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An(ge)dacht: Nicht einfach zu haben, aber alle Mühe wert

Superintendentin Jutta Walber hat sich mit dem Thema Gerechtigkeit beschäftigt und festgestellt: Einfach ist es nicht, in Krisenzeiten gerecht zu handeln.

Liebe Leser und Leserinnen!

Was eigentlich ist gerecht? Wie können die Lasten der unterschiedlichen Krisen, in denen wir uns befinden, gerecht verteilt werden?  Wer soll entlastet werden, wer nicht? Als Christin frage ich mich: Was sagen die Schriften der Bibel dazu? Bei meiner Suche bin ich auf Worte aus dem 3. Buch Mose Kapitel 19 gestoßen: „Übt im Gericht kein Unrecht, bevorzuge Geringe nicht und nehme auch nicht Partei für Große; gemäß dem Grundsatz der Gerechtigkeit spreche in deiner Gemeinschaft Recht.“

Wenn ich diese Worte lese, dann finde ich es schwierig, wie Menschen per se als besonders unterstützungsbedürftig angesehen werden, nur weil sie einer bestimmten Gruppe angehören, z.B. Rentner und Rentnerinnen. Ich frage mich, was ist mit den Jungen? Den Auszubildenden, den Studierenden und denjenigen, die nur ein geringes Einkommen haben? Ist es gerecht, nur weil die Älteren eine Mehrheit in unserem Land bilden, sie zu bevorzugen? Junge Menschen scheinen völlig aus dem Blick geraten zu sein. Menschen die länger im Berufsleben stehen, haben in der Regel mehr Einkommen und so manche Rente ist  höher als der Verdienst von Berufseinsteiger*innen. Eilfertige Aktionen werden dem nicht gerecht. Was ist mit so manchem Selbstständigen, kleinen und mittelständischen Unternehmen, die teilweise schon ohne Krise Probleme haben zu überleben?

Gerechtigkeit, das zeigen die Worte der Bibel ist keine einfache Sache! Reflexartig die Geringen zu unterstützen, kann ebenso ungerecht sein wie die Großen zu bevorzugen. Da müssen wir schon etwas genauer hinschauen, wenn wir uns tatsächlich um gerechtes Handeln bemühen wollen! Wie in vielen Dingen bringt uns Schubladendenken nicht weiter!  Gerechtigkeit ist nicht einfach zu haben, aber sie ist aller Mühe wert. Denn: Gerechtigkeit erhöht ein Volk. (Buch der Sprüche 14,34a)

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Wochenende!

Superintendentin Jutta Walber