19.01.2017 2 yrs

Facettenreiche Landessynode in Bad Neuenahr

Neues erstes stellvertretendes Kirchenleitungsmitglied kommt aus Idar-Oberstein – Frau Dr. Elisabeth Fillmann.


Idar-Oberstein, 17. Januar 2017. Nach dem Ende der diesjährigen Landessynode in Bad Neuenahr steht es fest, die Kirchenkreise Obere Nahe, An Nahe und Glan sowie auch Simmern-Trarbach, haben ab sofort alle dieselben Kirchenkreisbegleiter – Herrn Vizepräses Christoph Pistorius und Herrn Dr. Götz Klostermann, dieser war bereits seit längerer Zeit für den Kirchenkreis Simmern-Trarbach zuständig.

Bein einem von Superintendentin Jutta Walber organisierten gemeinsamen Essen im Hotel Aurora, Bad Neuenahr, konnten sich die Abgeordneten der drei Kirchenkreise und die Kirchenkreisbegleitungen kennenlernen. Bei leckeren Köstlichkeiten fand ein informeller Austausch über gemeinsame Projekte und Aufgaben der Kirchenkreise im südlichen Rheinland-Pfalz, statt. Superintendent Hörpel aus dem Kirchenkreis Simmern-Trarbach merkte an, dass nur noch der Kirchenkreis Trier fehle. Dies soll sich im kommenden Jahr ändern.   

Zeit für das Wesentliche – die Synode sprach sich für verbindliche Vereinbarungsgespräche aus. Die Landessynode habe im Jahr 2014 eine Umfrage bei den Presbyterien angestoßen, wie mit den Pfarrerinnen und Pfarrern über ihre Arbeit beraten werden solle, damit sie tatsächlich Zeit fürs Wesentliche finden -  sagte Oberkirchenrätin Barbara Rudolph, Düsseldorf, auf der Landessynode in Bad Neuenahr. Was konkret das Wesentliche ist, soll künftig ein verbindliches Vereinbarungsgespräch zwischen Pfarrerin bzw. Pfarrer und dem Presbyterium ihrer bzw. seiner Kirchengemeinde klären.

Hierin sollen zusätzliche Vereinbarungen, die so konkret nicht in der Dienstanweisung stehen können, zum Dienst in Anlehnung an die Gemeindekonzeption getroffen werden – so Superintendentin Jutta Walber, Idar-Oberstein. Im Turnus von zwei Jahren sollen die getroffenen Vereinbarungen überprüft werden. Ebenso sollen verbindliche Vertretungsregelungen in den Kirchenkreisen etabliert werden.

Neue Gemeindeformen – Mut zu gemeindlichen Erprobungsräumen. „Im Jahr des Reformationsjubiläums erinnern wir nicht nur an ein einmaliges Ereignis vor 500 Jahren, sondern vergewissern uns unseres Kernauftrags. Unser Kernauftrag heißt nämlich je neu danach zu fragen, ob wir als Kirche alles tun, damit die Botschaft von der freien Gnade Gottes die Lebenswelt der Menschen erreicht.“ (..) „Wir reagieren auf bereits bestehende Entwicklungen und wollen einen Einstieg in einen Prozess, in dem wir neben den bewährten, mitunter aber eventuell überkommenen Formen des Kirchseins neue Formen nicht nur angstfrei zulassen, sondern auch befördern und ermöglichen – damit wir die Menschen, um die es der Botschaft Gottes geht, auch tatsächlich erreichen.“ – so Vizepräses Christoph Pistorius. Die Evangelische Kirche im Rheinland öffne sich neuen Formen von Gemeinde. Das hat die Landessynode in Bad Neuenahr beschlossen. „Vergnügt, erlöst, befreit. Neue Gemeindeform ermöglichen“ – so der Titel des Beschlusses. Die Evangelische Kirche im Rheinland reagiere damit auf ein Bedürfnis vieler Menschen.

Neben der Personalgemeinde nannte der Beschluss der Landessynode als weitere Modelle neuer Gemeindeformen: assoziierte Gemeinden, die etwa als Jugendkirche oder Citykirche eng an eine traditionelle Kirchengemeinde angebunden sind; kooperierende Gemeinden, die in einem loseren Kontakt zu einer Parochiegemeinde stehen – dies sind etwa Gemeinden fremder Sprache und Herkunft.

So eröffnete die Landessynode Erprobungsräume für neue Gemeindeformen, wie sie etwa aus der anglikanischen fresh-expressions-Bewegung bekannt seien. Hierfür hat die Landessynode ausdrücklich auch Pfarrstellen in Aussicht gestellt.

Integriertes Klimaschutzkonzept ist beschlossen – Einrichtung zweier befristeter Stellen für das Klimaschutzmanagement. Die Kirchenleitung wurde beauftragt, Stellenprofile für Klimaschutzmanagement zu erarbeiten und im Jahr 2017 für zwei zeitlich befristete Stellen bei der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums einen Förderantrag zu stellen.

Die Entwicklung dieses Klimaschutzkonzepts wurde 2015 an das Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS), Umweltcampus Birkenfeld, übertragen. Da dieses, sich durch umfangreiche Erfahrungen mit Konzeptentwicklungen für Kommunen aber auch für Kirchen auszeichnete. Für den Teilbereich Gebäude, wurden beispielsweise die Gebäudeanzahl der Kirchenkreise und Gemeinden sowie die Gebäude unter landeskirchlicher Verwaltung für die Jahre 2005 und 2015 zusammengefasst und Vergleichsmessungen für den Stromverbrauch betrachtet. Im Ergebnis zeigte sich für 2005 ein Stromverbrauch von rund 79.600 MWh. Der Wärmeverbrauch lag bei etwa 636.000 MWh. Für das Jahr 2015 betrug der Stromverbrauch ca. 63.000 MWh. Der Wärmeverbrauch bezifferte sich auf rund 556.000 MWh. Dies entsprach einer Verbrauchsreduktion von ca. 11,8% beim Strom und ca.12,5% bei der Wärme. Insbesondere im Gebäudebereich gibt es aber noch erhebliches Einsparpotential beim Energieverbrauch.

Forderung einer gesamteuropäischen Lösung zur Flüchtlingspolitik. Die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland wandte sich gegen eine Aushöhlung des individuellen Asylrechts. Rückführungen nach Griechenland lehnte die Synode in der derzeitigen schwierigen Situation des Landes mit Blick auf die Unterbringung dieser Menschen ab. Zugleich trat das Leitungsgremium der rheinischen Kirche für eine humanitäre gesamteuropäische Flüchtlings- und Einwanderungspolitik ein: „Im Blick auf die laufenden Verhandlungen zu einer Dublin-IV-Verordnung müssen die Möglichkeiten zum Selbsteintritt aus humanitären Gründen bestehen bleiben. Das Konzept der sicheren Herkunftsländer muss überdacht werden“, heißt es in dem Synodenbeschluss. Die Praxis des Abschiebens der Verantwortung auf die der EU vorgelagerten Staaten dürfe nicht weitergeführt werden.

Auf Bitten der Synode soll sich die Kirchenleitung auf allen Gesprächsebenen gegenüber Bund und Löndern „entschieden dafür einzusetzen, dass Flüchtlingen, deren Asylverfahren in Deutschland positiv beschieden wurde und die eine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland erhalten, der Familiennachzug ohne Wartezeit ermöglicht wird“.

Belgische Atomkraftwerke Tihange 2 und Doel 3 abschalten. Die Synode unterstützt die Initiative zur Abschaltung der belgischen Atomkraftwerke. Der Zustand der Atomkraftwerke sei laut neuster Gutachten und wissenschaftlicher Einschätzungen besorgniserregend. Sollte der Druckbehälter plötzlich bersten, wäre ein Atomunfall mit Ausmaßen, wie in Tschernobyl oder Fukushima kaum zu vermeiden. Die Kirchenleitung soll in Gesprächen mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung und der Bundesregierung die Sorge um die

Reaktor-Sicherheit zum Ausdruck bringen. Es gehe schließlich um die Sicherheit der Menschen in der Region. Dabei sollen auch Kontakte zu belgischen Kirchen sowie zu der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) und der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) genutzt werden, um Einfluss auf politisch Verantwortliche in Belgien zu nehmen.

Präsesbericht: „Es gibt auch so etwas wie ein falsches Zeugnis“ – so Rekowski. Es gibt auch so etwas wie ein falsches Zeugnis“, so der Präses Manfred Rekowski. Wer seine Politik mit einer diffusen, wie das Grundsatzprogramm der AfD es formuliere, „religiösen Überlieferung des Christentums“ begründe, „den werden wir zum Fundament seines Glaubens befragen“. Wer in der Konsequenz seiner Thesen sowohl dem Judentum als auch dem Islam keinen Platz in der deutschen Gesellschaft lasse, fordere den massiven Widerstand der evangelischen Kirche heraus. „Der Glaube an Gott, der die Welt und die Menschen liebt, hat nichts gemein mit Hass gegen einzelne Menschen oder Menschengruppen. Das ist keine Alternative für Christen, sondern eine Pervertierung des Glaubens“, so der Präses weiter.

Mit Besorgnis hatte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland auch manche Äußerungen politischer Parteien wahrgenommen. „Hier werden auch Positionen vertreten, die deutlich der christlichen Botschaft widersprechen, obwohl das Etikett „christlich“ benutzt wird“, sagte Rekowski zu Äußerungen der Alternative für Deutschland (AfD).

Von der Nächstenliebe gibt es keine Beurlaubung, Präses Rekowski fordert seine Kirche auf, sich verstärkt damit auseinanderzusetzen, dass ein großer Teil der Bevölkerung offenkundig Vorbehalte gegenüber Muslimen habe. „Was bedeutet es für unsere Gesellschaft, wenn 57 Prozent im Osten und 49 Prozent im Westen Deutschlands den Islam als bedrohlich bewerten?“, fragte er vor der Landessynode. Angesichts islamistischer Anschläge mache sich beispielsweise auch eine assoziative Verbindung zwischen Islam und Terrorismus breit. Doch damit folge man genau der Fährte, welche Terroristen legten sagt Rekowski. „Es ist gerade eine vornehme Aufgabe der Kirchen in unserer Gesellschaft, immer wieder zu betonen: Das menschenverachtende Handeln einiger weniger Verbrecher beruft sich zu Unrecht auf die Religion des Islam, der mehr als eine Milliarde Menschen angehört, die in Frieden leben wollen“, sagte der Präses.

Die Wahlen zur Kirchenleitung in Bad Neuenahr. Nach einem Wahl-Marathon hat die Synode neun Positionen neu- und wiederbesetzt. Die Landessynode wählte neun haupt- und nebenamtliche Mitglieder der 15-köpfigen Kirchenleitung neu. Das sind die Wahlergebnisse:

Hauptamtliche Mitglieder:

  • Präses Manfred Rekowski, Wuppertal, Wahlperiode 2013 bis 2021;
  • Vizepräses Christoph Pistorius, Mettmann, Leitung Abteilung 2 Personal, Wahlperiode 2017 bis 2025;
  • Oberkirchenrat Klaus Eberl, Wassenberg, Leitung Abteilung 3 Bildung, Wahlperiode 2013 bis 2021;
  • Oberkirchenrätin Barbara Rudolph, Düsseldorf, Leitung Abteilung 1 Theologie und Ökumene, Wahlperiode 2017 bis 2025;
  • Vizepräsident Dr. Johann Weusmann, Düsseldorf, Leitung Abteilung 4 Recht und Politik, Wahlperiode 2017 bis 2025;
  • Oberkirchenrat Bernd Baucks, Bonn, Leitung Abteilung 5 Finanzen und Diakonie, Wahlperiode 2013 bis 2021

Nebenamtliche theologische Mitglieder:

  • Pfarrerin Dr. Barbara Schwahn, Düsseldorf, Wahlperiode 2017 bis 2025; dazu 1. Stellv.: Pfarrerin Christiane Münker-Lütkehans, Moers; 2. Stellv.: Pfarrerin Monika Kindsgrab, Essen;
  • Superintendent Eckart Wüster, Bornheim, Wahlperiode 2013 bis 2021; dazu 1. Stellv.: Pfarrerin Karin Weber, Wuppertal; 2. Stellv.: Pfarrerin Susanne Beuth, Köln;
  • Superintendentin Andrea Aufderheide, Urbach, Wahlperiode 2017 bis 2025; dazu 1. Stellv.: Pfarrerin Kirsten Arnswald, Simmern; 2. Stellv.: Pfarrerin Corinna Clasen, Meisenheim

Nebenamtliche nichttheologische Mitglieder:

  • Dr. Axel Epe, Düsseldorf, gewählt in die laufende Wahlperiode 2013 bis 2021; dazu 1. Stellv.: Katharina Quack, Meerbusch; 2. Stellv.: Michael Schneider, Kaarst;
  • Wolfgang Albers, Bonn, Wahlperiode 2017 bis 2025; dazu 1. Stellv.: Dr. Wolfgang Osterhage, Wachtberg; 2. Stellv.: Gabriele Orbach, Köln;
  • Marion Unger, Staudernheim, Wahlperiode 2013 bis 2021; dazu 1. Stellv.: Margit Groß-Schmidt, Saarbrücken; 2. Stellv.: Edith Vonau, Straßenhaus;
  • Hartmut Rahn, Solingen, Wahlperiode 2017 bis 2025; dazu 1. Stellv.: Renate Görler, Wuppertal; 2. Stellv.: Dr. Martin Werth, Wuppertal;
  • Helga Siemens-Weibring, Essen, Wahlperiode 2013 bis 2021; dazu 1. Stellv.: Hans-Joachim Schwabe, Schwalmtal; 2. Stellv.: Susanne Degenhardt, Würselen;
  • Marlis Bredehorst, Köln, Wahlperiode 2017 bis 2025; dazu 1. Stellv.: Dr. Elisabeth Fillmann, Idar-Oberstein; 2. Stellv.: Dr. Rainer Lemaire, Bergisch Gladbach.


Die auf dieser Synode gewählten Mitglieder der Kirchenleitung (also für die Wahlperiode 2017 bis 2025) werden am 5. März 2017 in einem Gottesdienst in der Düsseldorfer Johanneskirche in ihre Ämter eingeführt.

Als Vorsitzende der Ständigen Synodalausschüsse wurden gewählt:

Theologischer Ausschuss: Superintendentin Dr. Ilka Werner, Solingen; dazu Stellv.: Pfarrer Sieghard Klimkait, Duisburg;

Ausschuss für Kirchenordnung und Rechtsfragen: Christiane Köckler-Beuser, Düsseldorf; dazu Stellv.: Dr. Matthias Quarch;

Ausschuss für öffentliche Verantwortung: Superintendent Jens Sannig, Jülich; dazu Stellv.: Pfarrer Christoph Helbig, Nettetal;

Innerkirchlicher Ausschuss: Superintendent Burkhard Kamphausen, Krefeld; dazu Stellv.: Superintendentin Ilka Federschmidt, Wuppertal;

Ausschuss für Erziehung und Bildung: Superintendentin Henrike Tetz, Düsseldorf; dazu Stellv.: Jörg Hoffmann, Duisburg;

Finanzausschuss: Dr. Horst Butz, Solingen; dazu Stellv.: Superintendent Markus Zimmermann, Köln;

Nominierungsausschuss:
Superintendent Hartmut Demski, Wermelskirchen; dazu Stellv.: Dr. Irmela Müller-Stöver, Solingen. (alle Wahlperiode 2017-2025)

 

Quelle: EkiR

Öffentlichkeitsreferat Ev. Kirchenkreis Obere Nahe, B. Lapp


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Donnerstag, 17. Januar 2019:
Losungstext:
Josua fiel auf sein Angesicht zur Erde nieder, betete an und sprach: Was sagt mein Herr seinem Knecht?
Josua 5,14
Lehrtext:
Selig sind eure Augen, dass sie sehen, und eure Ohren, dass sie hören.
Matthäus 13,16