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An(ge)dacht: Um mich herum alles Narren!

Ein Mal im Jahr darf ich das sagen, wenn wegen Fastnacht scheinbar alle den Verstand verlieren und sich - für mich - seltsam verhalten. Ein Mal im Jahr.

Den Rest des Jahres mache ich eher die Erfahrung, dass alle anderen mich für verrückt halten. Das war während meiner Schulzeit, weil ich in der Gemeinde ehrenamtlich tätig war, während meiner Studienzeit wegen meines Faches evangelische Theologie und jetzt wegen meiner Berufswahl Pfarrerin. Ich weiß nicht, wie oft ich auf Aussagen wie „Dann bist du also so richtig fromm“ reagieren sollte. Ich bin es gewohnt, schräg dafür angeschaut zu werden, weil Menschen erfahren, dass ich Christin bin und ihre Vorstellungen, wie mein Leben dann wohl aussehen mag, auf mich projizieren.

Mein Mann hat vor einiger Zeit ein Lied von Brad Paisley entdeckt. Es trägt den schönen Titel „Those crazy Christians“ (Diese verrückten Christen). Paisley zählt darin einige Dinge auf, die ihn an „den Christen“ irritieren: Dass sie sonntags nicht ausschlafen, sondern zum Gottesdienst gehen, dass sie ihre Zeit am Krankenbett eines Fremden verbringen, dass sie jubeln, klatschen und singen, um Gott zu loben, dass sie bereit sind, jedem zu vergeben. Ja, er stellt es überspitzt dar - als Klischee - und doch bringt er etwas zum Ausdruck, das eine lange Tradition hat. Schon Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth, dass die einen die christliche Botschaft für anstößig halten, für die anderen ist sie eine Torheit (1.Kor 1,23). Narren allesamt durch alle Zeiten hindurch.

Doch so sehr Paisley das Verhalten der Christen irritiert, so schließt er doch mit der Feststellung: "Doch weißt du, wen ich anrufen würde, wenn ich jemals Hilfe bräuchte? Diese verrückten Christen."

So schlimm kann diese Verrücktheit also nicht sein.

Ein Hoch auf die Narren!

 

Jennifer Breuer, Pfarrerin in der Kirchengemeinde Birkenfeld

Lied: Brad Paisley - Those crazy christians (Album Wheelhouse, 2013) auf YouTube

Pfarrerin Jennifer Breuer