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08.10.2018 261 days

Lebenszeit- Zeit zum Leben!


Jutta Walber, Superintendentin des Kirchenkreises Obere Nahe.

Mein Name ist Jutta Walber, ich lebe in Idar-Oberstein und bin Superintendentin des Kirchenkreises Obere Nahe. 

Lebenszeit – Zeit zum Leben! Doch was heißt leben? Und was ist die Zeit? Wer gibt ihr Maß und Ziel? Tickende Uhren und diverse andere Zeitmesser? Atomuhren vielleicht? Wer und was bestimmt unsere Zeit? Leben am Puls der Zeit – was heißt das?

Tatsächlich gewinnt getaktete Zeit ihre Bedeutung erst mit der Industrialisierung. Zeit ist Geld, und Geld ist Macht. Produktivitätssteigerung, Gewinnmaximierung durch effizient genutzte Zeit. Kennen wir überhaupt noch einen anderen, entspannten Umgang mit der Zeit? Selbst die sogenannte „Freizeit“ folgt, ohne dass wir uns dessen immer bewusst sind, diesem Prinzip:  Nutze deine Zeit!

Die Vermessung unserer Zeit zerteilt das Leben in Stunden, Tage und Jahre. Leben am Puls der Zeit - sie füllen mit Erfahrungen, Spaß, Abenteuern und vielen Erlebnissen. Intensiv und exzessiv leben in der Zeit. Da bleibt kein Raum für Überraschungen, alles ist organisiert und terminiert. „Nutze deine Zeit“, ist etwas ganz anderes als „Carpe diem!“ (übers. Pflücke den Tag!). Denn wer seinen Tag „pflückt“, der nimmt ihn als Geschenk, da gibt es noch Unerwartetes, das nicht als Störung des Terminkalenders empfunden wird, sondern als Chance und Herausforderung an unsere Kreativität. Gelegenheit zur Begegnung, zum Leben. Denn wie der jüdische Philosoph Martin Buber gesagt hat: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung!“

Der Takt der Zeit und ob und wie ich in ihm funktioniere, konsumiere oder meine Freizeit gestalte, lässt mich nicht erkennen, ob und wie ich ein erfülltes Leben führe. Getrieben von der Angst nichts zu versäumen, verpasse ich Wesentliches - wirkliches Leben. Lebendige Begegnung kann ich nicht organisieren, planen oder herstellen. Ich kann mich nur auf sie einlassen und dazu brauche ich Zeit, die Räume eröffnet und die mich nicht vor sich hertreibt. Ich finde diese zuversichtliche Gelassenheit u. a. in Psalm 57: „Wacht auf Harfe und Leier! Das Morgenrot will ich wecken. Deine Freundlichkeit, Gott ist groß. Deine Verlässlichkeit reicht bis zu den Wolken.“


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