17.02.2012 2 yrs

Gottes Rettungsschirm


Die Alten haben es noch gewusst: In ihrem Dorf am Hochwald gab es bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts folgende Regelung: War jemand gestorben, so ging einer von Haus zu Haus – das Trauerhaus ausgenommen - und sammelte von jeder Familie einen bestimmten Betrag ein, der dann sämtliche Begräbniskosten deckte.

Warum? - Nun, weil jede Familie so arm war, dass niemand die Gesamtsumme auf einmal hätte aufbringen können.

Ein wunderbares System gegenseitiger Hilfe. Welche Solidarität - habe ich gedacht - ganz im Sinne Jesu und der ersten Christengemeinden. So erzählt die Apostelgeschichte 2,14: „Sie trafen sich in den Häusern und teilten alles miteinander.“

„Und warum gibt es das nicht mehr?“ wollte ich wissen, und einige wussten dann zu erzählen, dass irgendwann viel dummes Gespräch aufgekommen sei. Menschen die fortzogen oder hinzukamen, hatten nur wenig eingezahlt oder gar nichts herausbekommen.

Das war das Ende dieser Vorform einer Sterbekasse. Sie hatte nur funktioniert, solange dieses Dorf eine Einheit bildete, Leben und Arbeiten, Gemeinschaft und Eigentum auf überschaubarem Boden stattfand.

Auch bei den ersten Christen hielt dieser selige Zustand des Gemeinwesens nicht lange an. Offenbar ist es in uns Menschen zu sehr verankert, nach dem Leistungsprinzip zu denken und auch Hilfe nach diesem zuzumessen. Selbst über den Wert von Geschenken führen manche Menschen Buch.

Gottes Prinzip ist da ein anderes: Jeden Menschen will er mit seiner Gnade in seiner großen Liebe gleichermaßen beschenken, damit wir alle miteinander in sein großes Leben hineingehören und Frieden finden.

Gottes Rettungsschirm unterscheidet sich von unseren: Er hat ihn allein aufgestellt, wir können uns nur darunter bergen und unser Möglichstes tun, damit auch andere ihren Platz darunter finden.

Christiane Bock, Pfarrerin


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