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Diakonie: Verhütung sollte keine Frage des Einkommens sein

Familienplanung ist ein Menschenrecht. Auch die Entscheidung gegen ein Kind. Für einkommensschwache Frauen bleibt oft wenig Geld für Verhütung.

Idar-Oberstein. „Keine Angst mehr vor einer ungewollten Schwangerschaft zu haben, ist eine riesengroße Erleichterung für Frauen. Erst dann kann wieder über andere Themen wie Ausbildung, Job, Erziehung oder Wohnung nachgedacht werden.“ Das ist die Erfahrung von Heidrun Lechthaler-Trierweiler und Thea Maurer. Sie sind die zuständigen Sozialarbeiterinnen in der Beratungsstelle für Schwangerschaft, Sexualität und Familienplanung beim Diakonischen Werk Obere Nahe.

Familienplanung ist ein Menschenrecht. Doch viele Frauen in Deutschland können sich Pille oder Spirale nicht leisten. „Den Zeitpunkt, ob und wann sie eine Familie gründet, das sollte jede Frau selbst für sich entscheiden können“ teilt Heidrun Lechthaler-Trierweiler mit. Dazu muss sie wissen, wie Verhütung funktioniert und welche Methoden für sie in Frage kommen. Doch sichere Verhütung kostet. Und die können sich viele Frauen nicht leisten. In ihrer Not wenden sie sich auch an die Beratungsstelle im Diakonischen Werk. Gefordert wird deshalb Kostenfreiheit von verordneten Verhütungsmitteln für Empfängerinnen von ALG II als auch für alle Geringverdienenden sowohl landes- als auch bundesweit, betont Thea Maurer.

Bis 2004 wurden die Kosten für ärztlich verordnete Mittel noch von den Sozialämtern übernommen. Seither erstatten die gesetzlichen Krankenkassen verschreibungspflichtige Verhütungsmittel nur bei Frauen bis zum vollendeten 22. Lebensjahr. Ab dem 23. Geburtstag müssen Hartz-IV-Bezieherinnen sie aus ihrem Regelsatz bezahlen. 17 Euro monatlich gibt es für die gesamte Gesundheitspflege, inklusive Kopfschmerztabletten, Hustensaft, Tampons oder Binden.

„Wenn am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig bleibt…die Stromrechnung ist noch nicht bezahlt und zum Mittagessen gibt es nur noch Nudeln mit Ketchup, denkt keine Frau mehr an Verhütungsmittel,“ … „Es wird also gar nicht oder mit preisgünstigen Kondomen verhütet und damit eine nicht gewollte Schwangerschaft riskiert.“, so Heidrun Lechthaler-Trierweiler

Die günstigste Pille kostet auf den Monat gerechnet etwa 12 Euro. Eine Spirale, die drei bis fünf Jahre hält, liegt bei rund 400 Euro.

Eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung belegt, dass die Zahl der ungewollten Schwangerschaften bei Frauen, die Sozialleistungen erhalten, dreimal höher ist als bei Frauen, die gut verdienen. 

Schon lange fordern wir als Diakonie deshalb bundesweit einen Zugang zu kostenfreien Verhütungsmitteln für Familien mit geringem Einkommen", erklärt Ilona Schlegel, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes Obere Nahe.

Nachdem nunmehr nach Vorlage einer Online Petition von 50.00 Unterschriften im November im Bundestag entschieden wurde, dass Menstruationsartikel keine Luxusartikel sind und deshalb nur noch 7 % Mehrwertsteuer erhoben werden, besteht Hoffnung, dass sich für Geringverdienende auch eine finanzielle Entlastung für sichere Verhütungsmittel finden wird. „Die Diakonie wird sich bundesweit weiter dafür stark machen. Vor Ort werden wir diese Forderung an die Kommune herantragen. Ein Gespräch zu diesem wichtigen Thema wird zunächst über den wieder ins Leben gerufenen Gleichstellungsausschuss gesucht“, berichtet Thea Maurer.

Im Bundesgebiet gibt es bereits mehrere Kommunen, die für Frauen mit geringem Einkommen einen Fonds zur Finanzierung sicherer Verhütungsmittel eingerichtet haben.

Weiterführende Informationen (Klick auf den Satz)

Hier geht es zu der Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Weitere Informationen zur Arbeit der Schwangerenberatung der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe

Hier geht es zu der Schwangerenberatung im Diakonischen Werk des Kirchenkreises Obere Nahe

Die günstigste Anti-Baby-Pille kostet rund 12 Euro für einen Monat. Für Empfängerinnen von ALGII oder prekär Beschäftigte ist das immer noch zu teuer. Bildnachweis: pixabay.com/Gabi Sanda