02.08.2012 320 days

Frauenhilfe plädiert gegen Betreuungsgeld


Bild: web_R_K_by_s.media / pixelio.de

Der Verwaltungsrat der Evangelischen Frauenhilfe im Rheinland lehnt die Einführung des Betreuungsgeldes ab. Dies führe nur zu weiterer Entsolidarisierung der Gesellschaft.

Das geplante Betreuungsgeld - die Entscheidung im Bundestag verschob sich auf die Zeit nach der Sommerpause - garantiere in keiner Weise die Wahlfreiheit von Eltern, ihre Kinder zu Hause zu betreuen oder einen Betreuungsplatz in Anspruch zu nehmen, so die Frauenhilfe. Schon jetzt hätten Familien, in denen beide Eltern erwerbstätig sein wollen oder müssen, gerade in den Ballungsgebieten große Probleme, ihre Kinder in gute Betreuung zu geben. Weiter heißt es: „Es ist die Aufgabe der Gesellschaft, externe Betreuung in ausreichendem Maße zu schaffen. Deshalb müssen die finanziellen Mittel dort eingesetzt werden! Nur so wird es gelingen, qualifizierten Frauen Wahlfreiheit für ein Leben mit oder ohne Kinder zu ermöglichen.“

Zudem könne nur der Ausbau von Betreuungsplätzen Frauen stärken, ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben zu führen. Dagmar Müller, die Leitende Pfarrerin der rheinischen Frauenhilfe: „Durch unsere Arbeit in unserer Mutter-Kind-Klinik auf Spiekeroog kennen wir die Betreuungsprobleme vieler Mütter, die eine große Belastung darstellen. Gerade hochqualifizierte, alleinerziehende Mütter, die ohne Probleme gute Stellen bekommen und so den Unterhalt für sich und ihre Kinder verdienen könnten, finden keine adäquaten KiTa-Plätze und geraten so in die staatliche Abhängigkeit und damit in die Armutsfalle. Das ist ein Skandal!"

Betreuungsplätze sichern

Sie befürchtet, dass diese Frauen trotz guter Ausbildung in Altersarmut geraten können, weil die Gesellschaft es ihnen nicht ermöglicht hat, Kinder und Beruf zu vereinbaren. Das geplante Betreuungsgeld wirke auf alle Frauen, die für ihren Unterhalt sorgen müssen, wie ein Hohn. „Es scheint, dass die gesellschaftlichen Realitäten immer noch nicht wahr genommen werden“, so Dagmar Müller.

Der Landesverband der Evangelischen Frauenhilfe im Rheinland fordert deshalb, dass die Bundesregierung alle Kraft und finanziellen Mittel dazu einsetzt, Familien, die existentiell auf einen externen Betreuungsplatz angewiesen sind, zu unterstützen und dass sie den Rechtsanspruch zeitnah und vollständig umsetzt. „Wir fordern die Bundesregierung auf, von der Einführung des Betreuungsgeldes Abstand zu nehmen. Wir erwarten, dass die Bundesregierung zukunftsorientiert und nachhaltig die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördert, um den Bedarfen der modernen Gesellschaft gerecht zu werden.“

ekir.de | 01.08.2012


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