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An(ge)dacht zum Tag der Freundschaft: Geben und Nehmen

Zum heutigen Tag der Freundschaft widmet sich Schulpfarrerin Dorothee Lorenz dem Thema Freundschaft, woraus sie besteht, was sie nährt und wie sie sich im Lauf des Lebens verändert.

Haben Sie einen besten Freund oder eine beste Freundin? Die Antwort auf diese Frage kann ganz unterschiedlich ausfallen, je nachdem, in welcher Lebenssituation sie gestellt wird. Meine Schülerinnen und Schüler geben mehrheitlich an, dass sie einen größeren Freundeskreis haben. Aber sie haben auch schon die Erfahrung gemacht, dass Freunde nicht immer das sind, was sie vorgeben zu sein. Je älter sie werden, desto genauer schauen sie hin.

Dr. Horst Heidbrink, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrgebiet Psychologie der Fernuniversität in Hagen, forscht auf dem Gebiet „soziale Beziehungen“, insbesondere zum Thema „Freundschaft“. Er schreibt, dass ein Merkmal der Freundschaft ein ausgewogenes Geben und Nehmen ist. Nutzt ein Freund die Gutmütigkeit des anderen aus und nimmt mehr als er gibt, gerät die Freundschaft in Schieflage. Aus diesem Grund zerbrechen in jungen Jahren viele Freundschaften, obwohl gleiche Interessen, Hobbies und Gesprächsthemen vorhanden sind. Und wenn sich dann in späteren Jahren die Lebenssituationen verändern, dann kann es sein, dass Freundschaften einfach auslaufen. Man verliert sich aus den Augen.

Eine Freundin aus meinen ersten Kindertagen habe ich so verloren, eine andere in Studientagen gewonnen. Heute am Internationalen Tag der Freundschaft denke ich an acht Frauen aus meinem Abiturjahrgang, mit denen ich mich seit 37 Jahren einmal im Jahr treffe. Jede von uns hat seitdem viel erlebt. Wir haben uns verändert – und sind doch dieselben geblieben. Wenn wir uns treffen, dann sind wir aneinander interessiert, ehrlich und unverfälscht. Und das ist das Besondere unserer Freundschaft. Wir sind so, wie wir sind, ohne uns verstellen zu müssen. Und wir fiebern jedes Jahr unserem Treffen entgegen.

Am Tag der Freundschaft möchte ich stellvertretend für alle guten Freunde diesen acht Freundinnen danken für die Wegbegleitung und ich wünsche Ihnen, lieber Leser, liebe Leserin, das Glück, einen Freund oder eine Freundin zu haben, einen Menschen aus Ihrer Familie, der Nachbarschaft, dem Verein, Berufsleben oder der Schule, dem Sie vertrauen können, der da ist, wenn Sie jemanden zum Reden brauchen, der Ihren Humor teilt und auf Sie zukommt, wenn er Hilfe braucht.

Denn eine gute Freundschaft lebt vom Geben und Nehmen.

Pfarrerin Dorothee Lorentz, BBS Idar-Oberstein, Harald-Fissler-Schule

In jungen Tagen haben wir viele Freunde, mit denen wir die Gegend erkunden, Streiche spielen, einfach zusammen viel erleben. Dies verändert sich mit zunehmendem Alter. Bildnachweis: florentinabuckingham/pixabay.com