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21.06.2019 25 days

Kultursommer RLP: Werke zu Wandermusikanten


Seine Musik kündet von einer großen Sehnsucht nach Heimat: Giora Feidman. Bildnachweis: Giora Feidman/ Bubu Concerts

Idar-Oberstein/Birkenfeld/Offenbach. Wie kein anderer ist Giora Feidman einer der letzten Zeugen der Wandermusikantentradition des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Sein Vater und Großvater zogen als Klesmorim durch die jüdischen Gemeinden in Bessarabien - dem heutigen Gebiet der Republik Moldau und Teile der südlichen Ukraine. Die Wandermusikanten aus dem Nordpfälzer Bergland hingegen hatten auf ihren Reisen Begegnungen mit ihren jüdischen Kollegen – insbesondere auf ihren Touren durch Russland. Widergespiegelt hat sich dies in einem speziellen Sprachkodex, der viele jüdische Elemente enthielt. So wurden die Wandermusikanten gerne mal als  „Leebscher“ (abgeleitet von Levi) oder „Kleebscher“ (das war der "Levi", der Klezmer spielte) bezeichnet.

Brückenschlag zwischen zwei Traditionen

Anders als die Westpfälzer Wandermusikanten, die aus Armut und Not ihre Heimat verließen und Übersee ihren Lebensunterhalt bestritten, war es bei Giora Feidmans Familie der wachsende Antisemitismus im Osten, der die Familie 1905 zum Auswandern nach Argentinien zwang. In Buenos Aires wurde Giora Feidman am 25. März 1936 geboren. Sein Vater unterrichtete ihn als Kind und nahm ihn in seiner Kapelle als Klarinettist mit - auch hier zeigt sich eine Parallele zu den jungen Wandermusikanten – den sogenannten „Osterbuben“ - aus den Dörfern des Nordpfälzer Berglands. Auch sie zogen in der Regel nach ihrer Konfirmation mit ihren Vätern los und entwickelten ihr musikalisches Können erst auf den Reisen aus.

In drei Konzerten in Idar-Oberstein (Stadtkirche), Birkenfeld (Evangelische Kirche am Kirchplatz) und in Offenbach (Abteikirche) führt Roland Lißmann, Kantor des Kirchenkreises Obere Nahe, diese beiden Wandermusikanten-Traditionen unter dem Titel "Wandermusikanten" in einzigartiger Weise zusammen.  Die Konzerte sind eingebunden in das Programm des Kultursommers Rheinland-Pfalz, das in diesem Jahr das Motto "Heimat/en" trägt. Das Konzert in der Stadtkirche Idar ist zudem Bestandteil des Idar-Obersteiner Theatersommers 2019.

Doch worum geht es in den Konzerten? Eine der ersten und auch umfangreichsten Schilderungen von Flucht, Verfolgung und der Sehnsucht nach einer Heimat finden sich in der Bibel. Psalm 114 "In exitu Israel" beschreibt die Flucht des Volkes Israels aus Ägypten und die beschwerliche Wanderschaft ins Gelobte Land. Diese Basis des jüdischen und auch des christlichen Glaubens kommt musikalisch zur Geltung in den Vertonungen barocker Komponisten – Jan Dismas Zelenka, Antonio Vivaldi und J.J. Cassanea de Mondonville. Ausgeführt wird diese lebendige Vokal- und Instrumentalmusik vom Kammerchor Obere Nahe und dem Münchner Barockorchester L'Arpa Festante.

Hommage an die Westpfälzer "Leebscher"

Psalm 114 schlägt aber auch die Brücke zur jüdischen Wandermusikantentradition und damit zu Giora Feidman. Feidmans Musik ist tief verwurzelt im jüdischen Glauben und der Sehnsucht, eine Heimat zu finden. Mit 22 Jahren wanderte er in den neu gegründeten Staat Israel aus - die Anstellung als Bassklarinettist beim Israel Philharmonic Orchestra hatte er bereits bei seiner Einreise in der Tasche. Nach seiner Einbürgerung werden seine Konzerte zum Medium eines neuen Dialogs. 2001 wird er in Berlin aufgrund seiner besonderen Verdienste um die Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden mit dem Großen Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.

Doch auch die Wandermusikanten aus der Westpfalz kommen im Konzert nicht zu kurz: Der Saarbrücker Pianist Thomas Layes gibt an der Orgel zwei Werke von Georg Drumm und Michael Gilcher zum Besten, die von Erdesbach und Eßweiler im Kreis Kusel die „Neue Welt“ mit ihrer Musik eroberten. Die vielen Episoden und Erlebnisse dieser Wandermusikanten werden von der Leipziger Figurentheatermeisterin Franziska Merkel in Form eines Schattentheaters in Szene gesetzt und den Konzertbesuchern zum Musikerlebnis präsentiert.

Zum Ende des Konzerts gibt es dann noch eine Zusammenführung von Vergangenheit und Gegenwart. Musiklehrer Alfons Ludes hat ein Bläserensemble zusammengestellt, das Werke von Rudolph Mersy - in der Region besser bekannt als der „Aschbacher Mozart“ – präsentiert. Ganz in der Tradition der Wandermusikanten stammen die Musiker natürlich aus der Region.

 

"Wandermusikanten" - Termine vormerken:

Konzerte:

Einführende Lesungen mit Musik zum Thema Westpfälzer Wandermusikanten:

Referenten: Dieter Zenglein, Historiker und Kreisheimatpfleger des Landkreiseses Kusel, und Paul Engel, Musikantenlandpreisträger von 1986 bis 1988

Weitere Links:

  • Zur Programmübersicht des Idar-Obersteiner Theatersommers: www.kultur.io
  • Zum Programm des Kultursommers Rheinland-Pfalz geht es hier.

 

 


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