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An(ge)dacht: Neuaufbruch - sich entwurzeln, neu verwurzeln

"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne..." Vikarin Dorothea Schwarz schreibt heute in unserem An(ge)dacht, welche Gedanken ein junges Paar nach einer Zäsur - dem Ende der Ausbildung/des Studiums tragen.

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, sagt sich das junge Paar, wieder und wieder. Die beiden sitzen in ihrer Wohnung, durchforsten Stellenanzeigen. Sein Studium ist beendet, ihre Ausbildung beinahe. Sie suchen. Deutschlandweit. Sie finden wenig, nichts in der Heimat. Langsam wird den beiden bewusst: Hier, in der wunderschönen Region, mit ihren Wäldern, Schwenkbraten und Herzlichkeit, hier, in der Nähe der Eltern werden sie zusammen nichts finden. Zu speziell ist sein Studium. Und sie, sie kommt überall unter.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Manchmal glauben die beiden daran. Machen Pläne, freuen sich auf das, was vor ihnen liegt. Schmunzeln über ihre Lage – schließlich kennen sie das ja schon aus der Familie und von Freunden. Die Verwandtschaft von ihr ist am Niederrhein, nur ihre Eltern und ihr Bruder sind hier. Und die Freunde, die hat es nach Berlin verschlagen. Nach München. Nach Frankreich. Nach Griechenland. Neuaufbrüche, Sich entwurzeln und neu verwurzeln gehört heute irgendwie dazu. Wie ruhelose Geister streift eine Generation durch die Welt auf der Suche nach Erfüllung, nach Arbeit, nach Balance.

Das Paar diskutiert. Über mögliche Perspektiven. Gos und Nogos. Nicht der Osten. Nicht unbedingt der Norden. Gerne das Rheinland, vielleicht aber auch die Schweiz.

„Eigentlich doch egal“, sagt sie irgendwann, „Hauptsache zusammen.“ Er lächelt: „Ja stimmt, Hauptsache zusammen.“ Zusammen neue Heimat finden, zusammen Neues gestalten, zusammen so viel schaffen. Und das dann vielleicht für immer, vielleicht aber wieder nur auf Zeit. Denn: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Hebräer 13,14)

Zusammen reihen wir uns ein in die Reihe der Heimatsuchenden: Die Berufsanfänger, die Neuverliebten, die Seniorenheimbewohner. Wir reihen uns ein in die Reihe derer, die Neuanfänge wagen. Die umziehen ins Studium, zum neuen Job, neuen Partner oder auch einmalig in ihrem Leben vom Elternhaus ins Seniorenheim. Und in dieser Reihe machen wir uns mit jedem Abschiedsschmerz klar:

Jedem Aufbruch, jedem Neuanfang, wohnt ein Zauber inne.