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03.07.2016 1 year

Wenn der Wind der Veränderung weht ...


Wenn der Wind der Veränderung weht, dann bauen die einen Mauern und die anderen Windräder! Der Wind der Veränderung weht - das spüren wir an verschiedenen Stellen unseres Lebens. Im Politischen momentan ganz besonders durch die Entscheidung der Briten, sich aus der Europäischen Union zu trennen. Aber auch in anderen Bereichen unseres Lebens. Menschen fremder Herkunft kommen in unser Land, wollen hier bei uns Heimat und Zukunft finden. Eine Herausforderung, die unsere Gesellschaft verändern wird. Ganz persönlich gibt es immer wieder besondere Wegmarken, an denen einschneidende Veränderungen uns betreffen: Wenn ein Baby geboren wird, das Leben durcheinanderwirbelt und die Regie übernimmt. Wenn die Kinder mehr und mehr an Selbstständigkeit gewinnen und schließlich ihr eigenes Leben leben. Oder wenn Schmerzliches unser Leben einschränkt: Krankheit oder das Sterben eines geliebten Menschen. Wenn der Wind der Veränderung weht, dann bauen die einen Mauern und die anderen Windräder! Dieses chinesische Sprichwort zeigt uns, wie unterschiedlich wir Menschen mit neuen Situationen umgehen. Die einen möchten am liebsten, dass alles bleibt wie es ist. Sie fürchten sich und stemmen sich der Veränderung entgegen. Andere begrüßen sie wie eine vertraute Gefährtin und nutzen ihre Energie. Wie wir mit Veränderungen umgehen hängt nicht allein von unserer grundsätzlichen Lebenseinstellung und unserer persönlichen Verfassung ab, sondern auch von den Veränderungen selbst und unserer Perspektive auf sie. Sind es negative oder positive Erwartungen, die wir damit verbinden? Muten sie uns Trauer und Abschied zu oder lassen sie Zukunft und Hoffnung erkennen? Müssen wir sie alleine bewältigen oder sind da Menschen, die uns begleiten? Doch ganz gleich, ob wir nun Mauern oder Windräder bauen, immer stellt sich die Frage, was hilft uns, wenn das, woran wir uns gehalten haben, nicht mehr hält? Tragfähiges nicht mehr trägt? Gewohntes aufgegeben werden muss? Wenn selbst die altehrwürdige Kirche vom Wind der Veränderung durchweht wird? Was bleibt? Was gibt Halt und Zuversicht? Worauf können wir uns verlassen, wem vertrauen? Diese Frage stellten sich auch die Menschen, die mit Jesus in einem Boot saßen. Jesus schlief und ein starker Wind schüttelte das Boot so sehr, dass sie Angst hatten unter zu gehen. Voller Furcht rüttelten sie Jesus wach uns fragten: „Interessiert es dich nicht, dass wir untergehen?“ „Wo ist euer Vertrauen?“, werden sie von Jesus gefragt und er gebietet dem Wind und den Wellen Einhalt. Mitten in den Stürmen des Lebens bleibt Gott bei uns, auch wenn wir es manchmal erst im Rückblick und im Nachhinein begreifen und erkennen. Wenn der Wind der Veränderung weht, dann können wir darauf vertrauen: Jesus ist mit im Boot - er ist mitten drin und lässt uns nicht untergehen. So können wir getrost Windräder bauen!

 

Jutta Walber


Superintendentin des Kirchenkreises Obere Nahe


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