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Nachrichtenarchiv

An(ge)dacht: Brücken bauen in neuer Gemeinschaft

Von einer Begegnung ohne Vorbehalte berichtet Pfarrerin Tanja Bodewig in ihrem An(ge)dacht der Woche.

In den Sommermonaten kommen Menschen gerne zusammen, ganz unkompliziert bei vielen Festen: Zum Grillen im Garten mit Freunden vielleicht, beim Sommerfest im Verein oder der Schule, beim Fest der Kirchengemeinde oder beim Dorffest: Überall dort begegnen sich Menschen, in entspannter Atmosphäre und ganz unkompliziert – und in diesem Miteinander in guter Gemeinschaft kann sich manchmal ein neuer, ungeahnt guter Weg auftun für das weitere Leben.

Auch die Bibel erzählt von solchen guten Begegnungen in vielen Geschichten im ersten und zweiten Testament. Eine davon findet sich im Evangelium nach Lukas: Der Zöllner Zachäus in Jericho ist reich, aber sozial ausgegrenzt, denn seinen Wohlstand hat er erworben, indem er mit den römischen Besatzern eng zusammen arbeitete und von seinen Landsleuten überhöhte Zölle verlangte, für den eigenen Gewinn. Eines Tages nun kommt Jesus mit den Seinen nach Jericho – und auch der Zöllner Zachäus möchte ihn unbedingt sehen. Und weil er klein ist, klettert er auf einen Baum, um Jesus von dort oben wahrnehmen zu können.

Und als Jesus in die Stadt kommt, da ist er es, der Zachäus dort oben auf dem Baum entdeckt – und ihn anspricht: „Zachäus, komm schnell herunter, heute muss ich in deinem Haus einkehren.“ Jesus selbst baut die Brücke hin zu Zachäus, der vielleicht selber nur von Ferne zugeschaut hätte beim Einzug Jesu in die Stadt. Und: Jesus macht keine Unterschiede, alle Menschen sind ihm wichtig, auch und gerade die, die – auch durch das eigene Tun – in der Gesellschaft oft ausgegrenzt werden als „Sünder“.  Zachäus kommt vom Baum herunter und bereitet sein Haus vor für ein großes Fest für Jesus und die Seinen.  Und als sie alle so zusammen feiern, da findet Zachäus für sein Leben einen ganz neuen Weg in der Gemeinschaft der vielen mit Jesus. „Das, was ich zu viel genommen habe am Zoll, will ich mehrfach erstatten und die Hälfte meines Besitzes den Armen geben.“ Diese Einsicht geschieht, ganz ohne moralischen Apell, einfach in der Gemeinschaft mit Jesus, der ohne Vorbehalte auf Zachäus zugegangen ist. Und Jesus antwortet darauf mit einem Ausruf der Freude, dass Zachäus den Weg zurück in die soziale Gemeinschaft gefunden hat: „Heute ist diesem Haus Heil widerfahren, denn auch Zachäus ist ein Kind Abrahams.“ – So kann sich manchmal ein neuer, ungeahnt guter Weg in die Zukunft auftun, für uns und für unsere Mitmenschen, da, wo wir uns einladen lassen in die Gemeinschaft mit Gott, die eine Gemeinschaft der Liebe Gottes zu allen Menschen ist.

Pfarrerin Tanja Bodewig