17.06.2012 2 yrs

Kirche als Ort des Reha-Sports für Ausgepowerte


Denen müssen doch die Beine ganz schön schwer sein. Eine lange Saison über in ein, zwei, vielleicht in drei Wettbewerben mitspielen - und nun die Europameisterschaft. An diesem Wochenende geht es um den Einzug ins Viertelfinale; eine Pflicht für „unsere Mannschaft“.

Nach langen 90 Minuten sind die Beine schwer, man sieht es ihnen an. Zuerst auslaufen, dann ins Ermüdungsbecken, anschließend sind die Physiotherapeuten an der Reihe. So oder so ähnlich läuft es im „richtigen“ Leben des Fußballprofis.

Wenn ich auf „mein richtiges Leben“ blicke, dann gibt es Zeiten, die heiter und entspannt sind. Da ist Kraft und Kreativität im Überfluss vorhanden – um in dem Bild des Fußballs zu bleiben - locker genug Luft für die 90 Minuten meines richtigen Lebens. Und dann kommen jene Wochen, in denen mir die Belastung vorkommt, wie wenn ich auch noch eine Verlängerung spielen müsste. Die Anforderungen im Beruf und in der Familie, manche Planungen erlebe ich als belastend; wenn dann noch eine Krankheit im Familien- oder Freundeskreis hinzukommt, dann wird es schnell zu viel. Ganz schwer wird es, wenn sich diese Belastung über längere Zeit hinzieht.

Wie komme ich da raus? – Zeiten der Ruhe, der Zurückgezogenheit, mal die Tür zumachen… Bei mir ist es ein ungemütlicher Kellerraum, der Ruhe verspricht in einem mit Büro und Kindern gefüllten Pfarrhaus. Dann setze ich mich, eine Kerze brennt, ich schlage die Bibel auf und lese, komme zur Ruhe, bete… So finde ich Ruhe vor Gott und kann aufatmen. Diese alltägliche Möglichkeit des Rehasports für Ausgepowerte, ergänze ich ganz bewusst mit gemeinschaftlichen Freizeitaktivitäten, und dazu gehört auch der Kirchgang am Sonntag oder Samstagabend. Und ich merke: Gott meint es ernst mit mir, und er meint seine Versprechen auch ernst: So erlebe ich, dass es stimmt, wenn Jesus Christus sagt: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11,28)

P.S. …und was natürlich auch wichtig ist, ist ausreichende Bewegung, Spazieren, Sport… aber das weiß eh jeder.

Matthias Schmid, Pfr.
Ev. Kirchengemeinde Berschweiler


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