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An(ge)dacht: Du sollst Vater und Mutter ehren

1922, also vor 102 Jahren, entstand beim „Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber“ eine wegweisende Idee: „Lasst uns doch dieses lukrative Konzept des Muttertags, das in den USA solche Furore macht, auch zu uns holen.

1922, also vor 102 Jahren, entstand beim „Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber“ eine wegweisende Idee: „Lasst uns doch dieses lukrative Konzept des Muttertags, das in den USA solche Furore macht, auch zu uns holen.“ Und tatsächlich: Im Frühjahr 1923 hingen in den Schaufenstern erstmals große Plakate mit dem Aufdruck: „Ehret die Mutter“. Damit war der Muttertag in Deutschland etabliert.

Allerdings: Die Nazis machten aus dem fröhlichen Blumenschenken schnell einen offiziellen „Ehrentag der deutschen Mütter“, bei dem vor allem so genannte „Gebärfreudige arische Frauen“ zu Heldinnen des Volkes ernannt wurden. Sie erhielten das „Ehrenkreuz der deutschen Mutter“.

Um die Kirchen zu ärgern, legten die Nationalsozialisten ihre so genannten „Mütterweihen“ immer auf sonntags 10 Uhr. Dass der Gottesdienst so gestört wurde, war ärgerlich. Aber viel ärgerlicher war, dass die Nazis eine an sich gute Idee für ihre Zwecke missbrauchten. Schließlich gehört es zu den elementaren Grundideen des Glaubens, die Eltern zu würdigen. Schon im Alten Testament heißt es bekanntermaßen: „Du sollst Vater und Mutter ehren“. Und dieses „Ehren“ meint viel mehr als nur „Einmal im Jahr Blümchen vorbeibringen“; und es sieht in den Müttern auch nicht nur „Gebärmaschinen“.

Vielleicht ist der Muttertag ja eine gute Gelegenheit, mal wieder darüber nachzudenken, was das eigentlich bedeutet: „Du sollst Vater und Mutter ehren.“

 

 

Pfarrerin Claudia Konnert, Evangelische Kirchengemeinde Westrich-Nahe