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An(ge)dacht: Der Neubeginn wird augenscheinlich

Ich sitze im Garten. Auf der Wiese vor mir blühen das Wiesenschaumkraut und der Löwenzahn. Daneben wächst und blüht die Johannisbeere.

Im Beet daneben hat der Frühling ein blaues Band aus Traubenhyazinthen gewebt. Osterglocken wiegen sich im lauen Wind. In der Luft liegt ein beständiges Summen und der Frühlingsruf der Meisen. Ein Zitronenfalter flattert an mir vorbei. 

Wie herrlich ist es, die Wärme der Sonne zu spüren? Noch am Sonntag wehte ein eisiger Wind und lockte nicht unbedingt nach draußen. Ich liebe diese Tage. Ich erfreue mich am Erwachen der Natur. Noch vor Kurzem war die Welt trist und grau, die Bäume wie tot. Doch nun liegt über Allem ein grüner Hauch, Forsythien und Schwarzdorn tupfen gelbe und weiße Kleckse in die Landschaft. 

Mir geht das Herz auf bei diesem Anblick. Und vielleicht geht es Ihnen in diesen Tagen ja ähnlich. Mir kommt die Jahreslosung in den Sinn: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ So heißt es in der Offenbarung des Johannes, fast am Ende der Bibel. Ja, gerade in diesen Tagen des Frühlings wird dieser Neubeginn ganz augenscheinlich. Ostern haben wir letztes Wochenende gefeiert, das Fest des Neubeginns überhaupt: Tot ist nicht länger tot, vielmehr ist uns neues Leben bei Gott verheißen. 

In diesen Tagen geht mir aber auch anderes durch den Kopf: Neu kann auch Angst machen. Viele Schülerinnen und Schüler haben in diesen Tagen ihr Abiturzeugnis erhalten oder ihre Lehre beendet. Und da stellt sich die Frage: Wie geht es weiter? Einige haben schon feste Vorstellungen, wissen schon, wie es für sie weitergehen soll, haben vielleicht schon eine feste Arbeitsstelle, eine Lehrstelle, einen Platz an der Uni. Andere wollen sich erst ausprobieren, gehen vielleicht erst einmal ins Ausland oder machen ein Freiwilliges Soziales Jahr. Andere haben vielleicht noch gar keine Ahnung, wie es für sie weitergehen soll. Das ist belastend. 

Auch in unserem Land stehen wir vor einer Vielzahl von Veränderungen, wir merken: so wie es ist, kann es nicht bleiben. Aber wie wird es werden? Welchen Preis muss ich bezahlen? Noch stehen wir erst am Beginn, noch ist erst Frühlingsanfang. Aber eines ist uns zugesagt: Gott lässt uns nicht alleine, bis zum Ende. Darauf will ich meine Hoffnung setzen und meinen Teil dazu beitragen, dass diese Welt ein wenig besser wird.

Pfarrerin Christine Wild

Im Garten kann unsere Pfarrerin derzeit den Frühling in vollen Zügen genießen. KI generiertes Foto, Rebecca Bleh