diakonischen Einrichtungen. Auch im Kirchenkreis Obere Nahe hat das Ehrenamt einen hohen Stellenwert.

Zum Jahresbeginn 2020 startete das von der GlücksSpirale geförderte Projekt „Kostbarer als Edelsteine – Ehrenamt im Kirchenkreis Obere Nahe“. Kern des Projektes ist eine Ehrenamtskoordination: Stärkung und Entwicklung des Ehrenamtes durch den Auf- und Ausbau einer engagementfördernden Infrastruktur.

Um Ehrenamt sichtbar zu machen und zu zeigen, welche Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements bestehen, wurde das folgende Interview mit Herrn Roland Ast, der sich seit 01.04.2022 ehrenamtlich im Diakonischen Werk des Kirchenkreises Obere Nahe engagiert, am 08.12.2022 von der Ehrenamtskoordinatorin, Frau Elfi Schug, geführt.

Elfi Schug (im folgenden ES): Lieber Herr Ast, Sie sind seit dem 01.04.2022 ehrenamtlich im DW tätig? Wie kam es dazu?

Roland Ast (im folgenden RA): Als Bewohner der ambulant betreuten Wohngemeinschaft für Suchterkrankte im Diakonischen Werk des Kirchenkreises Ober Nahe habe ich mich immer schon für meine Mitbewohner*innen eingesetzt. Ich bin auch schon lange Gruppensprecher. Anfang des Jahres entstand die Idee und wurde von Seiten der hauptamtlichen Mitarbeiterin angeregt, daraus ein Ehrenamt zu bilden.

 

ES: Was war Ihre Motivation, sich ehrenamtlich zu engagieren?

RA: Ich war auf der Suche nach einer sinnvollen Tätigkeit. Da ich dankbar war für die Hilfe, die ich selbst erfahren habe, wollte ich etwas zurückgeben. Und schließlich gibt es mir ein gutes Gefühl, anderen Menschen zu helfen.

 

ES: Wurde zu Beginn festgelegt, wie Ihre ehrenamtliche Mitarbeit aussehen sollte?

RA: In der Vereinbarung über die ehrenamtliche Mitarbeit wurde ein grober Rahmen festgelegt. Darin festgehalten sind u.a. die Tätigkeiten, die das Ehrenamt umfasst, Angaben zum zeitlichen Rahmen, Ansprechpartnern, Aufwendungsersatz, Versicherungsschutz, Schweigepflicht und der Hinweis auf die Möglichkeit, das Ehrenamt zu beenden.

 

ES: Worin genau besteht Ihre ehrenamtliche Tätigkeit?

RA: Zum einen bin ich Cityguide für neue, ortsfremde Bewohner*innen und mache sie mit der Infrastruktur in Idar-Oberstein und dem Landkreis Birkenfeld bekannt. Ich zeige ihnen, wo sie Ärzte, Behörden, soziale Einrichtungen und Einkaufsmöglichkeiten finden und wie sie diese mit dem ÖPNV erreichen können.
Darüber hinaus begleite ich einen erkrankten Mitbewohner regelmäßig zu Ärzten und Behörden, suche für ihn stellvertretend die Tafel auf, um dort Lebensmittel abzuholen und übernehme verschiedene Erledigungen.
Ich mache auch Besuchsdienste und Besorgungen für andere Mitbewohner*innen bei Krankheit und Klinikaufenthalten. Außerdem helfe ich bei Ein- und Auszügen und biete meine Hilfe bei Renovierungsarbeiten an.

 

ES: Wie wurden Sie vorbereitet und in Ihre ehrenamtliche Tätigkeit eingeführt?

RA: Es war keine fachliche Einweisung notwendig. Ich glaube sagen zu können, dass ich über die für das Ehrenamt notwendige soziale Kompetenz verfüge. Im Vorfeld wurde lediglich besprochen, was die ehrenamtliche Tätigkeit beinhalten könnte.

 

ES: Hat sich diese Tätigkeit anders entwickelt als zunächst geplant?

RA: Der Unterstützungsbedarf war im Sommer höher als derzeit. Seit ich in eine eigene Wohnung gezogen und nicht mehr unmittelbar vor Ort in der Wohngemeinschaft bin, wird meine Hilfe und Unterstützung weniger nachgefragt. Zum Teil ist dies auch auf die neuen Mitbewohner*innen zurückzuführen, die relativ selbständig und auch ortskundig sind. Außerdem werden gewisse „Dienste“, die ich bislang für meine Mitbewohner*innen übernommen habe, inzwischen von der hauptamtlichen Mitarbeiterin und dem hauptamtlichen Mitarbeiter angeboten, wie z.B. wöchentliche Einkaufsfahrten.

 

ES: Welche Unterstützung erfahren Sie, wenn es zu Schwierigkeiten in Ihrer Tätigkeit kommt?

RA: Bisher gab es noch keine Schwierigkeiten. Ich weiß aber, dass ich mich bei Problemen und Konflikten an die Hauptamtlichen wenden könnte.

 

ES: Welche positiven Erfahrungen haben Sie bisher gemacht?

RA: Es gab jede Menge freundschaftliches Feedback.

 

ES: Was empfinden Sie eher negativ?

RA: Bisher nichts. Ich empfiände es jedoch als unangenehm, wenn Menschen, die eigentlich meine Hilfe wollen, dies nicht direkt sagen und um die Sache herumreden. Auf indirekte Kommunikation reagiere ich nicht. Meine Hilfe muss direkt angefragt werden.

 

ES: Gab es besondere Erlebnisse?

RA: Nein, die gab es bisher nicht. Ich bin einfach froh, wenn alles gut läuft.

 

ES: Welche Erwartungen hatten Sie an Ihr Ehrenamt und inwieweit wurden diese bisher erfüllt oder enttäuscht?

RA: Ich hatte keine besonderen Erwartungen. Ich habe mich für dieses Ehrenamt entschieden, da ich das so wollte.

 

ES: Würden Sie sagen, dass Sie durch das Ehrenamt persönlich etwas gewinnen können? Was gibt Ihnen diese ehrenamtliche Arbeit?

RA: Was ich gewonnen habe, sind neue, freundschaftliche Kontakte, die zu Nachbarn entstanden sind. Anderen Menschen zu helfen, gibt mir ein zufriedenes, gutes Gefühl. Das war ja auch meine Motivation, mich ehrenamtlich zu engagieren.

 

ES: Was bekommen Sie von den Menschen zurück?

RA: Wie bereits gesagt, ein freundschaftliches Feedback.

 

ES: Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Ehrenamt von den Hauptamtlichen für wichtig erachtet wird?

RA: Ja, durchaus. Die Hauptamtlichen stehen hinter mir.

 

ES: Fühlen Sie sich von ihnen anerkannt und wertgeschätzt?

RA: Ja, ich erhalte auch von den Hauptamtlichen positive Rückmeldungen.

 

ES: Was bietet die Einrichtung bzw. die Organisation Ihnen als Ehrenamtlichen?

RA: Neben dem Rückhalt durch die Hauptamtlichen bietet das Diakonische Werk die Rahmenbedingungen wie Versicherungsschutz und Erstattung der Fahrtkosten, die bei der Ausübung des Ehrenamtes entstehen.

 

ES: Würden Sie sich wünschen, dass Ihre ehrenamtliche Arbeit stärker in der Öffentlichkeit gewürdigt wird?

RA: Ich lege keinen Wert darauf, mich zu profilieren. Wenn es jedoch der Sichtbarmachung und Würdigung des ehrenamtlichen Engagements insgesamt dient, bin ich mit einer öffentlichen Darstellung meines Ehrenamtes einverstanden.

ES: Herr Ast, ich danke Ihnen ganz herzlich für dieses Gespräch und hoffe, dass Sie noch lange Freude an Ihrem Ehrenamt haben.


Fragen zum ehrenamtlichen Engagement beantwortet Ihnen gerne:

Frau Elfi Schug

Diakonisches Werk des Kirchenkreises Obere Nahe

– Ehrenamtskoordination –

Pappelstraße 3

55743 Idar-Oberstein

Telefon: 06781 5163 590

E-Mail: elfi.schug@obere-nahe.de