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An(ge)dacht: "...Aber die Liebe ist das größte unter ihnen"

In diesen Sommerwochen stehen viele Paare vorm Traualtar. Durch Corona wurden viele Hochzeiten aufgeschoben. Als Trauspruch wählen viele die berühmte Passage aus dem Brief des Apostel Paulus.

In diesen Sommerwochen feiern viele Paare Hochzeit. Ein freudiger Tag für das Ehepaar und für ihre Gäste. Eine festlich geschmückte Kirche, besondere Kleidung, ein lange geplantes Fest. Und aktuell für viele Paare auch ein Anlass, den sie wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen in den vergangenen zwei Jahren mehrfach verschoben haben. Umso schöner, jetzt endlich unbeschwert gemeinsam feiern zu dürfen.

Hochzeitspaare wählen für ihre kirchliche Trauung oft als Trauspruch aus der Bibel ein Wort des Apostel Paulus: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen“ ( 1. Brief an die Gemeinde in Korinth, Kapitel 13, Vers 13).

Glaube, Hoffnung und Liebe als wichtige Grundlagen des Miteinanders im christlichen Geist. Glaube als das Vertrauen zu Gottes Güte, der es mit uns Menschen gut meint und gut machen will. Auf dieser Grundlage beginnen Hochzeitspaare ihr gemeinsames Leben als Eheleute. Dass da Gott mit ihnen mit geht und sie begleitet und behütet und sie einlädt, mit Gott das Gute in dieser Welt zu leben und es praktisch zu tun, jeden Tag aufs Neue, in der Gemeinschaft als Ehepartner – und ebenso auch in allen anderen Bereichen des Alltags.

Hoffnung als ein weiter Blick, bei Paulus ausgerichtet hin zum Reich Gottes, von dem Jesus sagt, dass es sich immer wieder neu ereignet in unserem Miteinanderleben. Und zugleich erwarteten Jesus und die Seinen, dass es sich in Kürze vollenden würde und Gott unsere Welt verwandeln würde, hin zu Gottes Königsherrschaft, zum Paradies, wie es am Anfang war. Diese Erwartung erfüllte sich nicht. Wir leben noch immer in der ganz normalen, menschlichen Welt. Aber der Blick von Christenmenschen ist ein weiter Blick, er bleibt ausgerichtet auf Gottes Reich. Wir können es entdecken, da, wo es sich unter uns ereignet. Und wir können Kriterien für unser Handeln aus dem gewinnen, was Gott in dieser Welt verwirklichen will, allen Lebewesen zu gute.

Und schließlich die Liebe, die Paulus benennt als die größte der Drei. Hochzeitspaare haben das Wunder der Liebe miteinander erlebt und sie feiern es in ihrer Trauung, dass sie mit dem Partner, der Partnerin verbindlich auf Zukunft hin zusammen leben möchten. Und das schließt ein: Dass ihre Liebe tragen wird, im Trubel des Alltags, in vielen gemeinsamen Herausforderungen und Aufgaben, dass sie ihre Liebe in unendlich vielen schönen gemeinsamen Erlebnissen werden genießen können – und dass sie auch in Lebenskrisen in der Liebe des Partners, der Partnerin eine tragende Hilfe finden werden.

Und als Christenmenschen dürfen wir darauf vertrauen, dass es Gott ist, der uns diese Liebe immer wieder neu schenken wird, für alle unsere sozialen Beziehungen: als Ehepaare und Familien, in Freundschaften und Nachbarschaften, in der Schule und am Arbeitsplatz, im gesellschaftlichen Miteinander und in den christlichen Gemeinden.

Tanja Bodewig, Pfarrerin in der ev. Kirchengemeinde Weierbach-Sien