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Weierbach-Sien

Aus einer ursprünglich pfarramtlichen Verbindung wurde erst vor Kurzem die Kirchengemeinde Weierbach-Sien. Weierbach ist ein Stadtteil von Idar-Oberstein, Sien liegt entlang der Bundesstraße 270 im Landkreis Birkenfeld an der Grenze zum Landkreis Kusel. Pfarrerin ist Tanja Bodewig.


Andachten für Zuhause

AB DEM 17. MAI FEIERN WIR WIEDER GOTTESDIENST IN DEN KIRCHEN

Diesen Sonntag feiern wir den „Sonntag Kantate“ im Kirchenjahr, „singet“, bedeutet das übersetzt. Und von der großartigen Kraft der Musik erzählt auch der Predigttext, der uns für den heutigen Sonntag erstmals aus der Bibel vorgeschlagen ist. Es ist die Geschichte von der Einweihung des Tempels in Jerusalem, im 2. Buch der Chronik, im 5. Kapitel.

Erzählt wird von einem riesigen Fest, das Israel feiert: Der Tempel wird eingeweiht mit dem feierlichen und großartigen Einzug der Bundeslade, den Gebotstafeln vom Sinai. Danach beginnt das Darbringen der Opfertiere, „so viele, dass es niemand zählen noch berechnen konnte“ (Vers 6). Danach verlassen die Priester wieder das Heiligtum, ganz ohne auf ihre eigentlich festgelegten Ordnungen dabei zu achten, und gemeinsam mit den Leviten beginnen sie zu musizieren: In Festgewändern stehen sie dort, mit den unterschiedlichsten Instrumenten: 120 Trompeter, eine große Menge Harfenspieler, und viele andere Instrumentalisten. Und dabei ein großer Chor von Sängern. Und es hörte sich an „als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN“ (Vers 13). In dieser Festmusik zur Einweihung des Tempels ereignet sich vollkommene Harmonie, alle – Musiker und Sänger -  finden sich hier ganz wie von selbst in dem einen gleichen Ton – und das wird ein ganz wunderbarer, berührender Klang für alle gewesen sein.

 Und in diesem Erleben, da „öffnet“ sich etwas. Die Musik der Menschen, die Gottes Lobpreis ist, nämlich mit den Worten :“ Gott ist gütig und seine Barmherzigkeit währt ewig“ ( Vers 13), die lädt Gott ein, anwesend zu sein – „da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN“ (Vers 13). Gott selber nimmt Wohnung an dem Ort, den die Menschen ihm als Tempel prächtig gebaut haben. Diese „Einwohnung Gottes“ im Tempel in Jerusalem ist das Wunder unserer biblischen Geschichte.  Und in der biblischen Erzählung, da ist Gottes Gegenwart sogar so groß und allumfassend, dass für die Priester überhaupt noch kein Raum im Hause Gottes ist, denn „ die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes“ (Vers 14). Vielleicht eine kleine, augenzwinkernde Kritik auch, dass die Priester nicht überheblich werden sollen in ihrem Dienst.

Ein ganz besonderer Moment, in dem Gottes Gegenwart so spürbar und präsent ist. Und doch, wer die Kraft der Musik kennt, der mag das manchmal spüren, dass in ihr eine andere, neue Sphäre aufscheint, sie berührt unsere Herzen und Seelen, sie öffnet und sie schenkt uns Gemeinschaft – und manches, für das wir gar keine Worte finden können, das können wir in Musik zeigen. Und Musik, die Gottes Lob besingt, die mag bis heute wohl Musik sein, bei der dann umgekehrt auch Gott selbst sich auf den Weg macht hin zu uns. Und das können wir erleben, z.B. in den Chorproben in der Kirchengemeinde, im Orgelspiel in den Gottesdiensten, im gemeinsamen Gesang in der Kirche und bei festlicher Musik dort. Noch einmal auf eine andere Art und Weise als in den biblischen Texten oder in der Predigt ist auch die Musik ein weiterer Weg, auf dem Gott uns Menschen anspricht. Im Hören und im selber Musizieren öffnen sich uns Menschen neue Welten. Wir können dem Ausdruck geben, was uns bewegt, ganz ohne Worte, und wir können uns hinein begeben in Gefühle.

Musik kann uns trösten, uns aufrichten und erfrischen, Musik kann Ausdruck geben den unangenehmen Gefühlen in uns, dass wir sie vielleicht loslassen können und von ihnen befreit weiter gehen können, Musik kann Gottes Lob groß machen in dieser Welt, kann Danklied sein und Hoffnungslied, und kann auch unsere Klage und unseren Schmerz Gott bringen.

 Musik  „an sich“ allerdings kann auch zum Bösen wirken – heute, wo ich diese Andacht schreibe, ging vor 75 Jahren der 2. Weltkrieg zu Ende. Und auch Musik wurde damals von den Nazis sehr bewusst eingesetzt für ihre menschenverachtenden Zwecke. Musik kann auch Gewalttaten beschönigen, Opfer verhöhnen in den KZs, Menschen einlullen oder anstacheln, dass sie dem Bösen gedankenlos folgen und mit machen, statt aufzumerken und den Widerstand zu leisten, der gegen das böse Tun geboten ist.

 Unser Bibeltext erzählt von Musik im Dienste Gottes. Und das bleibt wohl eine Aufgabe an uns, immer wieder auch zu fragen, welchem Zweck denn Musik dient. Musik hat viel Kraft -  und sie ist ein Weg Gottes, hin zu uns Menschen. Und wir dürfen uns beteiligen, dass Gottes Lob groß wird in unserer Welt, immer dann, wenn wir Musik genießen, sei es, dass wir selbst musizieren oder dass wir gemeinsam singen oder dass wir Musik hören. Amen

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen

Psalm 98:

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

Der HERR lässt sein Heil verkündigen, vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes.

Jauchzet dem HERRN alle Welt, singet, rühmet und lobet! (Verse 1 – 4)

 

Lied: 263, 1 -2 + 4 + 7 (Sonne der Gerechtigkeit)

Auslegung zu 2. Chronik 5

Lied: 286, 1 – 3 (Singt, singt dem Herren neue Lieder)

 

Fürbitten:

Gott, wir leben noch immer in der Corona – Pandemie. In unserem Alltag wird manches wieder normaler. Und dafür, Gott, danken wir dir. Wir bitten dich um deinen Schutz. Begleite alle behutsamen Schritte der Lockerung.

Gott, wir blicken zurück in die Geschichte unseres Landes. Und wir erinnern uns voller Grauen und voller Scham an all das Unrecht, das Nazi – Deutschland Menschen angetan hat. Nichts davon können wir ungeschehen machen. Mit dieser Vergangenheit müssen wir leben. Dich, Gott, bitten wir, dass du den Opfern und ihren Nachkommen beistehst. Hilf uns, dass wir in unserer Zeit mutig dem Bösen widerstehen.

Gott, wir bitten dich um deine Hilfe für Menschen in Not: In Trauer nach dem Tod eines nahen Menschen, bedrückt durch eigene oder fremde Schuld, einsam oder mit dem Gefühl, dass ihre Aufgaben sie überfordern. Stehe du ihnen bei und lass Menschen ihnen unterstützend zur Seite sein.

 

Vaterunser

 

Der HERR segne uns und behüte uns. Der HERR lasse leuchten sein Angesicht über uns und sei uns gnädig. Der HERR erhebe sein Angesicht auf uns und sei uns gnädig. Amen

Jesus sagt: „ Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“

Manchen von uns ist dieser Satz aus unserem heutigen Bibeltext wohl sehr vertraut. Er steht im Evangelium des Johannes, in den Abschiedsreden Jesu, die er vor seiner Verhaftung seinen Jüngern zuspricht. Am Ende seines irdischen Weges gibt Jesus seinen nahen Vertrauten Hinweise für die Zukunft, wenn sie ohne Jesu irdische Gegenwart sein werden. Was sollen sie bewahren, um weiter ihr Leben im Sinne Gottes zu gestalten, als Botinnen und Boten des Evangeliums, hin zu den Menschen?

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ Ein ganz alltägliches Bild, das Jesus da zur Sprache bringt, und es geht ihm darin um die Verbindung zu den Seinen. So, wie der Weinstock die Reben hervorbringt, ganz natürlich, ohne Zweifel, ohne Anstrengung, ebenso will Jesus bleibend den Seinen verbunden sein, will sie nähren und tragen, wie der Weinstock seine vielen Reben. -  Und was dann geschieht, das ist auch hier bei uns, in Rheinland – Pfalz, jedes Jahr aufs Neue in den Weinbergen wahrzunehmen: Da ist der Weinstock, fest eingewurzelt in der Erde, oft knorrig geworden durch die vielen Jahre. Im Winter ist nur er zu sehen. Doch dann, im Frühling, wachsen aus dem Stamm die Reben heraus, viele aus einem Stamm. Und aus ihnen schlagen die Weinblätter aus. Und an den Reben bilden sich im Laufe der Monate schließlich die Trauben, noch einmal ganz viele einzelne Früchte, die sich jeweils zu einer Dolde zusammen finden. Erst klein und grün und hart, doch während der nächsten Monate wachsen und reifen sie und im Herbst sieht man in den Weinbergen dann die Weinstöcke, aus denen ringsum viele Reben wachsen, die ungezählte Frucht bringen. „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ Das verspricht Jesus den Seinen vor seinem Leidensweg ans Kreuz. In der Stunde des Abschieds dieser Zuspruch: Ihr werdet Frucht bringen, in überreichem Maß und immer wieder aufs Neue. Denn: Ich bleibe euch verbunden, trage und nähre euch, wie die Reben ihre Lebenskraft empfangen aus dem Weinstock. Voller Vertrauen spricht Jesus diese Worte denen zu, die um ihn sind.

 Und: Zugleich ist in unserem Text auch die Rede davon, dass Reben, die keine Frucht bringen, weg genommen werden und sogar im Feuer verbrennen. Das klingt bedrohlich, auch wenn es wohl im Weinbau durchaus üblich ist. Ich verstehe diesen Satz vom weiteren Fortgang des Evangeliums her: Unmittelbar nach Jesu Abschiedsreden lassen die Jünger ihn bei seiner Verhaftung im Stich und fliehen. Sie bringen hier erst einmal aus eigener Todesangst heraus überhaupt keine gute Frucht, wie wir sie uns ja z.B. als Treue oder Anteilnahme vorstellen könnten. Und Gott, als der gute Weingärtner, sieht, wo keine Frucht aufwächst -  und diese Rebe entfernt er, entfernt für uns alles Dunkle und Ungute, auch aus unserem eigenen Wesen,  dass dies nicht die Verbindung zwischen dem Weinstock und den fruchttragenden Reben „stört“ oder belastet. „Ohne mich könnt ihr nichts tun“ – das zeigt sich im Versagen der Jünger auf Jesu Leidensweg schmerzlich. Aber in seinen Abschiedsreden an sie blickt Jesus schon über dieses Versagen hinaus: Später werdet ihr Frucht bringen. Denn Jesus selbst wird die Verbindung zu ihnen neu beleben, als der Auferstandene wird er sie als Boten und Botinnen des Evangeliums aussenden und sie beschenken mit Gottes Heiligem Geist. Wie der Weinstock die Reben aus sich hervorbringt, so verbunden bleibt der auferstandene Jesus den Seinen. Und aus dieser Verbindung heraus wachsen Früchte in überreichem Maß.

 Und mit dieser großen Ernte wird dann Gott verherrlicht werden, der als der gute Weingärtner aufmerksam und geduldig alle Pflanzen seines Weinbergs gepflegt hat. -  Und hier schließlich noch ein letzter Gedanke zur Arbeit im Weinberg: Sie braucht Zeiträume, immer wieder im Laufe des Jahres, arbeitet der Winzer im Weinberg. Die Pflege der Pflanzen und das Wachsen ihrer Früchte brauchen Zeit. -  Wir leben heute nun in einer Zeit, in der wir vieles sehr schnell tun können: Ein Druck auf den Lichtschalter und ein Raum wird augenblicklich hell. Und das gilt für viele technische Möglichkeiten heute. Und diese Erfahrung lässt uns heute vielleicht manchmal ungeduldig werden oder uninteressiert oder auch zu umtriebig, wenn wir nicht sofort Ergebnisse unseres Tuns sehen. „Wachsen“ dagegen, als ein lebendiges Geschehen, braucht viel mehr Zeit. Und wie der Weingärtner geduldig und liebevoll die Pflanzen pflegt, voll Vertrauen auf eine gute Ernte, so sind auch wir gerufen, in diesem Vertrauen und in Geduld zu leben und zu wachsen in unserer Verbindung zu Gott. Amen 

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Psalm 66, 1 – 9

Jauchzet Gott, alle Lande!

 Lobsingt zur Ehre seines Namens; rühmt ihn herrlich!

 Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke! Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.

. . .

Lobet, ihr Völker, unsern Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen, der unsere Seelen am Leben erhält, und lässt unsere Füße nicht gleiten. Amen

 

Lied: Frühmorgens, da die Sonn aufgeht (EG 111, 1 – 2 und 11 und 14)

Auslegung zu Johannes 15, 1 – 8

Lied: Strahlen brechen viele aus einem Licht (EG 286, 1 – 4)

 

Fürbitten:

Guter Gott, du schenkst uns deine Nähe. Durch die Kraft des Heiligen Geistes verbindest du dich mit uns. Und für diese Gabe danken wir dir Gott.

Und wir bitten dich: Dass dein guter Geist ausstrahle in unsere Welt, dass er uns präge in unserem Verhalten. Und dass er uns Vertrauen schenke zu deiner Liebe zu uns. Hilf uns, in ihr gemeinsam zu wachsen und auch Böses zu überwinden, in unserer eigenen Persönlichkeit und in unserer Welt.

Gott, unser Alltag ist heute geprägt durch die Corona – Pandemie. Und wir bringen dir unsere Sorgen und unsere Angst: Vor der Krankheit. Um liebe, nahe Menschen, um die Menschen der Risikogruppe.

Wir bitten dich, Gott, um deinen Segen für das Tun der Menschen in Forschung und Medizin.

Wir bitten dich für alle, die schlimme wirtschaftliche Ängste haben: Halte sie in der Kraft deines Vertrauens, dass ihre Angst nicht übermächtig wird. Und hilf bei der Bereitschaft, auskömmlich miteinander zu teilen.

Und schließlich, Gott, bitten wir dich auch für die Menschen in Not in unserer ganzen Welt – dass wir in aller eigener Angst ihnen zugewandt bleiben und ihnen weiterhin helfen. Amen

 

Vaterunser

 

Segen: Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über uns und schenke uns seinen Frieden. Amen

Bibeltext: 1. Petrusbrief, Kapitel 2, Verse 21 – 25

Das Osterfest liegt knapp zwei Wochen zurück. Und der Predigttext für den heutigen Sonntag nimmt darauf Bezug, was Ostern ganz praktisch für Christenmenschen bedeutet: Jesus hat unsere Sünde selbst hinaufgetragen auf das Holz (des Kreuzes), damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben (Vers 24 a). Wir Christenmenschen können nun „der Gerechtigkeit leben“, in Gerechtigkeit leben, für die Gerechtigkeit uns einsetzen in unserem Leben, weil Jesus uns aus der Macht der Sünde befreit hat, in seinem Tod am Kreuz. Wir können leben als befreite Menschen, die durch Jesu Sterben am Kreuz nun nicht mehr im Netz der Sünde gefangen sind, die keinen durch die Sünde eingeschränkten, verengten Blick mehr haben, die vielmehr jetzt eine neue, erweiterte Perspektive gewonnen haben, nämlich die Perspektive der Gerechtigkeit.

Und Orientierung für das, was es bedeutet, „der Gerechtigkeit zu leben“, ist in unserem Bibeltext bei Jesus selbst zu finden: „Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen“ (Vers 21). Damit erinnert der Autor die Gemeindemitglieder an ihre Taufen. Jedes Jahr, in den Ostergottesdiensten, kamen in den ersten christlichen Gemeinden neue, getaufte Christenmenschen dazu. Sie hatten, als Erwachsene, mit ihrer Taufe, eingewilligt in ihre Berufung durch Gott, dass sie nämlich ihrem Vorbild Jesus von nun an auch selber nachfolgen wollen in ihrem Leben. Was diese Nachfolge praktisch bedeutet, das entfaltet unser Bibeltext nun für eine bestimmte „Zielgruppe“ in den christlichen Urgemeinden, nämlich für die Sklavinnen und Sklaven, die zu Christen geworden sind. Sie sollen sich ihrer Herrschaft unterordnen – nun aber nicht nur den gütigen, sondern ebenso auch den „wunderlichen“ (Vers 18). Und als ihr Vorbild wird dann beschrieben, wie Jesus seinen Weg gegangen ist, der sich eben gerade nicht verteidigt hat gegen Unrecht, sondern hat freiwillig das Unrecht erlitten, „für uns“.

Nun weiß ich nicht, wie es Ihnen mit diesem Gedankengang geht? - Wir leben heute ja – Gott sei Dank -  in einer Gesellschaft, in der die Sklaverei überwunden ist, weil sie unserem Verständnis von Menschenrechten widerspricht. Das unterscheidet uns wohltuend von der Zeit der Bibel. Und doch ist mit solchen biblischen Ermahnungen, die sich gerade in den Briefen des Neuen Testaments häufiger finden, oft ein ungutes Klima in Kirche und Gesellschaft durch die Jahrhunderte hindurch gefördert worden: Autoritäten wurde ganz unkritisch Folge geleistet, ohne ihr Verhalten an ethischen Werten zu beurteilen. Und wer Opfer eines solchen Tuns wurde, der oder die wurde oft zum Schweigen gebracht gerade mit dem Hinweis, dass es ja Gottes Wille sei, alles hinzunehmen, was man ihnen antut. Die Folgen dieser Haltung sind bis heute für uns spürbar, wenn sich etwa erst jetzt allmählich zeigt, was lange Kindern und anderen schwächeren Menschen im Raum der Kirche und in anderen Institutionen an Unrecht und Gewalt angetan wurde.

Aus meiner Sicht ist das ein schlimmes Missverständnis des Evangeliums: Jesus hat gelitten, aber er tat es „für uns“, also nicht für das Leiden als Selbstzweck, sondern sein Leiden hatte ein gutes Ziel für uns, nämlich, dass „wir … der Gerechtigkeit leben“. Und der Gerechtigkeit entspricht nun nicht rücksichtsloses Verhalten zu dulden, ihr entspricht nicht das „Recht des Stärkeren“, sondern der Gerechtigkeit entspricht, die Bedürfnisse aller wahrzunehmen, ihr entspricht der Respekt vor der unverlierbaren Würde jedes Lebens und der Gerechtigkeit entspricht, in besonderem Maße Rücksicht zu nehmen auf diejenigen, die in der aktuellen Situation gerade die Schwächeren sind. Diese Maßstäbe entsprechen dem Geist Jesu. So hat der Sohn Gottes gelebt und so ist er gestorben. Zu diesen Maßstäben hat sich Gott bekannt, als er an Ostern Jesus auferweckt hat. Und mit diesen Maßstäben lebt die christliche Gemeinde bis heute. Wir gestalten unser Leben, im Vertrauen darauf, dass dieser gute, heilige Geist Gottes auch heute in unserer Welt wirksam ist. Und wir bemühen uns, ihm nachzufolgen, in unserem Reden und in unserem Tun.

Was das für uns heute heißen kann, in den Zeiten von Corona? Aus meiner Sicht dieses: Auch weiterhin, und wohl noch für längere Zeit, Rücksicht zu nehmen und vorsichtig zu bleiben in unseren sozialen Kontakten, damit alle, die sich gefährlich infizieren, jederzeit die bestmögliche ärztliche Hilfe auch bekommen können. Großzügig zu teilen, Aufmerksamkeit und Zuwendung, Humor und Zeit, manchmal einfach ein Lächeln oder ein offenes Ohr, dass diejenigen in akuter Belastung Anteilnahme finden. Und schließlich wohl auch, einen weiten Blick und ein weites Herz zu bewahren, dass wir neben unseren eigenen, bei vielen wohl eher „kleinen“ Enttäuschungen in dieser Zeit, sensibel auch für die Menschen bleiben, die jetzt überlastet sind, die existentielle Sorgen haben oder die – beim Blick in unsere ganze Welt – akut bedroht sind. Ihre Not zu lindern und ihnen mit unseren Möglichkeiten weiter beizustehen, persönlich und gesellschaftlich, das verstehe ich heute unter dem Aufruf aus unserem Bibeltext, dass „Christus uns ein Vorbild hinterlassen hat.“  Amen

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Psalm 23

 

Lied: Du, meine Seele, singe (302, 1 – 2 und 5 – 6)

Auslegung zum 1. Petrusbrief, Kapitel 2, Verse 21 – 25

Lied: Vertraut den neuen Wegen (395, 1 – 3)

 

Fürbitten: Du, Gott, versprichst, uns zu begleiten, alle Tage unseres Lebens. Du schenkst uns deine Liebe, großzügig und verlässlich, ohne jede Vorbedingung, so bist du mit uns verbunden. Dafür danken wir dir, Gott.

 Und wir bitten dich für die Menschen, die Zweifel haben, die nicht glauben können, dass DU für sie da bist: Finde du, Gott, die Sprache, die ihre Herzen berührt – und bewege uns, dass wir glaubwürdige Zeugen deiner Menschenliebe sind.

Gott, wir bitten dich für die Menschen, denen Corona Angst macht – die Krankheit, die sozialen Einschränkungen, die finanziellen Folgen. Begleite du sie in ihrer Not, dass sie neu Vertrauen fassen zu deiner starken Liebe, die auch das Dunkle verwandelt, für uns.

Gott, wir denken vor dir an alle, die sich, Corona zum Trotz, jetzt einsetzen für unsere Lebensqualität: Im Alltag, etwa als Verkäuferin oder als LKW – Fahrer, in den Familien, im Gesundheitssystem und in Pflegeberufen, als Wissenschaftler, als Angestellte oder Beamte, in den Medien und in der Politik und an vielen anderen, oft weniger sichtbaren Stellen.  Gott, schenke du ihnen allen Mut und Behutsamkeit, Hoffnung und Beharrlichkeit, dass sie in ihrem Denken, in ihrem Reden und ihrem Tun das Wohl der Menschen weiter an die erste Stelle setzen. Amen

Gott segne uns und behüte uns. Gott lasse leuchten sein Angesicht über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns und aller Welt seinen Frieden. Amen

Andacht zum 19. April 2020: Jesaja, Kapitel 40, die Verse 27 - 31

Schöne, verheißungsvolle Worte, die wir hier hören dürfen: „Die auf den HERREN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“

Das übersteigt unsere menschlichen Möglichkeiten weit, nicht mehr müde werden, nicht matt werden. Wir Menschen brauchen Pausen, Ruhezeiten, um uns zu erholen und neue Kraft zu schöpfen. Wenn der Prophet hier verspricht, dass Menschen unerschöpfliche Kraft bekommen, dann kommt diese Kraft nicht auf natürliche Weise ihnen zu, denn in unserer Welt gibt es solche unerschöpfliche Energie nicht.

Der Prophet Jesaja nennt eine andere, außerweltliche Energiequelle: „Die auf den HERREN harren . . . „ – Menschen, die beharrlich sich Gott zuwenden, nicht nachlassen Gott zu suchen, nicht aufhören, mit Gott zu reden, immer wieder neu auf Gott hoffen, diese Menschen bekommen aus dem Kontakt zu Gott neue Kraft, dass sie ihren Weg weiter gehen können, „dass sie laufen und nicht matt werden“. Sogar „dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler“, dieses großartige Bild malt der Prophet seinen Zuhörern aus. Und wer je einen Adler hat aufsteigen sehen, mit riesigen, ausgebreiteten Flügeln von 3 Meter Spannbreite, wie er von der Thermik -  scheinbar mühelos -  immer weiter in die Höhe getragen wird, der mag sich dieser Verheißung des Propheten gerne überlassen. Wer träumte nicht davon, einmal so leicht aufzufahren, wie ein Adler?

Damals, als der Prophet diese Worte sagte, war die aktuelle Situation Israels deprimierend und hoffnungslos. Das Gottesvolk war nach einem großen Krieg verschleppt worden in die Fremde, lebte jetzt fern der vertrauten Heimat, im babylonischen Exil. Alles war ihnen dort fremd, die Sprache, die Kultur, die Religion der Babylonier. Und in dieser fremden, feindlichen Umgebung fühlten sie sich auch von Gott im Stich gelassen: „Mein Weg ist dem HERRN verborgen“ – Gott kümmert sich nicht um uns, so würden wir das heute übersetzen, Gott lässt uns im Stich. – Und mag sein, dass diese Gefühle auch heute Menschen prägen: Übermächtig erscheinen die Sorgen, um die Gesundheit bei sich selbst und bei lieben Mitmenschen. Um die Zukunft, wie wird es weiter gehen, unser Alltag mit der Corona – Pandemie? Um das eigene Auskommen, Kurzarbeit, Insolvenz, weiter laufende Kosten? Um die Entwicklung der finanziellen und der sozialen Zukunft, bei uns und in der ganzen Welt? „Mein Weg ist dem HERRN verborgen.“ In dieser Klage Israels mögen sich heute viele Menschen wieder finden. Aber der Prophet widerspricht: „Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.“  So spricht Jesaja mit seinen verzagten Zeitgenossen.

 Der Prophet erinnert die Menschen daran, dass der lebendige und allmächtige Gott unsere Welt treu begleitet, die ja Gott selbst ins Leben gerufen hat.  Und das heißt: Nicht die scheinbar unveränderlichen Gesetzmäßigkeiten innerhalb unserer Welt sind schon unsere „ganze Wirklichkeit“.  Nicht unser menschliches Denken oder unsere begrenzte Erkenntnis legen schon den Rahmen dessen fest, was in unserer Welt möglich ist. Sondern: Da ist der lebendige Gott, der als Schöpfer unserer Welt sich immer wieder neu engagiert für das Leben seiner Geschöpfe. Und dabei hat Gott besonders die im Blick, die sich gerade nicht selber helfen können, die am Ende ihrer eigenen Kräfte sind, die an Gott verzweifeln. Gerade ihnen will Gott  eine neue, hoffnungsvolle Zukunft schenken – „Gott gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.“

 Unsere menschlichen Begrenzungen des Denkens und der Wahrscheinlichkeit sind für den allmächtigen Gott überhaupt nicht von Bedeutung: Am Ostermorgen hat Gott in der Auferstehung Jesu Christi die Todesgrenze durch sein himmlisches Leben überwunden. In der Geburt des Jesuskindes hat Gott die Grenze überwunden, die Gottes Welt und unser menschliches Leben trennt. Und Israel hat es in den Jahrtausenden seiner Geschichte mit Gott immer wieder erleben dürfen: Gott hat Acht auf seine Menschenkinder und hilft ihnen weiter zum Leben – gegen alle menschlich begrenzte Vorausschau: Unvorstellbar, dass eines Nachts die hebräischen Sklaven aus Ägypten fortziehen. Unvorstellbar, dass eines Tages die mächtigen babylonischen Könige besiegt werden, und Israel, nach über 70 Jahren im Exil, zurück kehren kann nach Jerusalem. Unvorstellbar, vielleicht heute noch für uns,  dass wir neu mit Corona leben könnten -  und dass sich für uns Wege öffnen können, die Zukunft unserer Welt neu und gut zu gestalten?

Ablauf einer Andacht am 19.4.2020 (Quasimodogeniti)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Psalm 116, Verse 1 – 9

Das ist mir lieb, dass der HERR meine Stimme und mein Flehen hört.

Denn er neigte sein Ohr zu mir; darum will ich ihn mein Leben lang anrufen.

Stricke des Todes hatten mich umfangen, des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen; ich kam in Jammer und Not.

Aber ich rief an den Namen des HERRN: Ach HERR, errette mich!

Der HERR ist gnädig und gerecht und unser Gott ist barmherzig.

……

Ich werde wandeln vor dem HERRN im Lande der Lebendigen. Amen

 

Lied: Auf, auf, mein Herz, mit Freuden (112, 1 – 3 und 6)

Auslegung zu Jesaja 40, 27 – 31

Lied: Wir haben Gottes Spuren festgestellt (648, 1 – 3)

 

Fürbitten:

Gott, du schenkst uns das Wunder von Ostern, den Sieg des Lebens über den Tod, und rufst uns, dass wir uns deiner Liebe anvertrauen. Gott, wir danken dir, dass du solches für uns getan hast.

Und wir bringen in unserem Gebet vor dich, was uns heute bewegt:

Gott, wir legen dir die Menschen ans Herz, die an Corona erkrankt sind – und alle, die unter schweren Krankheiten leiden. Sei du ihnen nahe mit deinem Trost, gerade in ihrer schweren Lebenszeit. Lass sie Menschen finden, die sie gut begleiten. Schenke allen möglichst Heilung.

Gott, wir legen dir die Menschen ans Herz, die Zukunftssorgen haben durch Corona. Begrenze du alle Sorge und Angst, bewahre vor Resignation, tröste und ermutige, dass du eine neue und gute Zukunft ihnen öffnen wirst.

Gott, wir legen dir die Menschen ans Herz, die unter den sozialen Beschränkungen unserer Zeit leiden: Die Kinder, denen ihre Freundinnen und Freunde fehlen; die Erwachsenen, die sich sehnen nach einem normalen beruflichen Alltag und einer geregelten Betreuung ihrer Kinder; die Älteren, denen das Miteinander fehlt. Gott, tröste du alle, die sich einsam fühlen und alle, die sich überfordert erleben. Schenke Gelassenheit, Einsicht und Geduld. Und hilf uns allen, dass wir kreative Wege finden, miteinander gut verbunden zu bleiben und einander zu unterstützen. Amen

 

Vaterunser

 

Segen

Der HERR segne uns und behüte uns, der HERR lasse leuchten sein Angesicht über uns und sei uns gnädig, der HERR erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns und aller Welt seinen Frieden. Amen

„Christus ist auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind“ (Vers 20) – das ist das Osterevangelium des Paulus an die christliche Gemeinde in Korinth. Christus ist nicht im Tod geblieben, er, der schändlich am Kreuz gestorben ist, in tiefster Angst und Verlassenheit, er ist von Gott aus dem Tod heraus auferweckt worden am Ostermorgen. Jesus ist verwandelt worden durch Gottes Schöpferkraft, der Gestorbene hat von Gott ein neues, himmlisches Leben bekommen. Und als der so neu Lebendige ist Jesus dann den Seinen noch erschienen, war 40 Tage bei ihnen, ist ihnen immer neu begegnet als der, der die Wundmale des Todes an sich trägt aber dann durch den Tod hindurch gegangen ist, hinein in Gottes neues, unsterbliches, himmlisches Leben. Und damit hat Jesus den Seinen eine ganz neue Perspektive geöffnet: Nicht der Tod hat das letzte Wort, sondern Gottes lebensschaffende Kraft. Sie verwandelt alles Dunkle, Abgründige, hin zum Leben in ungeahnter Fülle, hin zur Hoffnung und zum Licht, hin zu Gott selbst.

Und die Menschen, die Jesus nachfolgen auf seinem Weg, die dürfen jetzt in dieser Gewissheit leben, dass Gott alles überwinden will und alles überwinden wird, was diesem erfüllten Leben entgegensteht. Und mit zu gehen mit diesem Gott, das bedeutet nun für uns, mit dieser Hoffnung unser Leben zu gestalten: Wach sein zu können und aktiv zu werden für die Nöte unserer Welt, miteinander zu teilen, Güter und Zeit, Aufmerksamkeit und Lebensfreude, ein gutes Wort oder ein Lächeln, eine gute Idee oder konkrete Unterstützung. Mit diesem Gott unterwegs zu sein, das kann dann auch bedeuten, selber einmal zu verzichten, Rücksicht nehmen, damit alle auskömmlich haben, einen weiten Blick und ein aufmerksames Herz zu haben, auch für manche weit entfernte Not und für die Stillen bei uns, kann bedeuten, zu widersprechen, wo die Würde von Gottes Geschöpfen missachtet wird, und bedeutet schließlich, auch selbst verantwortlich zu handeln. Und ermuntert, miteinander Hoffnung und Freude zu teilen, gute Gemeinschaft zu pflegen, Glück und Wärme einander zu schenken, dass die große Lebenshoffnung Gottes schon unsere Wirklichkeit durchdringt, jetzt und hier.

Und schließlich blickt Paulus über das irdische Leben hinaus auf das Ziel dieser Welt. Am Ende ihrer Zeit wird auch sie von Gott, ihrem Schöpfer, verwandelt werden, wird Gottes „Neue Welt“, wird das „Reich Gottes“ werden. Dann haben der Tod und alle irdischen Todesmächte ihre Gewalt für immer verloren, und alle Geschöpfe Gottes können leben „in Fülle“, in vollkommenem Frieden und in liebevoller Gemeinschaft miteinander.  

 

Schwedisches Osterlied, von Per Harling (in der Übersetzung von Bärbel Wartenberg – Potter) , singbar auch nach der Melodie „Freude, schöner Götterfunken“ :

 

Wenn im Tal die Hoffnung blühet, sing, sing des Lebens Lied,

wenn der Geist die Welt durchglühet, sing, sing des Lebens Lied,

Luft und Meere werden licht, dürre Halme grünen dicht,

niemand es an Lieb` gebricht, sing, sing des Lebens Lied.

 

Wenn die Wahrheit wird gesprochen, sing, sing des Lebens Lied,

wenn das Lebensbrot gebrochen, sing, sing des Lebens Lied,

wenn die Güte zeigt Gesicht, wenn Zerrissnes heilt im Licht,

wenn Versprochnes nicht mehr bricht, sing, sing des Lebens Lied.

 

Wenn nach Tränen kommt das Lachen, sing, sing des Lebens Lied,

schlägt ein mutig Herz dem Schwachen, sing, sing des Lebens Lied,

wenn ich seh` das DU in mir, wenn ICH kommt leicht ins WIR,

wenn die Schöpfung frei von Gier, sing, sing des Lebens Lied.

 

Wenn das Recht die Menschen leitet, sing, sing des Lebens Lied,

ICH BIN DA den Weg bereitet, sing, sing des Lebens Lied,

wenn Verlornes wieder nah, wenn die Träume werden wahr,

wenn, was Gott will, endlich da, sing, sing des Lebens Lied.

 

Mutig gegen Hass und Sterben, sing, sing des Lebens Lied,

gegen Risse, Messer, Scherben, sing, sing des Lebens Lied,

gegen Lähmung, Leid und Not, leuchte, Gott, dein Morgenrot,

schenk uns Gnade, schenk uns Brot – sing, sing des Lebens Lied.

Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt. (aus dem 2. Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth, Kapitel 5, Verse 19 – 21)

Vielleicht haben Sie das schon einmal erlebt: Versöhnung – nach einem tiefen Konflikt zaghaft das erste Wort, neue Zuwendung zueinander, Blicke, Tränen vielleicht und am Ende eine lange Umarmung. So kann Versöhnung sein: Neues Verständnis füreinander, eine neue, gemeinsame Perspektive, zusammen in die Zukunft zu gehen.

Und davon erzählt Paulus in unserem Bibeltext. Gott macht in Jesus Christus den 1. Schritt hin zu uns Menschen, um uns zu versöhnen mit sich selbst. Jesus Christus, das ist Gottes Wort für uns Menschen, mit dem Gott sich uns zuwendet, um Versöhnung zu bewirken, neues Verständnis füreinander und eine neue, gemeinsame Perspektive von uns Menschen mit Gott.

Und das ist das Wunder des Karfreitags: In Jesu Sterben am Kreuz, da ereignet sich unsere Versöhnung mit Gott. In Jesus Christus nimmt Gott selbst alle menschliche Gottverlassenheit auf sich. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, so stirbt der Gottessohn am Kreuz. – Damit stellt sich Gott an unseren menschlichen Platz, der – jenseits von Eden - sich entfernt hat von der Gemeinschaft mit Gott. Wir Menschen müssen nun nicht mehr an diesem weit von Gott entfernten Ort bleiben, sondern wir bekommen jetzt von Gott „die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt“ geschenkt. Unsere Trennung von Gott durch die Macht der Sünde, die überbrückt Gott selber durch das Kreuz Jesu. Nun gilt dieser Abgrund für uns nicht mehr, weil er für Gott nicht mehr zählt. Seit Karfreitag gilt: Wir Menschen sind jetzt um Christi Willen mit Gott versöhnte Geschöpfe. Und das gilt, ein für alle Mal. „Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn“, so schreibt das Paulus an die christliche Gemeinde in Rom (Kapitel 8, Vers 39).

Und mit diesem Versprechen Gottes für uns dürfen wir leben. Hier ist das Fundament, auf dem wir unser Leben gestalten können. Befreit von allen Mächten, die uns zerstören oder in Unfreiheit halten wollen. Versöhnt mit Gott und begleitet von Gottes unverbrüchlicher Liebe zu uns. Einladend für andere Menschen, ihnen zugewandt als Botschafter dieser großen Versöhnungstat, die Gott selbst für uns getan hat, in Jesu Sterben am Kreuz.

 

Christen und Heiden (von D. Bonhoeffer)

 

Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,

flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot,

um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.

So tun sie alle, alle Christen und Heiden.

 

Menschen gehen zu Gott in seiner Not,

finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,

sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.

Christen stehen bei Gott in seinem Leiden.

 

Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,

sättigt den Leib und die Seele mit seinem Brot,

stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod,

und vergibt ihnen beiden.

 

 

 

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, amen.

Mögliche Lesungen:

Montag: Markus 14, 53 – 65

Dienstag: Markus 14, 66 – 72

Mittwoch: Markus 15, 1 – 15

Donnerstag: Markus 15, 16 – 23

Bibeltext: Markusevangelium, Kapitel 14, Verse 3 – 9, Die Salbung in Bethanien

Wir gehen auf die Karwoche zu und bedenken in den christlichen Kirchen die letzten Lebenstage Jesu, seinen Leidensweg in Jerusalem. Für uns Menschen, um uns zu befreien von der Herrschaft aller widergöttlichen Mächte, ist der Sohn Gottes in den Tod gegangen.

Doch zuvor: Besondere, festliche Tage, so erzählen uns die Evangelien vom Weg Jesu Christi. Der großartige Einzug Jesu in Jerusalem, gefeiert wie ein Superstar, überschwänglich bejubelt von einer großen Menge Menschen als der Messias, der von Gott beauftragte, gerechte und heilsame neue König, der Wundertäter für viele Menschen und der Befreier Israels von der römischen gewaltsamen Herrschaft. -  Und wenige Tage später noch eine ganz besondere Begebenheit, dieses Mal nicht öffentlich, sondern privat, bei einem Abendessen im Hause des Simon, in Bethanien, einem Vorort von Jerusalem.

Dorthin zieht Jesus sich in den letzten Tagen regelmäßig zurück, nachdem er tagsüber in Jerusalem öffentlich gepredigt hat. Und bevor dort an diesem Abend die Mahlzeit beginnt, betritt eine namenlose Frau das Speisezimmer, zerbricht ein Fläschchen aus Alabaster und gießt daraus ein kostbares Öl über Jesu Kopf. Sie salbt Jesus, eine Tradition zu seiner Zeit in Israel, so, wie etwa zukünftige Könige im Auftrag Gottes von Propheten „gesalbt“ wurden am Beginn ihres Weges. In unserem Predigttext wird so nun Jesus gesalbt, vor dem Beginn seines Leidensweges, durch eine namenlose Frau. Sie handelt hier wie eine Prophetin und blickt voraus auf den Weg, den Jesus nach Gottes Willen in Jerusalem gehen wird, den Weg des Gottessohnes ans Kreuz. Und Jesus erkennt in ihrem Tun, dass diese Frau, ebenso wie er selbst, eingestimmt hat in den Weg Gottes, der so anders sein wird als alles, was wir Menschen uns meistens von Gott erhoffen: 

Dass nämlich Gott doch machtvoll und gewaltig seinen guten Willen durchsetzen solle in der Welt. Aber der Weg Jesu ist anders, ist der Weg des Gewaltverzichts – und eben damit der Weg heraus aus dem Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt. Auf diesem Weg will Gott unsere Welt befreien von der Herrschaft lebenszerstörender Mächte. „Sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis“ (Vers 8) so deutet Jesus das Tun der Frau.  – Und wir sind gerufen, uns auch heute so, wie diese biblische Frau, einzulassen auf den Weg, den unser Gott in Jesus Christus für sich gewählt hat: Dass nämlich Gott darauf verzichtet, mit Macht seinen Willen durchzusetzen - und statt dessen sich selbst in den Tod gibt, damit wir als freie Menschen neu leben können von Gottes Liebestat für diese Welt.

Ablauf der Andacht am 5. April 2020

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, amen.

Psalmgebet:

Herr, Gott, mein Heiland, ich schreie Tag und Nacht vor dir.

Lass mein Gebet vor dich kommen, neige deine Ohren zu meinem Schreien.

Denn meine Seele ist übervoll an Leiden und mein Leben ist nahe dem Totenreich.  (aus Psalm 88 )

Gebet:

Gott, du bist uns nahe alle Tage unseres Lebens. Voller Liebe und Zuwendung bist du für uns da. Dafür danken wir dir. Und wir bitten dich, dass du unsere Herzen und unsere Sinne öffnest, dass wir Zeichen deiner Güte entdecken können. Und wo das Dunkle übermächtig erscheint, Gott, da erhalte du uns im Vertrauen zu dir, dass deine Liebe zu uns alle unsere Not wenden wird. Amen

Lied: 91, 1 – 4 Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken  

Auslegung zu Markus 14, 3 – 9

Lied: 656, 1 – 3 Fürchte dich nicht

Fürbitten: Gott, du selbst bist schwach geworden in Jesus Christus. Nicht mit Gewalt kam deine Kraft in unsere Welt, sondern in Ohnmacht und Leiden hast du schließlich den Tod überwunden. Wir danken dir Gott für dieses Wunder deiner Hingabe. Und wir vertrauen dir unsere Welt an, dass du sie befreist von allen Todesmächten heute. Hilf, Schritte des Friedens zu finden, in den Kriegen dieser Welt, in den Konflikten in unserem Land, in unserem persönlichen Umfeld. Tröste du alle Menschen in schlimmen Sorgen und in Traurigkeit, dass sie nicht verzweifeln an dem, was ihnen geschehen ist, sondern Kraft finden um durchzuhalten und allmählich neuen Lebensmut zu finden. Gott, behüte deine Kirche bei uns und in aller Welt, dass sie allen Menschen die frohe Botschaft deiner Liebe weiter sagen kann in Worten und in Taten. Stärke immer wieder neu auch unseren persönlichen Glauben durch dein Wort, dass unser Vertrauen zu dir wächst, um deiner Wohltat willen, die du in Jesus Christus für alle Menschen getan hast.  Amen

Vaterunser und Segen

Für Karfreitag und für Ostern finden Sie dann neue Hinweise im Schaukasten und auf unserer Homepage.

 

 

 

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, amen.

Die Lesungen (entsprechend der Fortlaufenden Bibellese)

  • Montag: Markusevangelium, Kapitel 14, Verse 1 – 11
  • Dienstag: Markus, 14, 12 – 16
  • Mittwoch: Markus, 14, 17 – 25
  • Donnerstag: Markus 14, 26 – 31
  • Freitag: Markus 14, 32 – 42

Vaterunser und Segen

„Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinaus gehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Aus dem Brief an die Hebräer, Kapitel 13, Verse 12 – 14)

 

Christenmenschen als Suchende, so stellt sie uns unser heutiger Predigttext vor Augen. Wir Christenmenschen als Menschen, die auf der Suche sind nach Gottes zukünftiger Stadt, nach dem Reich Gottes – vollendet in der Zukunft durch Gott selbst und immer wieder auch schon aufscheinend hier in unserer Welt, in unserem Alltag. Christenmenschen als Suchende, als Menschen, die unterwegs sind, in Bewegung, angezogen von Gottes neuer Wirklichkeit, immer wieder neu auf sie hin ausgerichtet mit unserem Reden und unserem Tun; so vielleicht, wie ein Magnet Metall anzieht zu sich hin. So mag Gott durch seine heilige Geistkraft wirken an uns Menschen, mag uns beflügeln, etwa zu Taten der Liebe und der Menschenfreundlichkeit, zu Verständnis für andere und Hilfsbereitschaft, zu Rücksichtnahme auf Schwächere, zum Einsatz für Gerechtigkeit für die, die unsere Unterstützung brauchen, zum Ausgleich und zum tatkräftigen Engagement für alles, was lebt. Und gerade jetzt, zu den Zeiten von Chorona, gibt es unzählige Beispiele solch gelebter Nächstenliebe: Die Nachbarin, die für andere mit einkaufen geht, die Erzieherinnen, die die Fenster des Kindergartens für die Passanten mit hoffnungsvollen Bildern bemalen, der überraschende Anruf eines vertrauten Menschen. All das und vieles mehr, oft ohne viel Aufhebens einfach getan – und:  Wertvoll für ein gutes, menschenfreundliches Klima in unserer Gesellschaft. Gott sei Dank, dass sich solches Engagement füreinander immer wieder neu unter uns ereignet!

Damit folgen wir dem Weg Jesu nach, denn – so schreibt es der Hebräerbrief - sein Leidensweg diente dem Ziel, das Gottesvolk zu „heiligen“. Untrennbar gehören wir nun zu Gott, das ist es, was das Wort „heilig“ im biblischen Sinne meint. Wir sind nun mit Gott verbunden, in Jesu Leiden und Sterben zeigt Gott uns Menschen, wie stark Gottes Sehnsucht nach Gemeinschaft mit uns Menschen ist, wie ernst Gottes Suche nach uns ist, so, dass sie nicht einmal den Tod scheut, dass Gott selbst für uns alles überwinden will, sogar die Macht der Sünde und den Tod, alles, was Gottes Gemeinschaft mit uns Menschen unterbrechen will. Als „Geheiligte“ sind wir untrennbar mit Gott verbunden, haben teil an Gottes heiligem Geist, können uns so verhalten, wie es Gottes Geistkraft entspricht. Auf diesem Weg werden wir immer wieder auch scheitern, wir werden zurück bleiben hinter dem, was Gott sich von uns erhofft, wir werden uns manches mal nur unvollkommen, irdisch – menschlich verhalten.  Und: Auch in unserem Versagen bleibt Gott uns liebevoll verbunden. Gott schenkt uns seine Heilige Geistkraft. Von ihr begleitet können wir Gottes Liebe zu uns – trotz unserer Schuld – Vertrauen schenken, wir können ehrlich zurück blicken, können Schuld anerkennen und – soweit wie das möglich ist – uns auch bemühen, wieder gut zu machen.   Amen

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, amen.

 

Psalmgebet: Psalm 102

Herr, höre mein Gebet und lass mein Schreien zu dir kommen.

Verbirg dein Antlitz nicht vor mir in der Not, neige deine Ohren zu mir; wenn ich dich rufe, so erhöre mich bald.

Denn meine Tage sind vergangen wir Rauch, und meine Gebeine sind verbrannt wie von Feuer.

Mein Herz ist geschlagen und verdorrt wie Gras, dass ich vergesse, mein Brot zu essen.

Mein Gebein klebt an meiner Haut vor Heulen und Seufzen.

Ich bin wie eine Eule in der Wüste, wie ein Käuzchen in zerstörten Städten.

Ich wache und klage wie ein einsamer Vogel auf dem Dache.   (Verse 1 – 8)

(in der Bibel folgen noch 21 weitere Verse)

 

Gebet:

Gott, so vieles in unserem Alltag ist jetzt unklar, verändert und beängstigend. Wir sind unruhig und in Sorgen. Dir vertrauen wir uns an mit allem, was uns bewegt. Bewahre du uns vor der Übermacht der Angst. Hilf uns, dass wir Gutes dankbar wahrnehmen können. Und beflügle uns durch deinen guten Geist, dass wir einander unterstützen können. Sprich uns dazu an mit deinem lebendigen Wort. Amen

 

Lied: Gott ist gegenwärtig ( EG 165)                                                 

Auslegung zu Hebräer 13

Lied: Holz auf Jesu Schulter ( EG 79)

 

Fürbitten:

Du, Gott, begleitest uns auf unserem Lebensweg. Voller Liebe wendest du dich jedem Menschen zu. Wir bitten dich, dass wir aufmerksam sind für die Zeichen deiner Nähe, die du uns schenkst. Lass uns Kraft schöpfen und Freude und Mut aus allem Guten, das uns begegnet.

Gott, unterstütze du alle, die in diesen Zeiten sich einsetzen für das Wohlergehen ihrer Mitmenschen: Im Beruf, in den Familien, im Freundeskreis, in den Kirchengemeinden.

Segne das Tun von Pflegenden und Ärztinnen / Ärzten, von allen, die Verantwortung tragen in der Politik und der Gesellschaft.

Du bist ein Gott, der das Leben liebt, stärke unseren Einsatz für das irdische Leben und vollende schließlich unsere Wege in deinem ewigen Reich des himmlischen Trostes und Friedens. Amen

 

Vaterunser

 

Gott segne uns und behüte uns. Gott lasse leuchten sein Angesicht über uns und sei uns gnädig, Gott erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns und aller Welt seinen Frieden. Amen

 

 

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