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Nachrichtenarchiv

An(ge)dacht: Hoffnung und Sehnsucht nach dem Leben

Das Wort zum Wochenende von Berufsschul-Pfarrerin Barbara Zimmer-Schuch befasst sich mit den Schrecken dies Krieges in Europa - und wo in aller Dunkelheit das Licht der Auferstehung blitzt.

Liebe Leserinnen und Leser,

seit drei Wochen bewegen uns die Bilder, die wir aus der Ukraine sehen, sehr. Es sind schreckliche Bilder und erschütternde Nachrichten. Wer hätte gedacht, dass uns solche Bilder von zerstörten Wohnhäusern, ja ganzen Straßenzügen, die in Schutt und Asche liegen, kilometerlange Panzerkolonnen, die zum Angriff anrollen und Menschen, die in U-Bahnschächten Schutz vor Raketen und Bomben suchen, aus Europa kommen?

 Hinter den vielen Toten sowohl auf ukrainischer als auch russischer Seite stehen Leid und Einzelschicksale der Familien. Hinter den Zahlen der mittlerweile Millionen Flüchtlinge stehen zerrissene Familien und die Angst um das nackte Überleben. Mütter mit kleinen Kindern und Babys, Neugeborenen, die für Leben und Zukunft stehen, umgeben von Tod und Leid, Angst und Schmerz. Ehefrauen, Partnerinnen und Mütter, die Angst um ihre Männer, Partner und Söhne haben, die nicht wissen, ob der Tod sie schon ergriffen hat.

Schreckliche Bilder, bedrückende Nachrichten, Angst vor der Ungewissheit, was noch kommen kann. Diesen Krieg mit all seinen Schrecken und Bedrohungen können wir eigentlich nicht begreifen, erfassen, geschweige denn: verstehen. Ich habe da manchmal den Eindruck und das Gefühl, dass der Krieg, der auch immer ein Handlanger des Todes ist, mich fest im Griff hat. Mal mehr, mal weniger. Ich weiß aus vielen Gesprächen mit meinen Schülern und Schülerinnen, Kolleginnen und Kollegen, dass ich mit diesen Gefühlen nicht allein bin.

Aber dann blitzt dazwischen immer wieder das Leben auf. Das Leben, das sich gegen den Tod wehrt und gegen den Tod protestiert. Die Journalistin hat meine allerhöchste Achtung und allergrößten Respekt, die es wagt, im zensierten, russischen Staatsfernsehen aufzutauchen mit ihrem Schild gegen Krieg. Meine größte Bewunderung haben die Ärzte und Ärztinnen, die in den Krankenhäusern in den ukrainischen Städten weiterhin ihren Dienst tun, um nicht nur Verwundete, sondern alle Kranken zu versorgen und zu betreuen. Die sich auch in die Wohnungen der Menschen begeben, die nicht mehr in die Krankenhäuser kommen können.

Zeichen des Lebens setzen auch die Politiker und Politikerinnen, die weiterhin auf Dialog und Deeskalation setzten, die sich nicht in die tödliche Kriegsmaschinerie hineinziehen lassen. Hier sehe und spüre ich die Kraft der Auferstehung; den Sieg Gottes über den Tod; seinen Willen zum Leben. In jeder Tat all derer Menschen, die in diesem und allen Kriegen auf der Welt sich für das Leben einsetzen, sich allen todbringenden Mächten entgegenstellen und sich für das Leben, das wir nur in Freiheit und Demokratie erfahren, einsetzen, blitzt das Licht und die Kraft der Auferstehung auf. Sie nährt die (be)ständige Hoffnung und die Sehnsucht nach Leben.