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ACK Südwest: Delegiertenversammlung in Trier

Das biblische Verständnis von Frieden und der Umgang mit Missbrauch in den Kirchen: Zwei wichtige Themen der Delegiertenversammlung der ACK Südwest.

Trier. Zweimal im Jahr treffen sich die Delegierten der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in der Region Südwest im Rahmen einer Delegiertenversammlung. Vertretene Kirchen sind neben den Katholischen Bistümern Speyer und Trier die beiden Evangelischen Kirchen in der Pfalz und im Rheinland, die Arbeitsgemeinschaft südwestdeutscher Mennonitengemeinden, die Herrnhuter Brüdergemeine, die evangelisch-methodistische Kirche, die altkatholische Kirche, die griechisch-orthodoxe Kirche, die selbstständig evangelisch-lutherische Kirche (SELK), der Bund evangelisch-freikirchlicher Gemeinden, der Bund freier evangelischer Gemeinden, der Bund freikirchlicher Pfingstgemeinden, die koptisch-orthodoxe Kirche und die Neuapostolische Kirche. Die diesjährige Herbst-Versammlung fand vom 13. bis 14. Oktober im Robert-Schuman-Haus in Trier statt.

Zustimmung zur Gastmitgliedschaft der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten

Schon seit vielen Jahren ist die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten auf verschiedenen Ebenen in der Ökumene in Deutschland beheimatet. Nachdem in der Frühjahrsversammlung für die ACK Südwest ein offizieller Antrag auf Gastmitgliedschaft gestellt worden war, stimmte die Delegiertenversammlung mit einer Zweidrittelmehrheit der Mitgliedskirchen der Aufnahme der Kirche als Gastmitglied zu.  

 

Rückblick auf die Vollversammlung des Ökumenischen Rates in Karlsruhe

Viele Mitgliedskirchen der ACK Südwest waren in die Vorbereitung und Durchführung der von 31. August bis 8. September erstmals in Deutschland stattfindenden 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates in Karlsruhe eingebunden und berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen des Austauschs und der Begegnung. Zusätzlich beteiligten sich die Kirchen in der Region an einem Fahrradpilgerweg nach Karlsruhe sowie an einem vielfältigen Exkursionsprogramm für Delegierte und Gäste der Vollversammlung. Am Sonntag, 4. September 2022, fand unter dem Motto „share und care – live together“ ein ökumenischer Festgottesdienst in Speyer mit Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann, Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst und, als Vertreter der ACK Südwest, Erzpriester Georgios Basioudis statt.

 

Die biblische Verheißung des „schalom“ und die Realität des gegenwärtigen Krieges

Aus aktuellem Anlass beschäftigte sich die Delegiertenversammlung mit dem Begriff des biblischen „schalom“ aus exegetischer Perspektive. Professor Heinz-Günther Schöttler aus Regensburg, emeritierter Professor für Pastoraltheologie und Homiletik, Mitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und des Gesprächskreises „Juden und Christen“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken und aktuell Dozent für Homiletik am Abraham Geiger-Kolleg in Potsdam, führte die Delegierten in die weite hebräische Semantik des Begriffes ein. Dabei machte er deutlich, dass im Alten Testament „schalom“ selbst selten im direkten Gegensatz zu einer kriegerischen Situation wahrgenommen wird, sondern vielfach als Synonym für einen guten Verlauf gebraucht wird. Dagegen wird er in besonderer Weise als Parallelbegriff zu Gerechtigkeit und Wahrheit verwendet. Dabei verwies Schöttler auf das biblische Verständnis von Wahrheit, das stets unter dem Vorbehalt der Lebensdienlichkeit und der Förderung von Gerechtigkeit steht.

Als „giftige Melange“ bezeichnete er die Verbindung von Wahrheit und Macht, wie sie in der metaphysischen Interpretation des Krieges in der Ukraine durch Patriarch Kyrill zum Ausdruck kommt.  Die Zielbestimmung des „schalom“-Begriffs kennzeichnete er vor diesem Hintergrund als umfassendes Heil für die Welt. Die anschließende Diskussion unter den Delegierten machte deutlich, dass im Blick auf den Krieg in der Ukraine und die Haltung etwa zu Waffenlieferungen in die Ukraine Kirchen in besonderer Weise herausgefordert sind, die eigene Unsicherheit und Ohnmacht auszuhalten – wohl wissend, dass wir Gottes Gerechtigkeit und Friede nicht machen können.

Umgang mit sexuellem Missbrauch am Beispiel des Bistums Trier

Diplom-Psychologin Angela Dieterich, Präventionsbeauftragte, und Dr. Katharina Rauchenecker, Interventionsbeauftragte, informierten über die Strategien zur Prävention, Intervention und Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Bistum Trier. Das anschließende Gespräch mit allen Delegierten gab die Möglichkeit des Austauschs über die Verankerung des Themas in den einzelnen Kirchen.

Ökumenisch-geistlicher Weg „an-gesehen“

Außerdem wurde den Delegierten der neue ökumenisch-geistliche Übungsweg mit dem Titel „an_gesehen“ vorgestellt. Er richtet sich insbesondere an Menschen, die sich etwa in Einrichtungen der Kranken- oder Altenpflege oder im privaten Bereich um andere Menschen kümmern. Erstellt wurde er auf Initiative der ACK Region Südwest, des Bistums Speyer und der Evangelischen Kirche der Pfalz; herausgegeben wurde er vom Institut für kirchliche Fortbildung der Landeskirche.

Geistliche Ökumene

Auch dieses Mal prägte das gemeinsame Singen und Beten in konfessioneller Vielfalt die geistliche Atmosphäre der Delegiertenversammlung.

Text: Susanne Laun