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Baumholder

Online-Gottesdienst am 5. Juli 2020

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Ältere Andachten in Zeiten von Corona

Christi Himmelfahrt, 21.05.2020

Christi Himmelfahrt, 21.05.2020

Andacht zu Himmelfahrt 2020

Liebe Gemeinde,

wir feiern Christi Himmelfahrt. Aber wie soll man etwas feiern, das man heute kaum noch versteht? Selbst in der Bibel kommt die Himmelfahrt kaum vor. Lediglich Lukas erwähnt sie fast beiläufig in zwei Notizen. Am Ende seines Evangeliums (Lukas 24, 50-53) schreibt er, dass Christus „emporgehoben wird“ und „eine Wolke entzog ihn ihren (der Jünger) Blicken“. Ganz am Anfang seiner Apostelgeschichte wiederholt Lukas das noch einmal. (Matthäus und Johannes erwähnen es gar nicht. Und im Markusevangelium wird es kurz erwähnt in Markus 16, 19, also im später angehängten Schluss.)

Und doch fing die Kirche im 4. Jahrhundert zaghaft an diesen Tag 40 Tage nach Ostern zu feiern. In Deutschland ist er seit 1934 sogar Staatlicher Feiertag.

Himmelfahrt ist eine Station in einer längeren zusammenhängenden Erzählung. Es ist ihrem Charakter nach eine mythologische Geschichte. Also eine, die vom Wesen dieser Welt und ihrer Bewohner berichtet. Die davon erzählt, was es heißt, Mensch zu sein in dieser Welt. Die mythische Sprache ist zugleich die Sprache unserer Träume, unserer Seele und auch der Dichtung. Wer diese Sprache nicht mehr versteht, versteht sich selbst und die Menschen nicht mehr.

Folgen wir also dieser Erzählung über Jesus: Er hat seine Heimat bei Gott. Er ist ein Geschöpf Gottes, sein Sohn. Und wird geboren in einem völlig unbedeutenden Winkel dieser Erde. Er lebt als Mensch. Er wird verkannt und soll beseitigt werden. Er stirbt. Fährt in das Totenreich. Die Jünger sind verzweifelt. Das ist aber nicht alles. Das Totenreich kann ihn nicht festhalten. Er steht auf und kehrt auf die Erde zurück. Dort kann er als Toter aber nicht weiterleben. Nach 40 Tagen – 40 ist die Zahl der Vollkommenheit – wird er in den Himmel emporgehoben. Seine Himmelfahrt. Er ist den Augen der Menschen entzogen. Er sitzt zur Rechten Gottes, seines Vaters. Sein Geist beziehungsweise der Geist Gottes wird am 50. Tag nach Ostern, am Pfingstfest, auf die Menschen gelegt.

Es ist, wie gesagt, keine historische Erzählung. Es ist im Grunde unsere Geschichte. Wir haben eine Herkunft. Eine Heimat im Himmel. Wir sind als Sterbewesen auf der Welt unterwegs. Und im Tod werden wir nicht einfach fallengelassen. Wir kehren in unsere Heimat zurück. Wir können gar nicht herausfallen aus Gott, weil es gar kein Außerhalb gibt. Wir sind und bleiben Kinder Gottes. Egal, was passiert.

Unsere Vorfahren haben versucht, das in Bildern darzustellen. Ich habe ein Wandbild aus einer Kirche in Bayern ausgewählt. Es wurde vor über 600 Jahren gemalt.

 

Auf diesem Wandgemälde wird sehr klar gezeigt, was die Jünger schmerzhaft erleben. Jesus ist nicht mehr da. Er ist gestorben. Er fehlt.

Zugleich sehen wir seine Füße. Als ob er seine Spuren im Leben hinterlassen hat. Er ist nicht vollständig verschwunden.

Hinter den Wolken ist nichts mehr zu erkennen. Der Himmel entzieht sich unseren Blicken. Unser Woher und unser Wohin sind für uns nicht zu sehen.

Zugleich sehen wir viele Heiligenscheine. In jedem Heiligenschein treffen symbolisch zwei Bereiche zusammen. Erde und Himmel. Sie sind nicht getrennt. Auch wenn wir das oft so erleben. Hier, an diesen Ort, in aller Vergänglichkeit und allem Chaos, ist zugleich die Zeitlosigkeit. Es gibt das Eine nicht ohne das Andere.

Davon erzählt die Himmelfahrtsgeschichte auf ihre Weise.

Können wir so leben? In der Gewissheit, dass uns auch im Tod nichts passieren kann? Dass wir aufgehoben sind? In allen Geheimnissen und aller Vergänglichkeit? Dass unsere Reise eine Richtung hat?

Das wünsche ich uns!

Amen

 

 

Sonntag, 17.05.2020

Andacht zum Sonntag, den 17. Mai 2020

Liebe Gemeinde,

im 1. Thessalonicherbrief 5, 21 heißt es: „Prüfet alles und das Gute behaltet.“

Es ist einer der Sätze, die so glatt sind, dass man sofort zustimmen mag. Meine Erfahrung lehrt mich dann besonders hinzuschauen und besonders vorsichtig zu sein. Denn das Leben ist nicht so, dass man es auf einzelne Sätze beschränken kann, die für alles gelten.

Und noch etwas vorweg. Unsere Lebenssituation und unser Vorverständnis bestimmen mit, wie wir etwas betrachten. Sie sind unser Blickwinkel. Vor 10 Wochen hätte ich mir bestimmt nicht die folgenden Gedanken zu dem Satz aus dem Thessalonicherbrief gemacht.

„Prüfet alles und das Gute behaltet.“ Das ist in der jetzigen Situation leicht gesagt. Wie ist das, wenn alles unter einem enormen Zeitdruck geschieht. Wenn sofort Entscheidungen fällig sind. Und wenn wir gar nicht alle Fakten kennen können. Weil die Situation völlig neu ist. Und weil die Wissenschaft schlicht nicht so weit ist.

Im Grunde wird jetzt besonders deutlich, was eigentlich immer gilt: Wir leben mit vielen offenen Fragen. Wir müssen mit Ungewissheiten klarkommen. Das ist manchmal schwer erträglich. Aber die Alternative – nämlich alles von irgendeiner Ideologie gedeutet zu bekommen – ist viel problematischer! Dann verlieren wir unsere Freiheit und unterwerfen uns Menschen oder Ideologien. Es gibt so viele. Die vorgeben alles besser zu wissen. Die auf alles Antworten haben. Leider sind sie oft zu tiefst unmenschlich.

Mir imponiert ein Brief des Dichters Rainer Maria Rilke. Menschen haben ihn mit allen möglichen Fragen angeschrieben. Und er hat lebhaft geantwortet. Ein Student hat von seinen Schwierigkeiten mit dem Leben geschrieben. Die Antwort ist überliefert:

Ich möchte Sie bitten

Geduld zu haben gegen alles Ungelöste

In Ihrem Herzen und zu versuchen,

die Fragen selbst liebzuhaben

wie verschlossene Stuben

und wie Bücher,

die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.

Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten,

die Ihnen nicht gegeben werden können,

weil Sie sie nicht leben könnten.

Und es handelt sich darum,

alles zu leben.

Leben Sie jetzt die Fragen.

Vielleicht leben Sie dann allmählich,

ohne es zu merken,

eines fernen Tages

in die Antwort hinein.

(Rainer Maria Rilke)

Wie wäre es, wenn wir uns offen eingestehen, dass wir auf viele Fragen keine Antworten haben. Und dass wir uns vorwärts tasten müssen. Auf Sichtweise fahren. Und unsere Entscheidungen auch immer wieder bereit sind zu korrigieren. Fragen heraus zu arbeiten und zu formulieren ist ein wichtiger Schritt. In diesem Sinne erscheint so ein Satz – „Prüfet alles und das Gute behaltet.“ – in einem etwas anderem Licht.

Es gehört viel mehr Mut dazu diese Fragen auszuhalten. Es ist viel leichter auf scheinbare Antworten zu setzen. Aber wir zahlen einen hohen Preis: So ist das Leben leider nicht. Wir werden dem Leben nicht gerecht. Dann lieber die Fragen leben, wie Rilke sagt. Und eines fernen Tages in die Antworten hineinzuleben.

Bleiben Sie gesund! In Verbundenheit!

Ihr Burkard Zill

Samstag, 02.05.2020

In die morgen beginnende Woche fällt der 75. Jahrestag der Beendigung des 2. Weltkrieges und der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Ich wähle bewusst die Formulierung „Befreiung“ aus der Rede von Richard von Weizsäcker am 08.05.1985. Denn Sprache deutet. Wir sehen das in diesen Tagen auch beim Thema Corona. Ich bin erstaunt und erschrocken über die neue Kriegsrhetorik. Wir befinden uns keineswegs im Krieg, auch nicht gegen das Virus! Das ist Hohn an den Opfern der Kriege. Und es ist eine Verharmlosung der Täter. Im Krieg geht es darum Menschen einer bestimmten Gruppe zu vernichten. Bei den Anstrengungen zur Eindämmung der Corona-Epidemie geht es darum Menschenleben zu schützen und gemeinsam Leben zu retten. Also achten wir auf unsere Sprache! Und lassen wir uns nicht manipulieren!

Uns wird gerade wieder vor Augen geführt wie verletzlich wir sind. Das ist im Grunde nie anders gewesen. Jederzeit kann uns ein Unfall treffen oder eine schwere Krankheit. Wir sind auch verletzlich als Gemeinschaft. In einer globalen Welt kann unsere Infrastruktur ausgehebelt werden. Computernetzwerke können zusammenbrechen. Sie können bewusst angegriffen werden. Unsere Versorgung, unsere gesamte Wirtschaft ist weltweit vernetzt und damit anfällig für Störungen an Stellen, die wir gar nicht mehr in der Hand haben. Digitale Desinformation gehört zum täglichen Geschehen in unserer Zeit. Internettrolle sind ständig im Netz unterwegs mit der Absicht anderen Schaden zuzufügen.

Wir haben uns in den letzten 75 Jahren an Frieden und Sicherheit gewöhnt. Der 8. Mai ist für uns wirklich ein Tag zum Feiern! Angesichts der Krise dämmert uns: Freiheit und Sicherheit und ausreichende Versorgung und Frieden sind keineswegs selbstverständlich! Wir haben keinen Anspruch darauf. Sie sind vielmehr ständig bedroht. Deshalb müssen wir sie schützen. Mit allen Mitteln. Auch mit dem Mittel unserer Sprache. Paulus war das klar als er an die Gemeinden in Galizien die folgenden Worte schrieb: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Darum stehet fest und fallt nicht wieder unter das Joch irgendeiner Knechtschaft.“

Ich grüße Sie mit dem Friedensgruß „shalom alechem!“ Wir übersetzen das mit „Friede sei mit euch!“ Das zu Grunde liegende hebräische Wort „shalom“ hat dabei eine sehr weitreichende Bedeutung. Es umfasst neben „Frieden“ auch „Gesundheit, Unversehrtheit und Sicherheit“. In diesem Sinne „Shalom!“

Ihr Burkard Zill

Liebe Gemeinde,

in dem Kinderbuch „Pu der Bär“ fragt der Titelheld: „Welchen Tag haben wir?“ „Es ist heute“, quiekte Ferkel. „Mein Lieblingstag!“ sagte Pu.

Könnten wir das auch sagen? „Heute ist mein Lieblingstag!“ Wir warten doch gerne auf besondere Gelegenheiten. Oder wir klagen über die Umstände, die gerade nicht ideal sind. Meine Erfahrung: Dann können wir lange warten. Denn ideal ist fast nie. Jetzt kommen noch die Einschränkungen wegen Corona dazu. Oder wie es eine Verkäuferin wörtlich zu mir sagte: „Das alles wegen die Corona!“ Der Witz dieser zwei Zeilen aus dem Kinderbuch bringt es auf den Punkt: Warum warten auf etwas Zukünftiges, wenn das Leben sich gerade abspielt. Es gibt nur das Heute.

Paulus sagt etwas Vergleichbares im 1. Korintherbrief 6,2: „Jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist der Tag des Heils.“ Er bezieht das auf ein Prophetenwort, dass vom zukünftigen Heil redet. Paulus geht weiter: Nein, jetzt! Nicht später.

Gerade in Zeiten, die wir vielmehr als Unheil erleben, mag das wie eine Provokation klingen. Wir werden damit auf unser Leben zurückgeworfen. Wir werden wieder an unseren Platz gestellt. Genau hier ist das Heil. Genau hier ist alles da, was entscheidend ist im Leben. Es fehlt nichts Grundlegendes. Ich glaube wir machen den Fehler, dass wir das zunächst immer auf unser Erleben beziehen, auf unsere Gefühle und Befindlichkeiten. Die sind da. Und sie sind wichtig. Aber sie sind nicht alles. Wenn wir uns immer nur von unseren Wünschen und Ängsten leiten lassen, von unseren Vorlieben und Abneigungen, dann verpassen wir das Leben!

Wie sieht denn der Lieblingstag angesichts von Corona aus? Das ist für jeden natürlich anders. Aber ein paar Dinge fallen mir schon ein für die Menschen in unserer Gemeinde. Können wir realisieren, dass es auch große Vorteile hat auf dem Land zu leben? Ohne Schlangen im Supermarkt! Mit viel Platz und viel Wald. Können wir auch(!) die Zeit genießen, die uns vermehrt zur Verfügung steht? Können wir uns im Vertrauen üben, dass es schon weitergehen wird? Vielleicht anders? Können wir uns wieder auf die Sozialkontakte freuen, wenn wir sie wieder leben können? Können wir lernen, den Maßstab nicht zu verlieren? Können wir begreifen, dass Habgier nicht alles ist, sondern ein Gift? Können wir gegensteuern? Können wir vielleicht sogar jetzt für Ausgleich sorgen, so etwas wie ein Lastenausgleich, statt Geld auf Kosten unserer Kinder und Enkel zu verteilen.

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. „Jetzt ist der Tag der Gnade!“ Wir haben es mit in der Hand, ob wir klagen oder was wir daraus machen!

In Verbundenheit!

Ihr Burkard Zill

Sonntag, 19.04.2020

 

Liebe Gemeinde

 

manche Menschen sind ständig am Klagen. Es scheint fast egal zu sein, was passiert, einen Grund gibt es immer. Mal ist es zu viel Arbeit. Und jetzt, wo die Arbeit eingeschränkt wird, ist es zu wenig Arbeit.

Umgekehrt gibt es Menschen, die jetzt wirklich hart von den Schutzmaßnahmen betroffen sind und sich irgendwie damit arrangieren, ohne viel zu klagen. Es scheint fast so, dass es gar nicht unbedingt mit den Umständen zu tun hat, sondern mehr mit einer inneren Haltung.

Ich muss an eine Erzählung über Mullah Nasruddin denken. Er ist im Islam so etwas wie der weise Narr, der den Menschen einen Spiegel vorhält.

 

„Mulla Nasruddin saß imTeehaus, als ein guter Freund aufgeregt auf ihn zukam. „Ich werde heiraten, Mulla“, verkündete sein Freund, „und ich bin so aufgeregt.“ „Mulla, hast du selber jemals ans Heiraten gedacht?“

Nasruddin antwortete: „Ich dachte in der Tat daran zu heiraten. In meiner Jugend wünschte ich es mir sogar sehr stark. Ich wartete darauf, dass ich die perfekte Frau für mich finden würde. Ich reiste umher auf der Suche nach ihr, zuerst nach Damaskus. Dort traf ich eine schöne Frau, sie war anmutig, gütig und zutiefst spirituell, aber sie besaß kein weltliches Wissen. Ich reiste weiter und ging nach Isfahan.

Dort traf ich eine Frau, die sowohl spirituell als auch weltlich und in vieler Hinsicht schön war, aber wir konnten uns nicht so gut verständigen. Schließlich ging ich nach Kairo, wo ich sie nach langem Suchen fand.

Sie war tief spirituell, anmutig und schön in jeder Hinsicht, zu Hause in der Welt und zu Hause in den Bereichen des Jenseits. Ich fühlte, dass ich die perfekte Frau gefunden hatte.“ Sein Freund fragte weiter: „Und hast du sie nicht geheiratet, Mulla?“

„Leider nicht“, sagte Nasruddin, während er den Kopf schüttelte, „denn unglücklicherweise wartete sie auf den perfekten Ehemann.““

 

Mir scheint, wir sind oft voller Vorstellungen vom Leben. Wie es sein sollte. Was wir wollen. Was uns missfällt. Wie andere sein sollten. Was sie tun und was sie lassen sollten. Das betrifft auch die Vorstellungen von uns selbst. Wir vergleichen alles mit irgendwelchen Idealen. Egal wie unrealistisch sie sind. Und egal, ob die Umstände das überhaupt zulassen. Wir knechten damit uns selbst und andere. Denn das Leben scher sich nicht darum.

Andere Menschen sind dagegen viel mehr bereit sich auf die Dinge einzustellen. Auf die Situation. Ich könnte auch sagen auf das konkrete Leben um mich her. Oder auf mein Leben. Ich bin fest davon überzeugt, dass es letztlich auf die Frage hinausläuft: Wie zuhause bin ich in meinem Leben. Und das liegt vor allem an mir! Nicht an den Anderen! Das ist in schwierigen Situationen nicht leicht, keine Frage. Aber uns bleibt im Grunde nichts anderes übrig. Ein anderes Leben haben wir nicht!

 

In Verbundenheit!

Burkard Zill

Mittwoch, 15.04.2020

 

Liebe Gemeinde,

 

viele von uns haben plötzlich deutlich mehr Zeit. Einmal abgesehen von finanziellen Sorgen. Vielleicht können wir das sogar genießen. Dass das Leben deutlich weniger Termine hat. Dass wir nicht ständig auf die Uhr schauen müssen. Ich mache dabei die Beobachtung, dass viele sich als erstes wieder mit Arbeit zupacken. Diesmal ist es die selbstgewählte Arbeit. Der Garten kann endlich gemacht werden. Das Holz für den nächsten Winter. Und der übernächste kommt ja auch. Die Wohnung wird renoviert. Es wird aufgeräumt. Ausgemistet. Geputzt. Die Baumärkte haben Hochkonjunktur. Es wurde ja schon laut darüber nachgedacht, warum in vielen Bundesländern Baumärkte offen haben dürfen, aber Kirchen selbst über Ostern nicht.

Dass Kirchen als Versammlungsorte geschlossen bleiben müssen, leuchtet mir ein. Das mit den Baumärkten finde ich schon bemerkenswert. Klar ist es gut die Dinge zu tun, die man schon lange machen wollte und nicht dazu kam. Aber der Grat ist schmal. Ich habe manchmal den Verdacht, dass wir die Ruhe gar nicht mehr aushalten. Hauptsache irgendwie beschäftigt. Deshalb sind Baumärkte jetzt so wichtig, oder mit einem neuen Wort: „Systemrelevant.“

 

Ich erinnere mich, dass ich vor ein paar Jahren irgendwo gelesen habe: „Eine der wichtigsten Dinge, die ich in meinem Leben gelernt habe, lautet: Wenn nichts zu tun ist, dann tue nichts.“ Da ich nicht mehr weiß, wo ich das gelesen habe, google ich „wenn nichts zu tun ist“ und mache eine erstaunliche Entdeckung. Da ist viel von „bore-out“ die Rede. Krank durch Unterforderung. Nichtstun hat keinen guten Ruf. Und ich stoße auf einen Selbstoptimierungsratschlag: „Nichtstun – in 10 Schritten zur Meisterschaft“. So habe ich mir Nichtstun keineswegs vorgestellt. Sofort wird wieder ein Programm daraus, dass ich mir erarbeiten kann.

„Wenn nichts zu tun ist, dann tue nichts.“ Was für eine Möglichkeit! Abwarten und Tee trinken. Aus dem Fenster schauen. Dem Frühjahr zusehen. Dem Nussbaum vor meinem Fenster. Zeit plätschern hören. Gedanken nachhängen. Mit meiner Frau reden. Muße. Ein kostbares Gut. Sie tut meinem Leben gut. Entschleunigung. Der Raum für Kreativität wächst. Ich kann meine Unruhe einfach aushalten und sitzenbleiben.

Wir müssen neue Techniken lernen. Keine Frage. Die Corona-Krise zeigt uns die Möglichkeiten der Digitalisierung. Wir müssen aber auch lernen sie richtig anzuwenden. Statt in den 10 Minuten zwischen zwei Terminen noch schnell die e-mails zu checken oder auf dem Smartphone Whatsapp-Nachrichten zu lesen, nehme ich mir vor, die kurzen Pausen weiterhin einzuhalten. Durchzuatmen. Also habe ich meinen Schreibtisch umgeräumt. (Ich auch, ein bisschen!) Der PC ist an einen anderen Platz gewandert. Das Smartphone liegt noch öfter in der Schublade. Dazu gehört manchmal Disziplin. Und ich freue mich auf die persönlichen Begegnungen, wenn sie wieder möglich sind.

 

In Verbundenheit!

Burkard Zill

Karfreitag, 10.04.2020

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

im Lukasevangelium Kapitel 24 steht die Emmausgeschichte. Es ist eigentlich eine Ostererzählung. Aber es gibt kein Ostern ohne Karfreitag. Lesen Sie nur mal die Verse 13 – 27:

 

Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa sechzig Stadien entfernt; dessen Name ist Emmaus. Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, als sie so redeten und einander fragten, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen.  Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten. Er sprach aber zu ihnen: „Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs?“ Da blieben sie traurig stehen. Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete: „Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist?“ Und er sprach zu ihnen: „Was denn?“ Sie aber sprachen zu ihm: „Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Tat und Wort vor Gott und allem Volk; wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben. Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist. Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen, haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe. Und einige von denen, die mit uns waren, gingen hin zum Grab und fanden's so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht.“ Und er sprach zu ihnen: „O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“ Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war. -

 

Zwei Jünger unterhalten sich auf ihrer Wanderung von Jerusalem nach Emmaus über die Katastrophe von Jesu Tod. Sie sehen nur die Katastrophe, die völlige Sinnlosigkeit. Der Mensch, der dazukommt – sie erkennen Jesus nicht – deutet das Geschehene. Er ordnet alles ein in einen größeren Zusammenhang. Im Grunde sagt er „es musste so sein“. Das ist keine Erklärung im eigentlichen Sinn. Er stimmt lediglich in das Geschehene ein. Er rennt nicht mehr dagegen an.

 

Wir reden in diesen Tagen vor allem vom Virus. Von der Epidemie. Von der Katastrophe, die Menschen ganz unterschiedlich trifft. Zunächst die Kranken. Vor allem die Todkranken. Die Verstorbenen. Und dann auch Menschen, die um ihre Existenz bangen. Und die nur schwer mit den Einschränkungen klarkommen.

Ich höre gelegentlich, dass Jemand laut nachdenkt über den „Sinn dieser Epidemie“. Sogar einzelne Verschwörungstheorien tauchen auf. Ich frage ganz offen: Was soll der Sinn von so einem Virus sein? Außer dass es halt existiert und sich fortpflanzen will wie jede Lebensform. Alles Gerede über Strafe, über Verfehlung etc. empfinde das auch als Hohn den Opfern gegenüber.

 

Schauen wir uns das Wort „Sinn“ genauer an. Es kommt von einer indogermanischen Wurzel „sinu“. Das heißt wörtlich „unterwegs sein, eine Richtung einschlagen“. Von Sinn im Zusammenhang mit dem Virus zu sprechen heißt dann: Wie entscheiden wir uns angesichts der ungeheuren Veränderungen, die vor ein paar Wochen noch keiner für möglich gehalten hat? Welche Richtung schlagen wir ein? Als Gesellschaft? Als Weltgemeinschaft? Als Einzelne? Lernen wir daraus? Sind wir wieder bereit mehr für unser Gesundheitssystem auszugeben anstatt es kaputt zu sparen? Sind wir bereit wichtige Dinge wieder bei uns zu produzieren statt sie ins weit entfernte Ausland zu verlagern, um zu sparen? Sind wir bereit umzulernen, dass Gewinnmaximierung nicht das wichtigste Ziel sein kann? Sind wir bereit mit unseren Nachbarn enger zusammenzuarbeiten? Das Virus scheint da schlauer zu sein. Es kennt keine Grenzen. Akzeptieren wir die Tatsache, dass wir alle grundlegend miteinander verbunden sind? Oder rennen wir weiter dagegen an?

In diesem Sinne bin ich bereit von Sinn zu sprechen: Welche Richtung schlagen wir jetzt ein? In welche Richtung geht es jetzt weiter? Und wie schaffen wir das als Gesellschaft zu gestalten bei langfristiger Beibehaltung von Freiheit und Demokratie.

 

Karfreitag ist ohne Ostern nicht vorstellbar. Wir feiern am Sonntag das Licht, das alles überstrahlt. Sie können gerne die Emmausgeschichte in der Bibel weiterlesen. Ein Satz lautet. „Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget.“ Es ist ein Wunsch, ein Gebet. Und auch ein Zeichen des Vertrauens.

 

 

 

 

 

 

In einem Gedicht schreibt Dietrich Bonhoeffer kurz vor seinem Tod:

„Von guten Mächten wunderbar geborgen

erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist bei uns am Abend und am Morgen

Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

 

In Verbundenheit!

Burkard Zill

 

 

 

 

Sonntag, 05.04.2020

 

Liebe Gemeinde, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

wir nehmen die Dinge gerne selbst in die Hand. Und wir haben gerne Gewissheiten. Da fällt es uns besonders schwer auszuhalten, dass wir jetzt nicht wissen wie es weitergeht. Wann wird die Kontaktsperre aufgehoben? Werden Maßnahmen vielleicht sogar noch verschärft? Wann wird das geschehen? Was hat das alles für Auswirkungen auf unser Leben? Was wird sich verändern? Wir wissen es nicht.

 

Ich muss an ein Gedicht von Hans Thoma denken:

„Ich kam, weiß nicht woher,

bin und weiß nicht wer,

leb, weiß nicht wie lang,

sterb und weiß nicht wann,

fahr, weiß nicht wohin,

mich wundert`s, dass ich so fröhlich bin.

Da mir mein Sein so unbekannt,

geb ich es ganz in Gottes Hand.

Die führt es wohl so her und hin,

mich wunderts, dass ich noch traurig bin.“

 

Wir wissen im Grunde vieles nicht. Wir machen uns gerne vor, Bescheid zu wissen. Aber das stimmt so nicht! Hans Thoma begreift sich in allen Ungewissheiten als Teil eines Vielgrößeren. Aus dem er gar nicht herausfallen kann. Weil es gar kein Außerhalb gibt. Er ist zuhause in seinem Leben.

 

In Ungewissheit kann es helfen, nicht zu weit vorauszuschauen. Sondern einfach nur weiterzugehen und zu sehen, wie sich alles entwickelt.

Als ich vor vielen Jahren mit 25 Jugendlichen aus Baumholder auf einer Kanutour unterwegs war, zusammen mit weiteren Jugendlichen aus Polen, sind wir 120 km durch Masuren gepaddelt. Das Wetter war toll, die Landschaft traumhaft. Auf der Krutynia – auch als die schönste Kanutour Europas bezeichnet – wechseln sich Flussabschnitte und 17 Seen ab. Auf dem Fluss ging es allen gut. Störche flogen über uns. Das Ufer war interessant. Dann öffnete sich plötzlich das Schilf und der Blick ging weit voraus über den See, der vor uns lag. Einmal war so ein See

7 km lang. Man konnte sehen und hören, wie viele Jugendliche aufgestöhnt haben: „Das werden wir nie schaffen!“ Aber dann sind wir einfach weitergepaddelt. Schlag für Schlag. Und irgendwann lag der See wieder hinter uns.

 

In diesem Sinne, bleiben sie möglichst gesund!

In Verbundenheit!

Burkard Zill

 

 

Mittwoch, 01.04.2020

Mittwoch, 01.04.2020

 

Liebe Gemeinde, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

in einer Geschichte von Anthony de Mello heißt es:

Eine Frau träumte. Eine Stimme fragte sie: „Wer bist Du?“

„Ich bin die Frau des Bürgermeisters.“

„Ich habe nicht gefragt, wessen Frau du bist, sondern wer du bist?“

„Ich bin die Mutter von vier Kindern.“

„Ich habe nicht gefragt, wessen Mutter du bist, sondern wer du bist.“

„Ich bin Lehrerin.“

„Ich habe nicht nach deinem Beruf gefragt, sondern wer du bist?“

„Ich bin eine Christin. Ich gehe regelmäßig in die Kirche und helfe Armen.“

„Ich habe nicht nach deiner Religion gefragt oder was du tust, sondern wer du bist.“

So ging es immer weiter. Bis die Frau aufwachte. Und beschloss es herauszufinden. Und darin bestand der große Unterschied zu vorher.

 

Viele von uns haben im Augenblick Zeit. Viel mehr als sonst. Das Leben hat sich verlangsamt. Wir haben Zeit zur Besinnung zu kommen. Was bleibt dann übrig? Wer bin ich, wenn viele Äußerlichkeiten wegfallen? Was zählt wirklich in meinem Leben? Was ist viel nebensächlicher als ich das normalerweise sehe und lebe? Es geht dabei sicher nicht darum, irgendwelche schlauen Antworten zu finden. Oder am Ende ein paar feststehende Sätze zu formulieren. Es geht darum zur Ruhe zu kommen. Sich Zeit zu nehmen. Offen zu sein. Und zu warten.

 

Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese Zeit nicht nur als Belastung erleben, sondern auch als Chance, manches neu zu begreifen. Und mit anderen Augen zu sehen.

Unsere Vorfahren haben das „Umkehr“ genannt. Oder einen „neuen Blickwinkel einnehmen“. Oft wird dieses Wort auch mit Buße übersetzt. Aber der Begriff ist belastet. Umkehr oder Neubesinnung gefallen mir besser.

 

Denken wir auch an die Menschen, die in diesen Tagen unter besonderen Belastungen stehen. Wegen großer Sorgen oder wegen immenser Arbeit.

 

Bleiben Sie möglichst gesund!

In Verbundenheit!

Burkard Zill

Sonntag, 29.03.2020

Sonntag, 29.03.2020

 

Liebe Gemeinde, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

auch wenn ich wieder zuhause bin, denke ich immer wieder gerne an die letzten Wochen in Australien zurück. Auch in Australien haben die Menschen massenhaft Klopapier gekauft. Und als meine Frau und ich zurückkamen, wollten wir in Baumholder tatsächlich Klopapier kaufen. Wir hatten nur noch eine halbe Rolle. Es hat fast eine Woche gedauert bis wir welches kaufen konnten. Das war überhaupt kein Problem, sondern eher Anlass für viele spöttische Bemerkungen. Aber bemerkenswert finde ich das schon. Das ist ein Phänomen mit dem sich mittlerweile auch Psychologen beschäftigen. Klopapier eignet sich natürlich zum Horten, weil es praktisch unbegrenzt haltbar ist. Es hat aber einen großen Nachteil: Es ist nur bedingt essbar. Und mit Sicherheit nicht Lebensnotwendig.

Jesus sagt zu seinen Jüngern in der Bergpredigt: „Sorget euch nicht um euer Leben. Was ihr essen und trinken werdet. Auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werde …. Seht die Vögel unter dem Himmel an. Sie säen nicht, sie ernten nicht und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“ (Mt 6, 25f)

Es ist ein schmaler Grat: Auf der einen Seite Vorsorge zu treffen. Wirklichen Lebensschutz. Dafür sind wir alle verantwortlich. Auf der anderen Seite sich aber auch nicht von seiner Gier und damit von seiner Angst treiben zu lassen. Sich nicht von ständigen Gedanken und Sorgen leiten zu lassen. Gespräche mit anderen helfen dabei. Und auch eine Prise Humor.

Ich hätte nie gedacht jemals eine Andacht zu schreiben, in dem Klopapier eine so zentrale Rolle spielt. Deshalb zum Schluss noch eine Anekdote aus unserer Kirchengemeinde, die sich tatsächlich vor ca. 40 Jahren so abgespielt hat! Einer meiner Vorgänger hat sich an der Haustür von einem Vertreter beschwatzen lassen 12 Großpackungen Klopapier zu kaufen. Als eines Tages ein ganzer LKW vorfuhr und seine Ladung abgeladen hat, wurde ihm klar, dass er übers Ohr gehauen wurde. Eine Großpackung, also ein Groß Packungen, besteht aus 12 mal 12 Einzelpackungen. Die Ev. Kirchengemeinde Baumholder war also stolze Besitzerin von 12 mal 144 Packungen Klopapier, das sind 1728 Packungen. Wie viele Rollen in einer Packung waren, ist nicht überliefert. Aber sagen wir mal 10 Stück. Dann waren das 17280 Rollen. Man hat dann auf einen Verwaltungstrick zurückgegriffen. Geschäfte solcher Größenordnung bedürfen immer zweier Unterschriften. Damit ist man tatsächlich durchgekommen und die Ware wurde wieder abgeholt. Bisher habe ich das für clever gehalten. Aber die Zeiten ändern sich. Stellen Sie sich mal vor, man hätte das Zeug behalten. Wir hätten heute immer noch Lagerbestände und wären gerade die Helden!

 

Bleiben Sie möglichst gesund!

In Verbundenheit!

 

Ihr Burkard Zill

 

Donnerstag, 26.03.2020

Liebe Gemeinde, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

am letzten Wochenende habe ich mit meiner Frau 24 Stunden im Flugzeug von Australien nach Deutschland verbracht. Normalerweise ist das ziemlich anstrengend. Diesmal war ich nur froh und dankbar, dass wir in diesen Maschinen sitzen durften. Eigentlich wollten wir 3 Tage später zurückreisen, aber ich habe alle Hebel in Bewegung gesetzt umzubuchen. Das ging nur, weil in dem Australischen Call-Center der Fluggesellschaft ein freundlicher und kompetenter Mitarbeiter saß. Was zu dem Zeitpunkt noch keiner wusste: Zwei Tage später wurden alle Flüge gestrichen und wir wären nicht mehr so schnell aus Australien rauherausgekommen.

 

In dieser Krise und an diesem Beispiel wird mir wieder vor Augen geführt, was immer und überall gilt: Wir sind ständig auf andere Menschen angewiesen! Jemand hat uns freundlicherweise vom Flughafen abgeholt. Das Presbyterium, das Pfarrbüro, der Kindergarten, das Jugendzentrum und die Tafel haben in den letzten Wochen alle wichtigen Entscheidungen getroffen. Daran habe ich im fernen Australien nie gezweifelt. Der Bankautomat war mit Geld gefüllt. Die Supermarktregale waren mit Waren gefüllt. (Außer mit Klopapier – dazu vielleicht am Sonntag mehr.) Die Liste ließe sich endlos fortführen.

 

Martin Luther-King hat einmal gesagt:

„Ob wir es erkennen oder nicht:

Jeder von uns ist der Schuldner

bekannter und unbekannter

Menschen. Wir haben noch nicht

unser Frühstück beendet und waren

schon mit der halben Welt in

Verbindung. Im Badezimmer greifen

wir zum Schwamm, nach dem

ein Bewohner der Pazifischen Inseln

tauchte, wir greifen zur Seife,

die ein Franzose für uns herstellte.

Bei Tisch trinken wir Kaffee,

den ein Südamerikaner erntete,

oder Tee, den ein Chinese pflückte,

oder Kakao aus Westafrika.

Ehe wir noch zur Arbeit gehen,

sind wir schon Schuldner der

halben Welt geworden.

Tatsächlich ist alles Leben

miteinander verbunden.

Alle Menschen sind in ein Netz

der Gegenseitigkeit verwoben.

Was den einen unmittelbar betrifft,

betrifft den anderen mittelbar.

Ich kann niemals so sein, wie ich

eigentlich sein sollte, wenn du

nicht bist, wie du sein solltest.

Und umgekehrt ist es nicht anders.“

 

Warum vergessen wir das so leicht? Mein Eindruck: Es geht uns so gut, dass wir das offenkundig als selbstverständlich hinnehmen. Jetzt erkennen wir: Das ist alles andere als selbstverständlich. Wir können dankbar sein, dass es so ist! Aber Garantie und anspruch darauf gibt es nicht.

 

Paulus verwendet dazu ein Bild. Wir sind alle Glieder eines Laibes. Wir sind alle grundlegend miteinander verbunden. Und: „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit. Und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit.“ (1. Korinther 12, 26)

 

Lassen wir uns daran erinnern: Jeder trägt Verantwortung für den ganzen Laib. Deshalb halten wir uns – hoffentlich – an die Vorsichtsmaßnahmen. Und wenn uns nicht klar ist, dass wir alle miteinander verbunden sind, dann ist das, gelinde gesagt, dümmlich. „Unterm Strich zähl ich“, stellt die Wirklichkeit auf den Kopf.

 

Glauben Sie mir: Ich bin dankbar wieder heil zu Hause zu sein. In einem geordneten Land mit Gesundheitswesen und relativ verantwortlichen Politiker auf allen Ebenen. Auch wenn nicht alles rund läuft. Aber wie sollte es auch? Viele Dinge wissen wir einfach nicht und hinterher ist man immer schlauer.

 

Bleiben Sie möglichst gesund!

In Verbundenheit!

 

Ihr Burkard Zill

 

 

Online-Ostergottesdienst mit Pfarrer Burkard Zill

 

 

 


 

Die Kirchengemeinde Baumholder liegt am südöstlichen Rand des Kirchenkreises Obere Nahe im Landkreis Birkenfeld. Neben dem zentralen Ort Baumholder mit Kirche und integriertem Gemeindehaus, Pfarrhaus und integriertem Gemeindebüro, unterhält die Kirchengemeinde auch in unmittelbarer Nachbarschaft einen Kindergarten und ein Jugendzentrum. Das Dorf Ruschberg mit eigener Kirche und Gemeinderaum gehört auch zur Kirchengemeinde Baumholder. Pfarrer ist Burkard Zill.

www.evangelische-kirchengemeinde-baumholder.de

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Kirchstraße 12
55774 Baumholder

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