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Die Kunst der kleinen Schritte

Antoine de Saint-Exupéry hat als Autor der für Werte wie Freundschaft und Menschlichkeit plädierenden Erzählung „Der kleine Prinz“ weltweiten Ruhm erlangt.

Saint-Exupéry hat jedoch auch kleinere, unbekanntere Texte geschrieben, beispielsweise ein Gebet mit der zentralen Bitte, Gott möge ihn „l’art des petits pas“ – die Kunst der kleinen Schritte – lehren. Hier der Link zum Originaltext La Prière d’Antoine de Saint-Exupéry «Seigneur, apprends-moi l’art des petits pas» : (inspirant.fr) und zur deutschen Übersetzung Hilfreiche Texte: Gebet von Saint-Exupéry | Dr. med. Dietrich Weller (dietrich-weller.de)

Ein, wie wir finden, wunderbarer Denkanstoß, gerade zu Beginn eines neuen Jahres – für das man sich vielleicht viel vorgenommen hat. Und wie schön wäre es, wenn dieses Vorhaben nicht der Alltagsroutine zum Opfer fällt! Haben Sie/Hast Du ein Herzensprojekt, vielleicht ist es sogar eine umfassendere Weiterbildung oder ein berufsbegleitendes Studium, das endlich einmal umgesetzt und erfolgreich beendet werden will? Dann ist die Beschäftigung mit dem machtvollen Instrument der kleinen Schritte die wohl beste Anfangsinvestition.

Große Ziele in immer kleinere Zwischenziele zu zerlegen bildet den Kern des Zeit- und Selbstmanagements – unbekannt sind die kleinen Schritte also nicht. Die Kunst besteht jedoch darin, die sorgfältig notierten Tages-, Wochen- und Monatsaufgaben auch tatsächlich zu erledigen, denn – wir kennen es alle – der Alltag hält sich nicht an Pläne und schnell schiebt man eine riesige To-do-Liste vor sich her oder gibt gleich ganz auf.

Saint-Exupéry bittet in seinem Gebet um das Fingerspitzengefühl dafür, was erstrangig und was zweitrangig ist – dabei geht es nicht nur um die Priorisierung dessen, was wirklich wichtig ist, sondern auch um die feine Balance zwischen den eigenen Zielen und den (natürlich genauso berechtigten) Interessen des Umfelds. Häufig sabotieren wir nämlich unsere Ziele schon im Keim, indem wir sie allzu bereitwillig den Bedürfnissen unserer Mitmenschen unterordnen! Hier lohnt sich eine eingehendere Beschäftigung mit den eigenen, oft tief vergrabenen, Glaubenssätzen zu Themen wie Selbstwert, Erfolg oder Geld.

In der nächsten Strophe stupst uns der Autor des Kleinen Prinzen direkt auf die wohl weitreichendste Erkenntnis überhaupt: Hilf mir, das Nächste so gut wie möglich zu tun unddie jetzige Stunde als die wichtigste zu erkennen. Das JETZT ist alles, was wir haben! Sich über vergangene Versäumnisse zu ärgern oder von tollen Taten in der Zukunft zu träumen, bringt uns keinen Schritt weiter. Wie oft passiert es, dass man eine Arbeit, vielleicht sogar eine Prio-1-Aufgabe mit rotem Ausrufezeichen, gar nicht erst anfängt, weil man denkt, die Zeit reiche nicht. Und genau dann nimmt sie Form an, die Kunst der kleinen Schritte: Nutzen wir doch den Augenblick so gut es eben geht und widmen diesem Moment unsere volle Aufmerksamkeit und Konzentration! Gerade bei langfristigen Vorhaben ist es so wichtig, dass wir „dranbleiben“ und uns regelmäßig mit der Materie beschäftigen. Und wenn wir wirklich einmal total erledigt sind und an produktive Beschäftigung nicht zu denken ist, dann können wir ein Zeitfenster immer noch dafür nutzen, Unterlagen zu ordnen oder durchzublättern – wer weiß, vielleicht bleibt man doch noch hängen und kommt wieder ein Schrittchen weiter. Und falls nicht, dann müssen wir uns auch das zugestehen und sanft mit uns umgehen. Saint-Exupéry haderte wohl ebenso mit dem Perfektionsanspruch an sich selbst, denn er bittet Gott: Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.

Neugierig auf mehr? Um die Kunst der kleinen Schritte geht es auch in der ersten Schatzkiste 2024.

 

Schatzkiste

Die nigerianisch-britische Schriftstellerin Bernadine Evaristo wurde 2019 als erste schwarze Frau für ihren Roman „Girl, Woman, Other“ (Mädchen, Frau etc.) mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichnet. In ihrer 2021 erschienenen Autobiografie „Manifesto: On Never Giving Up“ (Manifesto: Warum ich niemals aufgebe) beschreibt sie den oft sehr steinigen Weg zum Erfolg und wie sie schon früh nach der Devise des „Niemals Aufgebens“ handelte. Evaristos Blick zurück untermauert ihre Überzeugung, dass das Leben einer Treppe gleicht, auf der man sowohl durch Erfolg als auch durch Scheitern Stufe für Stufe nach oben gelangt, und liefert uns ein aufschlussreiches, auch von der Kritik gelobtes, Umgehen mit der Außenseiterrolle als schwarze Frau in der (britischen) Gesellschaft.

 

Wer jetzt so richtig motiviert ist für die Umsetzung eigener Ideen, wird sich vielleicht über handfeste Tipps freuen, z. B. über einen Beitrag zum gehirngerechten Lernen: Lernen lernen: 13 Tipps aus der Gehirnforschung (youtube.com)

 

Viel Erfolg bei allen kleineren und größeren Herzensprojekten wünschen

Ihre Jutta Walber und Sascha Heidrich